Vor sieben Jahren hat die Planung für das neue Stadtviertel in Lichterfelde Süd begonnen. In Neulichterfelde - so der Name des Quartiers - will die Groth Gruppe 2500 neue Wohnungen errichten. Bereits 2016 sollte Baustart zwischen Osdorfer Straße, Landweg und S-Bahn-Gleisen sein. Doch weitere Gutachten, Naturschutzauflagen und schließlich der Fund der original erhaltenen Baracken für Zwangsarbeiter aus dem Zweiten Weltkrieg haben immer wieder für Verzögerung gesorgt. Jetzt aber ist das Bauvorhaben auf der Zielgeraden: Investor und Bezirk wollen bis zum Spätsommer das Planungsverfahren abgeschlossen haben. Mitte 2022 könnte der erste Spatenstich erfolgen.
"Wir sind dabei, den städtebaulichen Vertrag fertigzustellen", sagt Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf. Das Thema Verkehr sei "geschafft". Einzelheiten würden noch zum Thema Wald fehlen. Dabei ginge es um Ausgleichsmaßnahmen. Ebenso müssten noch Einzelheiten für den Umweltbereich nachgeliefert werden. Dabei hätten beide Seiten - sowohl das Amt als auch der Bauherr - noch Bewertungen und Zuarbeiten zu leisten. Auch gebe es noch offene Fragen, die Gutachter zu beantworten haben. "Um das Verfahren zu beschleunigen, schicken wir alles, was schon fertig ist zur Rechtsprüfung in die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung", erläutert die Bezirksbürgermeisterin. Sie wolle damit nicht warten, bis alles bis zum letzten Detail abgeschlossen ist.
Öffentliche Auslegung ist ein Problem in Corona-Zeiten
Vier Wochen liegt der Bebauungsplan im Anschluss öffentlich aus. Noch ist unklar, wie das in Corona-Zeiten organisiert werden soll. "Ein Teil läuft online, aber wir müssen auch vor Ort auslegen", sagt Richter-Kotowski. Sie könne aber dafür keine großen Räume im Rathaus blockieren. An der Lösung des Problems wird noch gearbeitet. Nach der öffentlichen Auslegung muss der Plan noch von den Bezirksverordneten verabschiedet werden.
"Wir hoffen sehr, dass wir das Bebauungsplanverfahren bis September abschließen können, um danach in die konkreten Planungen einzusteigen", sagt Anette Mischler, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Groth Gruppe. Nach Stellung und Bewilligung des Bauantrages für den 1. Bauabschnitt könnte dann Mitte 2022 mit dem Bauen angefangen werden. Zu der langen Vorlaufphase sagt die Pressesprecherin: "Projekte dieser Größenordnung sind immer eine Herausforderung für alle Beteiligten. Schließlich möchte man, dass es gut wird und ein lebenswertes Viertel entsteht." Neben Reihenhäusern, Miet- und Eigentumswohnungen seien auch etwa 540 dringend benötigte Sozialwohnungen geplant.
Groth Gruppe baut in Neulichterfelde 2000 Wohnungen und 420 Reihenhäuser
Auf dem knapp 100 Hektar großen Gelände baut die Groth Gruppe 2000 Wohnungen und 420 Reihenhäuser, eine Grundschule mit Sportanlagen und einen neuen Stadtplatz mit Geschäften. Buslinien werden in das Viertel hinein verlängert, die S-Bahn-Station Lichterfelde Süd soll einen zweiten südlichen Zugang bekommen. Knapp 40 Hektar werden bebaut, die restliche "grüne Mitte" mit Natur- und Weidelandschaft wird von einem Umweltbildungszentrum betreut.
In das neue Viertel werden die Baracken des Kriegsgefangenenlagers Stalag integriert. Über den Umgang mit den denkmalgeschützten Gebäuden und Funden haben das Land und der Investor im September 2020 einen Vertrag abgeschlossen. Erhalten bleiben zwei Baracken und die Fundamente von Wachtürmen. Die Baracke an der Reaumurstraße 39 soll nach der Instandsetzung als Jugendfreizeiteinrichtung auf dem Gelände der neuen Grundschule genutzt werden. Die zweite Baracke am Landweg 3/5a wird denkmalgerecht wiederhergestellt und zu einem Depot und Ausstellungsort ausgebaut.
Fast 40 Jahre lang wurde das ehemalige Gelände "Parks Range" von den US-Truppen genutzt, die dort unter anderen den Häuserkampf trainierten. Seit dem Abzug der amerikanischen Besatzungstruppen liegt das gesamte Areal brach und hat sich in ein hügeliges Wald- und Wiesengebiet verwandelt.


