Protest

Ponyhof in Marienfelde soll Wohnungen weichen

Der Ponyhof in Marienfelde und ein Gemüsehof soll Wohnungen oder vielleicht Modularen Unterkünften für Flüchtlinge weichen.

Die Kinder lieben den Ponyhof "Zu den flotten Hufen" in Marienfelde.  Die 2. Vorsitzende des Vereins, Jessica Böhm (2.v.links) und Michael Frohoff, Vater von Magdalena (links auf dem Pony) organisieren den Widerstand mit.

Die Kinder lieben den Ponyhof "Zu den flotten Hufen" in Marienfelde. Die 2. Vorsitzende des Vereins, Jessica Böhm (2.v.links) und Michael Frohoff, Vater von Magdalena (links auf dem Pony) organisieren den Widerstand mit.

Foto: Sergej Glanze

Berlin.  Eine grüne Oase am südlichen Rand Berlins: Das ist der Marienfelder Ponyhof „Zu den Flotten Hufen“. Das Gelände, auf dem derzeit 13 Ponys zu Hause sind, liegt am Lichtenfelder Ring, ganz in der Nähe der Hochhaussiedlung um die Waldsassener Straße. Hier lernen Kinder und Jugendliche nicht nur das Reiten, sondern auch, sich um die Tiere zu kümmern. Senioren aus dem Altenheim in der Nähe kommen oft und gerne vorbei, um die Ponys zu streicheln.

Ponyhof in Marienfelde als "kleine Wohlfühlwelt"

„Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der auf etwa zwei Hektar eine kleine Wohlfühlwelt geschaffen hat“, sagt die 2. Vorsitzende Jessica Böhm. Doch die Idylle ist bedroht. Denn der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will auf dem Grundstück Wohnungsbau ermöglichen.

Wohnungsprojekt mit Integrationscharakter

Es gibt sogar schon konkrete Vorstellungen: Die landeseigene Degewo möchte auf dem Gelände rund 320 Wohnungen bauen. Flüchtlinge und Berliner Mieter sollen darin leben. Die Wohnungsbaugesellschaft hat das Modellprojekt „Tolerantes Miteinander“ (ToM) bereits in Altglienicke in Treptow-Köpenick gestartet. Etwa die Hälfte der Wohnungen im geförderten Sozialwohnungsbau ist für geflüchtete Menschen mit Bleiberecht reserviert. Ein Anwohnercafé, mehrere Gemeinschaftsräume, Mietergärten und ein „Integrationsbüro“ fördern das Zusammenkommen.

Modulare Flüchtlingsunterkunft MUF im Gespräch

Nach Morgenpost-Informationen ist inzwischen aber auch im Gespräch, am Lichtenfelder Ring eine Modulare Flüchtlingsunterkunft (MUF) aufzustellen. Bislang sind lediglich zwei MUF-Standorte - in der General-Pape-Straße und der Röblingstraße in Tempelhof - geplant. Im Bezirk setzt man sich aber für das Modell-Neubauprojekt der Degewo ein.

„Freundschaft zum Pony“

Der Ponyclub will sich nicht vertreiben lassen. „Wir wollen unbedingt hierbleiben“, sagt die 2. Vorsitzende des 2002 gegründeten Vereins, Jessica Böhm. „Der Ponyhof ist seit vielen Jahren Anlaufstelle für viele Menschen, ein Treffpunkt für Jung und Alt.“

Gegründet hatte den Verein Gabriela Jaeschke. Sie beschreibt das Konzept so: „Bei uns geht es ganz bewusst nicht um den Elitesport, sondern um eine schöne und sinnvolle Freizeitaktivität, in der vor allem die Freundschaft zum Pony im Vordergrund steht.“ Durch das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Eltern sei es möglich, tolle Feste zu feiern, die Arbeitseinsätze der Mitglieder halten das Gelände in Schuss.

Gemüse für Spendenwarenhaus wird angebaut

Zu dem erfolgreichen Projekt gehört auch ein Gemüsehof. Mehr als 30 Langzeitarbeitslose bauen über die GFS-Fachschule für Steuern, Recht und Wirtschaft hier Obst und Gemüse an Die Ernte wird dann an über das Spendenwarenhaus „Die Lebensretter“ an Bedürftige ausgegeben.

