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Berlin Trend: Bauen auf dem Tempelhofer Feld ist erwünscht

2014 stimmten zwei Drittel der Berliner für ein freies Tempelhofer Feld. Nun kann sich eine Mehrheit dort Wohnungen vorstellen.

Berlin Trend Mai 2019

Berlin Trend Mai 2019

Foto: Babette Ackermann-Reiche / bm infografik

Berlin. Wohnungsnot und Konkurrenz um Flächen haben bei den Berlinern Eindruck gemacht. Eine Mehrheit ist nun bereit, die größte innerstädtische Freifläche doch zum Teil zu bebauen. Hatten im Mai 2014 beim Volksentscheid über das Tempelhofer Feld noch knapp zwei Drittel dafür votiert, das Rollfeld des alten Flughafens für Wohnungen und die Landesbibliothek zu nutzen, hat sich die Stimmung nun gedreht.

Im Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau sagten 59 Prozent der Befragten, sie seien dafür, an den Rändern des mehr als 300 Hektar großen Areals neue Wohnungen zu errichten. Nur noch 38 Prozent halten zu dem vor fünf Jahren beschlossenen Volksgesetz und lehnen jegliche Bebauung des Feldes ab.

Unter den Anhängern aller im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien finden sich deutliche Mehrheiten für Wohnungen auf dem Feld. Am klarsten äußern sich Wähler der CDU, von denen drei Viertel (76 Prozent) das Volksgesetz ändern wollen. Auch im Lager der AfD sind 71 Prozent dieser Meinung, unter FDP-Sympathisanten 63 Prozent.

Aber auch die Unterstützer der Koalitionsparteien würden mehrheitlich einen Kurswechsel unterstützen. Unter den Linken-Wählern sind 59 Prozent dafür, die Idee vom komplett freien Feld aufzugeben. Bei SPD und Grünen sind es mit 58 Prozent fast genau so viele. Die Unterstützer von Rot-Rot-Grün halten nur noch zu jeweils 38 Prozent an der Linie ihrer bevorzugten Parteien fest, auf eine Bebauung zu verzichten.

Vor allem im Ostteil der Stadt gibt es Unterstützung

Im Ostteil der Stadt findet die Idee eines Wohnungsbaus mehr Anhänger als in den westlichen Bezirken der Stadt. Im Osten sind 62 Prozent dafür, das Feld zu nutzen, 36 Prozent wären dagegen. Im Westteil fällt die Mehrheit mit 57 Prozent kleiner aus, wäre aber immer noch deutlich. 39 Prozent wären dagegen.

Die Ergebnisse des Berlin Trends machen auch deutlich, dass jüngere Berliner mehr an dem freien Feld hängen als ältere. Unter den 18- bis 39-jährigen ist die Mehrheit für eine Bebauung am schmalsten. 53 Prozent sind für Wohnungen an den Rändern, 43 Prozent wollen das Feld wie es ist belassen. Unter den Bürgern zwischen 40 und 64 Jahren steigt die Zustimmung auf 55 Prozent, 42 Prozent wollen das Volksgesetz behalten. Die über 65-Jährigen sehen die Notwendigkeit neuer Wohnungen noch dringlicher oder sie hängen weniger an der Freifläche. 74 Prozent der Älteren würde Wohnungen auf dem Feld begrüßen, nur 23 wären dagegen.

Und auch Enteignungen großer Wohnungsunternehmen sehen die meisten Befragten kritisch. Nur eine Minderheit hält sie für geeignet, die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern.

Für den Berlin Trend befragte Infratest dimap zwischen dem 30. April und dem 4. Mai 1000 wahlberechtigte Berliner per Telefon.