Dass eine Zwischennutzung des leerstehenden Steglitzer Kreisels etwas besonderes ist, war schon vorher klar. Jetzt ist sie auch noch preisgekrönt. Der Titel des Wettbewerbs ist etwas lang und sperrig: Mittendrin Berlin: Zentren reloaded – Kreative Köpfe für Berlin gesucht. Unter diesem Motto hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Initiativen aufgerufen, ihre Projekte einzureichen. Genau das trifft alles auf die Macher von „Zeit ist knapp (ZIK)“ zu. Sie sind mittendrin, kreativ und haben einen neuen Treffpunkt geschaffen. Am Fuß des Steglitzer Kreisels, wo seit Jahren Baustelle ist, ist wieder ein lebendiger Ort entstanden.

Kreisel Globetrotter Zwischennutzung ZIK
Wieder im Trendsport: Auf einer großen Fläche kann Rollschuh-gelaufen werden, es gibt auch eine Rollschuhdisko.© Katrin Lange | Katrin Lange

In dem Wettbewerb wurden im Mai 2025 aus insgesamt 47 Bewerbungen sechs Gruppen für die zweite Wettbewerbungsphase ausgewählt. Daraus gingen jetzt drei Gewinner für ihre innovativen Ansätze für neue „Dritte Orte“ in Berliner Zentren und Geschäftsstraßen hervor: die Kooperative Südliche Friedrichstadt, Kreisler e. V. und ZIK Kulturräume UG. Sie erhalten jeweils 20.000 Euro für die Umsetzung ihrer Konzepte. Unterstützt werden mit dieser öffentlich-privaten Partnerschaft, zu der auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) gehört, lokale Initiativen in der Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.

Kreisel Globetrotter Zwischennutzung ZIK
Blick auf den Boxring, in dem kostenloses Training angeboten wird.© Katrin Lange | Katrin Lange

„Kultur statt Leerstand“ ist der Ansatz der Initiative „ZIK Kulturräume UG“ für die leerstehende Fläche des ehemaligen Globetrotter-Ladens im Erdgeschoss des Kreisels. Durch das Engagement der Gruppe entstehe in Kooperation mit zahlreichen Partnern ein belebter „Dritter Ort“, heißt es in der Begründung der Auszeichnung. So gibt es feste Öffnungszeiten und ein kuratiertes Programm mit täglichen, wöchentlichen und monatlichen Angeboten wie Rollschuhlaufen, Kiezflohmarkt, einer Bühne für Jam Sessions oder Ausstellungen lokaler Kunstschaffenden. Jeder kann vorbeikommen, der vielfach kostenfreie Zugang zum Programm, zu dem auch ein Boxtraining gehört, macht den Standort attraktiv.

„Die ausgewählten Projekte beeindrucken durch ihre kreativen Ideen für die Belebung und Gestaltung Berliner Zentren“, erklärt Alexander Slotty, Staatssekretär für Bauen. Mit der Umsetzung der Projekte würden die Standorte durch ergänzende Handels-, Kultur- oder Sportangebote bereichert und die Aufenthaltsqualität im Quartier deutlich verbessert werden.

Als „Dritte Orte“ werden Räume außerhalb der eigenen vier Wände und des Arbeitsorts bezeichnet. Diese Orte sind für verschiedene beispielsweise soziale, kulturelle, Bildungs- oder Bewegungsnutzungen offen und ermöglichen niederschwellig Begegnung und Austausch. Mit vielfältigen, oft konsumfreien Angeboten tragen sie zu einer integrativen Stadtgesellschaft bei und sind geeignet, Zentren zu beleben und neue Zielgruppen anzusprechen.