Notunterkunft

Berliner Stadtmission errichtet Traglufthalle für Obdachlose

Auf einem Bahngelände an der Hauptstraße in der Nähe des Innsbrucker Platzes in Schöneberg hat die Berliner Stadtmission eine Traglufthalle für Obdachlose errichtet. Sie soll bis Ostern 2015 stehen.

Foto: Friedrich Bungert / dpa

Rollrasen ist ausgelegt. Wacholderbäumchen und ein Rhododendronstrauch wachsen neben Krokussen in einer Ecke. Darüber, in neun Metern Höhe, wölbt sich das helle Dach der Traglufthalle. Sie steht auf einem Bahngelände an der Hauptstraße, in der Nähe des Innsbrucker Platzes in Schöneberg. Unter dem Hallendach können 100 Obdachlose übernachten.

Die Halle ist eine von drei Notunterkünften der Berliner Stadtmission in der Kälteperiode. Die Leichtbau-Konstruktion gehört der Firma Care Energy, die sie kostenlos bereit stellt und die Betriebskosten zahlt. Bis kurz nach Ostern 2015 werde die Halle stehen bleiben, sagte Marc März, Sprecher des Energieunternehmens, am Freitag bei der offiziellen Präsentation der Unterkunft. Die Firma hat auch die Schlafplätze zur Verfügung gestellt. Auf dem Rollrasen stehen Klappliegen mit Matratzen.

Energie durch Photovoltaik

Mehrere Felder von Bauzäunen, mit weißen Planen überspannt, grenzen den Schlafbereich ab. In einem anderen Teil der Halle stehen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Küchenschränke. Tische und Bänke sind aufgestellt. Auch zwei Container mit WCs und Duschen sind installiert. Die Halle diente schon im vergangenen Winter als Obdachlosenunterkunft in Schöneberg.

2014 zahle das Unternehmen etwa eine Million Euro für den Betrieb, sagte Marc März. Strom werde über eine Photovoltaikanlage gewonnen. Der Luftdruck in der Halle ist dank eines Gebläses um 0,1 bis 0,2 Bar höher als draußen, sodass die Planen in der Höhe, mit Stahlkabeln und Lampen, getragen werden. „Halle-Luja“ wird das Bauwerk von der Stadtmission genannt. Seine Grundfläche beträgt 34 mal 36 Quadratmeter.

Es öffnet täglich um 21 Uhr. Schon um 19 Uhr werden Wartemarken ausgegeben. Die ersten Gäste haben bereits in dieser Woche übernachtet. Handtücher, Bettbezüge und Laken, die über den Bauzaun-Feldern hängen, zeugen davon. Die Halle ist männlichen Wohnungslosen vorbehalten. Hans-Georg Filker, Vorstand der Berliner Stadtmission, sprach von den gebrochenen Biografien der Menschen, die kommen. Es seien Kleinkriminelle darunter und Männer, die in ihren Familie Unheil angerichtet hätten. Auch Kranke stehen vor der Tür und können auf Hilfe hoffen.

11.000 Menschen in Berlin haben keinen festen Wohnsitz

Am Einlass werden die Gäste auf Läuse kontrolliert, und erhalten eine Kopfbehandlung und Haarwäsche, falls sich die kleinen Insekten eingenistet haben. Die Männer bekommen am Abend eine Suppe, am Morgen ein Frühstück. Kaffee und Tee stehen bereit, auf der Bettdecke liegt ein Bonbon. Sie können sich einmal in der Woche von einer Sozialarbeiterin beraten lassen. Auch eine fremdsprachige Beratung für osteuropäische Obdachlose wird angeboten.

Nach Schätzungen der Caritas und des Diakonischen Werks haben rund 11.000 Menschen in Berlin keinen festen Wohnsitz. Auf mehrere Tausend wird die Zahl derer geschätzt, die nur noch auf der Straße übernachten. Mehr als 200 Schlafplätze bietet die Berliner Stadtmission im Winter in ihren drei Notunterkünften an, davon rund 60 in den Räumen an der Lehrter Straße und 42 an der Kopenhagener Straße.

Vor einer Woche habe der Aufbau der Traglufthalle in Schöneberg begonnen, erzählte Martin Enzner von der Stadtmission. Unter die Mitarbeiter von Stadtmission und Care Energy habe sich unbemerkt ein Obdachloser gemischt und zwei Tage lang mitgeholfen. „An diesem Ort soll jeder so sein können wie er ist“, sagte Enzner. Durch Wertschätzung wolle man den wohnungslosen Menschen in den kommenden Monaten wieder Selbstvertrauen geben.