Am Dienstag hat sich eine Traube von Menschen vor dem Kultbiergarten „Luise“ in Dahlem-Dorf versammelt. Sie warten auf das traditionelle Martinsgansessen am 11. November – eine der letzten Gelegenheiten, noch einmal in dem Restaurant zusammenzukommen.
Die „Luise“ galt jahrzehntelang als Institution im Südwesten Berlins. Sie zog nicht nur zahlreiche Anwohner an, auch Generationen von Studierenden waren häufige Gäste in dem Lokal an der Königin-Luise-Straße. Doch damit ist bald Schluss: Zum Jahresende soll die „Luise“ schließen – nach mehr als 60 Jahren. Das sorgt im Kiez für spürbare Enttäuschung und Wehmut. Eigentümer Matthias Wegert führt die Schließung vor allem auf die stark gestiegenen Kosten zurück, die durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg ausgelöst wurden.
Freie Universität: Studenten verlieren mit dem Luise-Aus ihren Treffpunkt
Besonders junge Menschen bedauern das Aus des Biergartens. Maxim, Jakob und Emil, drei Studenten der Freien Universität, sind in Dahlem aufgewachsen und haben hier die Schule besucht. „Wir finden es wirklich schade, dass die Luise dichtmacht“, sagte Jakob der Berliner Morgenpost. „Wir sind gerne dort gewesen, zum Fußballgucken oder einfach auf ein Bier mit Freunden.“ Auch seine Mutter sei dort jahrelang gerne hingegangen, um sich mit ihren Freundinnen zu treffen.
„Es gibt leider auch nicht allzu viele Alternativen in Dahlem“, ergänzt Emil. Natürlich würden sie auch mal in die Stadt hineinfahren, sagt er, „aber es wäre schön, wenn es mehr Orte gäbe, wo man nach der Uni direkt hingehen kann.“

Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Gelände sollen laut Eigentümer acht neue Wohnungen entstehen. Das historische Gebäude der „Luise“ soll zwar erhalten bleiben, möglicherweise wird es künftig an ein Bistro oder Café verpachtet. „Wenn hier neue Wohnungen entstehen, ist das grundsätzlich gut“, meint Maxim, „aber wir bezweifeln, dass die für Studenten überhaupt bezahlbar sein werden. Es wäre schön, wenn stattdessen mehr in Angebote für Studenten investiert werden würde“.
Auch andere Studierende reagieren betroffen – wie Jan, Noah, Oskar und Annabelle, die gemeinsam Grundschullehramt studieren. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Jan. Seit gut einem Jahr studieren sie an der Freien Universität und waren regelmäßig Gäste in der „Luise“. Besonders im Sommer sei der Biergarten ein fester Treffpunkt gewesen. Dass das Lokal nun schließen muss, findet Annabelle schlichtweg „doof“.
Berlin Dahlem: Nach Luise-Schließung bleiben kaum bezahlbare Restaurants für Studierende
In Dahlem-Dorf, so erzählen die Studierenden, gebe es zwar einige Restaurants – doch viele seien auf Dauer für Studenten kaum bezahlbar. „Die Luise war da noch eine Ausnahme“, sagt Noah. „Man hat dort das Bier noch günstig bekommen.“ An manchen Tagen seien sie jedoch auch die einzigen jungen Gäste gewesen. „Aber wir waren echt gerne dort“, erklärt Oskar abschließend.
Dass die Luise schließt, bedauern nicht nur die Studierenden, sondern auch die Nachbarschaft. Die Geschäfte rund um das Lokal spüren schon jetzt, dass ein Stück des Kiez verloren gehen wird. Im benachbarten „Alten Krug“ betonte man, „keine ähnlichen Probleme“ zu haben, zugleich aber, dass der benachbarte Biergarten im Kiez sehr fehlen werde.