Online-Petition gegen Verdrängung gestartet

Die Solidarität ist groß: Eine Nachbarin startete vor rund einem Monat auf change.org eine Online-Petition unter der Überschrift: „Für Wälder und Natur statt noch mehr Beton“. Inzwischen haben rund 2500 Unterstützer unterzeichnet.

„Für den Bereich Lichterfelder Ring, Waldsassener Straße (Berlin) ist ein neuer Flächennutzungsplan erstellt worden“, heißt es in dem Petitionstext. (www.change.org/p/senatsverwaltung-für-stadtentwicklung-und-wohnen-für-wälder-und-natur-statt-noch-mehr-beton). „Dieser sieht vor, rund 300 neue Wohnungen zu schaffen - dafür sollen der kleine Birkenwald und der Ponyhof „Flotte Hufe“ für eine weitere Hochhausfront weichen.“

Schon sehr dicht mit Hochhäusern bebaut

Der Bereich rund um das neu ausgewählte Bebauungsgebiet sei bereits sehr dicht mit vielen Hochhäusern bebaut. „Wir lassen uns unser Stück Natur, Wohlfühl- und Entspannungsbereich nicht einfach so nehmen“, so die Initiatorin der Petition, Miree Linee.

Kritik an Kommunikation

Dabei gibt es auch Kritik an der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. „Die geplante Änderung des Flächennutzungsplanes durch den Senat kam für uns völlig überraschend, sie wurde nicht aktiv kommuniziert“, kritisiert Michael Frohoff. Seine neun Jahre alte Tochter Magdalena reitet seit mehreren Jahren auf dem Ponyhof, zusammen mit seiner Frau engagiert sich der Gründer und Geschäftsführer einer Berliner PR-Agentur im Verein. So baute er zum Beispiel mit weiteren Mitgliedern einen neuen Ponystall.

Stellungnahmen abgegeben

Vom 6. Mai bis 7. Juni konnten die Anwohner eine Stellungnahme im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zu den geplanten Flächennutzungsplanänderungen abgeben. Zwei Varianten lagen vor. Bei einer Variante würde das Gelände der Gustav-Heinemann-Oberschule mit einbezogen. Die Schule zieht nach Jahrzehnten in einem Provisorium in Leichtbauweise voraussichtlich in zwei Jahren in ein neues Gebäude am Tirschenreuther Ring 48 um. „Beide Flächennutzungsplan-Varianten würden wohl das Aus für den Ponyhof bedeuten“ fürchtet Frohoff. In einem Fall wäre auch ein Birkenwäldchen bedroht.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Hohes Wohnungsdefizit

„Vor dem Hintergrund des hohen Wohnungsdefizits bei gleichzeitig hoher Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum rücken verstärkt landeseigene Grundstücke in den Fokus für gemeinwohlorientierten Wohnungsbau“, begründet die Senatsverwaltung die geplante Änderung des Flächennutzungsplanes. Sie diene „dem gesamtstädtischen Planungsziel, neue Flächenpotenziale für Wohnen und ergänzende Nutzungen in der wachsenden Stadt zu aktivieren“.

Bereits vor etwa zwei Jahren hatte der Bezirk dem Verein das Vorhaben mitgeteilt, auf dem Ponyclub gepachteten Grundstück Wohnungsbau zu ermöglichen. „Wir standen mit Bezirksbürgermeisterin Schöttler und Stadtentwicklungsstadtrat Oltmann in einem guten Austausch“, betonte Frohoff ,„die geplante Flächennutzungsplanänderung überraschte uns dann aber.“

Bürgermeisterin Schöttler und Stadtrat Oltmann: Neue Heimat für Ponyhof

Auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD): „Der Ponyhof ist mir sehr wichtig. Er muss eine Zukunft haben.“

Der zuständige Stadtrat Jörn Oltmann (Grüne) betonte: „Wir wollen auf alle Fälle, dass der Ponyhof eine neue Heimat in der Nähe bekommt.“ Der Bezirk setze sich dafür ein, dass der Umzug logistisch und finanziell unterstützt werde. Ein neuer Standort sei aber noch nicht gefunden. Womöglich komme ein Grundstück am Schichauweg in Frage komme, dies werde geprüft.