Für alle, die im Südwesten vom Stromausfall Anfang Januar betroffen waren, war es eine gute Nachricht: Nach anfänglichem Zögern hieß es, dass die Kosten für die Übernachtungen in Hotels vom Land Berlin übernommen werden. Die Rückzahlung der Beträge ist gerade ein großes Thema in einigen Steglitz-Zehlendorfer Gruppen in den sozialen Medien. Allerdings mit sehr viel Unmut. Auf die Frage, wer sein Geld schon zurückbekommen habe, meldeten sich unzählige Gruppenmitglieder zu Wort. Fast alle warten noch auf ihr Geld, zumindest von denen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten.

Das ist offenbar Sozialstadtrat Tim Richter (CDU) auch nicht entgangen. Denn er äußert sich jetzt in einer Mitteilung des Bezirksamtes nicht nur zum Stand der Rückzahlungen, sondern auch zu dem aufwendigen Prozedere. „Die Übernahme der Kosten für die Unterbringung schreitet schnell voran“, lässt der Stadtrat wissen. Jeden Tag würden Zahlungen angewiesen werden. Voraussichtlich im Frühsommer werde die extra geschaffene Arbeitsgruppe mit der Bearbeitung aller Anträge und den Rückzahlungen fertig sein, hofft Richter.

Fast 3000 Anträge auf Kostenübernahme für Hotel und Unterbringung sind beim Bezirk Steglitz-Zehlendorf eingegangen. Mit Stand 7. April sind nach Auskunft von Richter 800 Anträge in Zahlung gegeben beziehungsweise bereits auf die Konten der Betroffenen ausgezahlt worden. Noch einmal knapp 800 Anträge konnten noch nicht bearbeitet werden, weil sie unvollständig sind.

Unterlagen für die Erstattung müssen vollständig sein

Grundlage der Prüfung sind die eingereichten Hotelrechnungen sowie Angaben zum Aufenthalt während des Stromausfalls. Voraussetzung für eine Erstattung sind vollständige und prüffähige Unterlagen. „Unser Ziel ist es, berechtigte Anliegen möglichst zügig und lösungsorientiert zu bearbeiten. Um die Bearbeitung weiter zu beschleunigen, sind derzeit rund ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Berliner Verwaltung zusätzlich im Einsatz“, so Richter. Dennoch werde die Bearbeitung angesichts der hohen Anzahl von Anträgen noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Erstattungsfähig sind alle bedarfsgerechten Übernachtungen im Zusammenhang mit der Großschadenslage, die aufgrund des großflächigen Stromausfalls im Januar 2026 ausgerufen wurde. Die Erstattung ist nicht auf bestimmte Hotels beschränkt. Für diese gesonderte Kostenübernahme hat der Bezirk nicht nur eine entsprechende Arbeitsgruppe eingesetzt und Flächen im Großraumbüro ertüchtigt, sondern auch das technisch-organisatorische Fachverfahren entwickelt.

Bearbeitungszeit für alle Anträge bei etwa 3500 Stunden

Liegen alle notwendigen Informationen vor, dauert die Bearbeitung des Antrags bis zu 70 Minuten. Tim Richter rechnet vor: Bei 3000 Anträgen entspricht das einer Bearbeitungszeit von 210.000 Minuten, also rund 3500 Stunden. Das sind bei einer 40-Stunden-Woche etwa 87,5 Arbeitswochen für eine Person, also gut 1,7 Jahre als reine Arbeitszeit für alle Anträge. Allerdings bearbeiten mehrere Teams die Anträge, sodass Anträge parallel behandelt, Rückfragen eingeholt und anderweitig Auszahlungen erfolgen können.

„Es kommt in einer Vielzahl der Anträge vor, dass zum Beispiel Rückfragen bestehen. Oder Fotos der Dokumente nicht klar erkennbar sind oder fehlen“, sagt der Stadtrat. Das spiegelt sich in der Zahl der noch unvollständigen Anträge wider.