Stadtbad Steglitz

Nur vier Interessenten für das Stadtbad Steglitz

Das alte Bad ist seit fast 20 Jahren geschlossen. Der Bezirk will es wieder für Baby- und Kinderschwimmkurse nutzen.

Seit Jahren gibt es kein Wasser mehr im Schwimmbecken, das soll sich ändern.

Seit Jahren gibt es kein Wasser mehr im Schwimmbecken, das soll sich ändern.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Das Stadtbad Steglitz an der Bergstraße soll nach fast 20 Jahren Leerstand und Verfall wieder saniert und in Betrieb genommen werden. Ob es dafür überhaupt Investoren gibt, wollte die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) mit einem Interessenbekundungsverfahren herausfinden. Knapp zwei Monate lang konnten sich potenzielle Betreiber melden und ihre Ideen für die Nutzung des alten Jugendstilbades einreichen. Der Ansturm hielt sich in Grenzen: Nach Auskunft der BIM, die die landeseigene Immobilie verwaltet, haben sich vier Interessenten gemeldet.

Zu den Details der eingereichten Bewerbungen und Pläne will sich die BIM noch nicht äußern. Nur soviel: "Diese werden derzeit von uns aufbereitet und dann an den Bezirk und die Senatsverwaltungen zur Auswertung gesendet", sagt Marlen Zielke, Mitarbeiterin Kommunikation und Marketing. Dort werde anschließend auch die Entscheidung getroffen, ob ein Konzeptverfahren stattfindet. "Aufgrund der aktuellen Prüfungsphase können wir keine detaillierten Informationen geben", sagt Maren Zielke. Ein Konzeptverfahren wäre die nächste Stufe bei der Auswahl eines Betreibers. Dabei handelt es sich um ein Wettbewerbsverfahren der öffentlichen Hand zur Vergabe von Grundstücken an private Institutionen oder Personen im Wege des Erbbaurechts.

In einem Sportraum ist noch die Ballettstange angebracht

Das 100 Jahre alte Gebäude mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern ist mehr als nur ein Schwimmbad. Darin befinden sich auch eine russisch-römische Dampfsauna, die Kabinen der alten Wannenabteilung und zwei große Spiegelsäle, die zum Schluss als Sportstudio genutzt worden sind. In einem der Säle ist noch die Ballettstange angebracht. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte dort das Training sofort wieder starten - wenn es da nicht eine Bedingung vom Land und vom Bezirk gäbe: Die BIM will mit dem Interessenbekundungsverfahren herausfinden, ob es trotz des relativ schlechten baulichen Zustandes Ideen für eine teilweise Wiederaufnahme eines Schwimmbetriebes in dem 21 Meter langen Becken gibt. Der künftige Betreiber soll zumindest Baby- und Kinderschwimmkurse anbieten.

Doch dafür muss zunächst einmal investiert werden: Allein für die Sanierung der Schwimmhalle mit neuer Belüftung und Wasseraufbereitungsanlage rechnet die BIM mit Kosten von 550.000 Euro. Seit 2016 ist das Stadtbad im Eigentum des landeseigenen Immobilienverwalters, ein Jahr später wurde es ins Portfolio der Gebäude aufgenommen, die nicht mehr verkauft sondern nur noch über ein Erbbaurecht an einen Betreiber vergeben werden.

1908 wurde das Stadtbad eröffnet. Es galt aufgrund seiner architektonischen Mischung aus Jugendstil und Historismus und der damals modernen Heil- und Bäderabteilung als Vorzeigebad der Landgemeinde Steglitz. 2002 schlossen die Berliner Bäderbetriebe das Bad, weil es sich nicht mehr rechnete. Eine private Betreiberin übernahm das Bad 2004 und versuchte mit einer Zwischennutzung als Theaterspielstätte das Geld für die Sanierung zu erwirtschaften - ohne Erfolg. In den vergangenen Jahren wurde das Gebäude für Film- und Fotoaufnahmen genutzt.