Die Aufregung war groß: Da hatte jemand Fotos von den Terrassenplätzen des Café Fendricks gemacht, weil der Bürgersteig seiner Ansicht nach zugestellt und versperrt war und ins Rathaus geschickt. Das Tiefbauamt reagierte prompt und verbot das Aufstellen von Tischen und Stühlen vor dem kleinen Café in der Muthesiusstraße, direkt an der Ecke zur Schloßstraße. „Da hatte vielleicht jemand zwei Tische so umgestellt, dass sie in der Sonne stehen“, erklärt Geschäftsführer Till Maiwald den Vorfall.

Für ihn stand damit seine Existenz auf dem Spiel. Knapp 50 Plätze gibt es vor dem Café, die in der warmen Jahreszeit fast immer alle besetzt sind. Um auch im Winter Stühle und Tische nach draußen stellen zu können, hat der Inhaber eine Markise anbauen lassen, unter der jetzt etwa 25 Gäste Platz haben. Doch die ragt auf den Gehweg hinaus und war zu diesem Zeitpunkt noch nicht genehmigt. „Das ist mein Todesstoß, wenn ich keine Tische mehr rausstellen darf und alles abbauen muss“, erklärte Maiwald nachdem er das Schreiben bekommen hatte. Nicht nur seine wirtschaftliche Existenz stünde auf dem Spiel, sondern auch die Jobs von 24 Mitarbeitern, sagt Maiwald.

Stadtrat Aykal hat sich die Situation sofort angesehen

Was ihn am meisten erbost hat: Keiner aus dem Amt hätte sich die Lage vor Ort angesehen. „Sie haben nur auf die Fotos reagiert“, so der Café-Betreiber. Auf Anfrage der Morgenpost beim Ordnungsamt, kam tatsächlich sofort ein Treffen zustande. Bezirksstadtrat Urban Aykal (Grüne) nahm sich sogar in seinem Urlaub die Zeit, um zum Café zu kommen und die Situation zu klären.

Café Fendricks, Steglitz, Muthesiusstraße Ecke Schloßstraße
Die Markise des Café Fendricks in der Muthesiusstraße, Ecke Schloßstraße ragt auf den Gehweg hinaus.© Katrin Lange | Katrin Lange

Aus seiner Sicht habe er ein sehr konstruktives Gespräch geführt, erklärt der Stadtrat nach dem Termin auf Anfrage der Morgenpost. Urban Aykal stellt klar: Der Antrag für die Genehmigung der Terrassenplätze sei gerade erst von dem Café-Betreiber eingereicht worden. Eine Genehmigung könne leichter erteilt werden, „wenn die notwendige Gehwegbreite vor allem im Sinne von Menschen mit Behinderungen oder zum Beispiel von Eltern mit Kinderwagen weiterhin gewährleistet werden kann“, so Aykal. Das sei nach einer ersten Inaugenscheinnahme unter bestimmten Bedingungen durchaus möglich, so dass die meisten Plätze nicht verschwinden müssen beziehungsweise werden.

Fahrradbügel könnten versetzt werden für mehr Platz

Am Ende hat die Geschichte sogar noch eine gute Wendung für Till Maiwald. Stadtrat Aykal bot an, rechtzeitig zum Frühsommer die drei Fahrradbügel so zu platzieren, dass das Café noch mehr, vor allem geordnete Sitzmöglichkeiten anbieten kann. „Zudem befindet sich dort ein wunderschöner Baum“, so Aykal. Er habe vorgeschlagen, dass das Café gerne die Baumscheibenpatenschaft übernehmen kann.

Till Maiwald, GF Fendricks, Schloßstraße Steglitz
Till Maiwald in der kleinen Filiale des Café Fendricks in der Schloßstraße. Nach einem Jahr musste er sie wieder schließen.© Katrin Lange | Katrin Lange

Für Till Maiwald geht es nicht nur um die berufliche Existenz. Er hatte kürzlich nach nur einem Jahr eine kleine Filiale des Fendricks in der Schloßstraße wegen Mitarbeitermangel, fehlender Kaufkraft und der schlechten Wirtschaftslage schließen müssen. Es geht auch um einen der wenigen Treffpunkte an der Schloßstraße, die gut angenommen werden.

Das Café in der Muthesiusstraße ist immer gut besucht. Viele Stammgäste treffen sich dort, von jungen Menschen bis zu Gruppen von älteren Damen, die den Kaffee zu schätzen wissen. „Das Café ist ein beliebter Begegnungsort von Menschen aus Steglitz und darüber hinaus“, sagt auch Stadtrat Aykal. Insofern werde er es bei Genehmigungsfragen gerne unterstützen.