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Die Schulgemeinschaft der Schweizerhof Grundschule in Berlin-Steglitz-Zehlendorf sucht nach Strategien für mehr Schulwegsicherheit. Die Lage morgens und nach Schulschluss empört dort – wie berichtet – Eltern und Lehrpersonal. Wie aber ist die Lage an anderen Schulen im Bezirk? Antworten darauf gibt Anne Grant vom Netzwerk Schulwegsicherheit, einer Arbeitsgemeinschaft beim Bezirkselternausschuss, zu der mehr als 30 Schulen gehören.

Grundschulkinder auf dem Weg zu und von ihren Schulen: Was sind für Schüler die schwersten Mängel bei der Straßenausstattung, was gefährdet sie?

Das sind vor allem immer die eingeschränkten Sichtverhältnisse, insbesondere durch Falschparker. Zudem müssen überall dort Grünphasen der Fußgängerampeln verlängert werden, wo sie Hauptstraßen überqueren. Helfen würden auch alleinige Grünphasen für Fußgänger, da der Abbiegeverkehr eine Gefährdung darstellt. Und es braucht bauliche Maßnahmen, die die Raserei einschränken. Zum Beispiel Gehwegvorstreckungen und Berliner Kissen. Letztere gibt es schon vor der Athene-Grundschule und der Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule.

Anne Grant vom Netzwerk Schulwegsicherheit, einer Arbeitsgemeinschaft beim Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf.
Anne Grant vom Netzwerk Schulwegsicherheit, einer Arbeitsgemeinschaft beim Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf.© Patrick Goldstein | Patrick Goldstein

Senatszuständigkeit bremst Verbesserungen an Schulstraßen

Welche Schulen zeigen da auf ihren Wegen die größten Defizite?

Betroffen sind besonders Schulen, die an oder im Bereich von Hauptstraßen liegen. Schulen in unserem Netzwerk, die über Hauptstraßen klagen, sind etwa die Grundschule am Insulaner mit dem Münsterdamm und dem Steglitzer Damm in der Nähe. Bei der Dunant-Grundschule ist es die Schildhornstraße. Die Athene ist nahe der Drakesstraße. Die Giesendorfer direkt am Ostpreußendamm. Es gibt viele Beispiele. Das sind Straßen, die zum übergeordneten Straßennetz gehören – für das der Senat zuständig ist. Da etwas zu verändern, dauert einfach Ewigkeiten.

Wo bekommen es Kinder mit Rasern zu tun?

Überall. Ich kenne keine Grundschule, nahe oder vor der die Leute nicht zu schnell fahren.

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Gefährliche Kreuzungen sorgen für Beinahe-Unfälle in der Schulumgebung

Im Juni wurde ein Achtjähriger auf dem Teltower Damm angefahren. Auf dem Zebrastreifen. Welche Gefahrenstellen in Steglitz-Zehlendorf würden Sie gern behoben sehen?  

Jeder kann wahrscheinlich ein Beispiel nennen, wo es zu einem Beinahe-Unfall mit einem Schüler gekommen ist. Aber die Kreuzung Schlossstraße/Braillestraße/Hindenburgdamm mit der Rothenburg Grundschule um die Ecke ist seit Längerem als Problem bekannt. Ebenso der Dahlemer Weg.

Ist es im Bezirk an bestimmten Schulen gelungen, das Problem der Elterntaxis in den Griff zu bekommen? Wenn ja, wie?

Wirklich in den Griff bekommen hat das niemand. Die Grundschule am Insulaner und auch die Mühlenau haben Schilder, die eine autofreie Zone ausweisen. Sie versuchen, das Versprechen einzuholen, dass Kinder, die mit dem Auto gebracht werden, außerhalb dieser autofreien Zone abgesetzt werden und dann den letzten Weg der Strecke zu Fuß bestreiten. Aber selbst diese Schulen haben noch ein paar Elterntaxis. Man muss betonen, dass sich an den Schulen nicht die Mehrheit der Eltern so verhält. Aber gehen wir mal davon aus, dass es 450 Schüler gibt und nur 20 Prozent der Eltern bringen die Kinder mit dem Auto, wie an der Conrad-Schule einmal ermittelt wurde. Dann sind es immer noch 90 Autos innerhalb von 15 Minuten, die diese Straße einfach verstopfen. 20 Prozent machen dann das ganze System kaputt.

Transparent vor der Schweizerhof-Grundschule.
Transparent vor der Schweizerhof Grundschule.© Patrick Goldstein | Patrick Goldstein

Schulen stellten konkrete Anträge in der BVV

Das Bezirksamt setzt zur Schulwegsicherung auf die genannten Berliner Kissen, aber auch auf Gehwegvorstreckungen und Bordsteinabsenkungen. Reicht das? 

Nein. Es wurden in den letzten fünf Jahren einige Maßnahmen umgesetzt. Aber das waren einfach zu wenige. Uns ist wichtig, dass dann auch wirklich kontrolliert wird, also dass Parkverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen durchgesetzt werden. Effektiv wäre auch Tempo 30 um alle Schulen herum. Die Schulen in unserem Netzwerk haben gemäß Paragraf 17a des Berliner Mobilitätsgesetzes Gremien für Mobilität gegründet, und diese sollten unbedingt stärker gehört und einbezogen werden. Die wichtigsten Aufgaben betreffen meistens Hauptstraßen – und da passiert einfach zu wenig. Wofür wir uns einsetzen, sind temporäre oder permanente Schulstraßen. Das wäre die beste Lösung.

Der Bezirk hat aber nicht eine einzige Schulstraße.

Es lagen in den letzten fünf Jahren konkrete Anträge der Schulen in der BVV vor. Sie waren auch ein Ziel der aktuellen BVV-Zählgemeinschaft.

Wie fit sind die bezirklichen Fahrradwege für Grundschulkinder, die so ihre Schulwege bestreiten?

Positiv kann man hervorheben, dass sie an einigen Hauptstraßen ausgebaut wurden. Beispielsweise am Steglitzer Damm oder auf der Kaiser-Wilhelm-Straße. Ansonsten allerdings, vor allem in Zehlendorf, sind die Fahrradstreifen sehr marode. Die Lage insgesamt ist nicht gut. Oft gibt es gar keine Radwege für die Schüler. Und Fahrradstraßen fehlen auch.