In der Sonne sehen die Häuser im Wirtschaftshof vom Schloss Glienicke wie Märchenkulissen aus. Die Strahlen bringen den ockergelben Anstrich des Ensembles aus Turmgebäude, Remise und Konditorei zum Leuchten, hell heben sich die Fassaden vom Dunkelgrün des Landschaftsparks ab. Mehr als 180 Jahre sind die Gebäude alt, die vor dem Abriss gerettet wurden und längst unter Denkmalschutz stehen. Während im Turmgebäude zuvor noch eine Mieterin wohnte, standen die anderen Häuser lange leer und wucherten zu.
Das ist vorbei, die drei Gebäude sind bereit für Neues: Auf dem von Ludwig Persius (1803–1845) entworfenen Wirtschaftshof entsteht das neue Eingangsportal zum Unesco-Welterbe der Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin. Am Mittwoch sind die Bauarbeiten für ein neues Besucherzentrum offiziell gestartet. In unmittelbarer Nähe zur Glienicker Brücke sowie zum Berliner Mauerweg soll es künftig ein umfassendes touristisches Informations- und Serviceangebot für Besucherinnen und Besucher geben.

Neben Ausstellungen zur Geschichte von Schloss und Garten, für die Namen wie Karl Friedrich Schinkel und Peter Joseph Lenné stehen, soll auch der Kalte Krieg und die Bedeutung der Glienicker Brücke aufgearbeitet werden. Dazu kommt noch ein gastronomisches Angebot und die Möglichkeit, im Hof zu sitzen und das Anwesen zu genießen.
Nach 2,5 Jahren Bauzeit soll das Besucherzentrum fertig sein
Läuft alles nach vielen Jahren der Vorarbeit endlich nach Plan, könnte das Besucherzentrum in 2,5 Jahren, also 2029, fertig sein. Die landeseigene Grün Berlin übernimmt die Bauherrenfunktion und das Gesamtprojektmanagement. Knapp zwölf Millionen Euro wird der denkmalgerechte Umbau kosten, davon stammen zehn Millionen aus dem Förderprogramm zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW).

Die Idee, inmitten mehrerer Schlösser und Parks ein „kleines Welterbezentrum“, wie es der Landeskonservator Christoph Rauhut nennt, zu errichten, hatte der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Schon vor knapp 15 Jahren gab es erste Überlegungen, sich um den Wirtschaftshof zu kümmern. Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) erinnert sich noch daran, wie es hieß: „Wir müssen die Gebäude retten.“
Wir sind zwar ein Außenbezirk, aber das Eingangstor nach Berlin.
Maren Schellenberg (Grüne),, Bezirksbürgermeisterin Steglitz-Zehlendorf
Doch dann folgte eine lange Phase, in der „einige Schwierigkeiten zu überwinden waren“, so Schellenberg. Dazu gehörten nicht nur Fledermäuse, Wildbienen und Zauneidechsen, sondern auch die Mieterin, die heute im Pflegeheim ist. Am Ende fehlte das Geld. Doch mit Unterstützung der Senatswirtschaftsverwaltung und dank der GRW-Mittel konnte die Finanzierung gestemmt werden. „Wir sind zwar ein Außenbezirk, aber das Eingangstor nach Berlin“, sagte die Bezirksbürgermeisterin. Mit dem Besucherzentrum ist die Hoffnung groß, noch mehr Touristen in den Südwesten zu holen.

Der Ort ist wieder auf dem Stadtgrundriss zurück
Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt unterstrich zum Baustart den sowohl aus denkmalpflegerischer als auch aus stadtplanerischer Sicht „bedeutenden Schritt“. Es sei ein hochkarätiges Denkmalensemble, für das es jetzt gelungen sei, eine tragfähige Nutzung zu finden. Als Informationszentrum für die Welterbestätte komme der Ort wieder in den Stadtgrundriss zurück.

Doch zunächst werden aus den Gebäuden des Ensembles alle Einbauten, die nicht unter den Denkmalschutz fallen, wie Trafostation, WC-Anlagen und Trennwände, entfernt. Dadurch können im Turmgebäude zwei große Räume wiederhergestellt und für den Ausstellungs-, Informations- und Shop-Bereich genutzt werden. In der Remise, einem ehemaligen Stallgebäude, entstehen Funktionsflächen, darunter Sanitär- und Technikflächen. Die einstige Konditorei ist für weitere Ausstellungs- und Serviceflächen vorgesehen.
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Noch immer sind Teile des dahinter liegenden Landschaftsparks Glienicke wegen der Gefahr des Astbruchs gesperrt. Der Bezirk schafft es nicht allein, alle Bäume zu kontrollieren. Doch demnächst wird die gesamte Parkfläche an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) übertragen. Bis es so weit ist, soll der Bezirk Unterstützung erhalten, damit der Park wieder freigegeben werden kann. Aufgabe der Stiftung wird es sein, in einem nächsten Schritt das Matrosenhaus und die Teufelsbrücke auf dem Areal instand zu setzen.
Gleich nebenan eröffnet der Wannsee-Anleger am Freitag
Steglitz-Zehlendorf will das neue Besucherzentrum auch nutzen, um auf seine touristischen Angebote, wie Rad- und Wassertourismus sowie Museen, aufmerksam zu machen. Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg verpasste es am Ende der Veranstaltung nicht, auf die Wiedereröffnung der Ronnebypromenade am Wannsee-Anleger hinzuweisen. Für Touristen und Ausflügler eine neue Attraktion im Südwesten – mit Wasserblick.



