Seen

Das sind die Visionen für Schlachtensee und Krumme Lanke

Ein Zukunftskonzept für den Schlachtensee und die Krumme Lanke in Steglitz-Zehlendorf stellt Ideen für die weitere Entwicklung vor.

Die Flächen für die Stand-up-Paddler sollen auf dem Schlachtensee nicht ausgeweitet werden – so ein Vorschlag aus dem neuen Konzept.  

Die Flächen für die Stand-up-Paddler sollen auf dem Schlachtensee nicht ausgeweitet werden – so ein Vorschlag aus dem neuen Konzept.  

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Schlechte Wege, heruntergekommene Badestellen, kaum Toiletten. Dazu Konflikte zwischen Erholungssuchenden, Joggern, Schwimmern, Hundebesitzern und Radfahrern – die Liste der Probleme am Schlachtensee und an der Krummen Lanke ist lang. Der Ärger, der sich vor allem in den Sommermonaten zuspitzt, wenn der Lärm der feiernden Jugendlichen dazukommt, sollte endlich grundsätzlich angegangen werden.

Um Ideen für die Zukunft der beiden Seen zu sammeln, hat die Arbeitsgemeinschaft Schlachtensee und Krumme Lanke im Mai 2018 ihre Arbeit aufgenommen. Nach 17 Sitzungen und vielen Expertengesprächen liegt jetzt der Abschlussbericht vor. „Damit haben wir eine Vorlage, an der man sich abarbeiten kann“, sagt Maren Schellenberg (Grüne), Bezirksstadträtin für Umwelt und Tiefbau. Sie hat das Projekt federführend für das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf begleitet.

Schlachtensee und Krumme Lanke in Berlin: Vorrecht für Fußgänger vorgeschlagen

Wie können das Wegesystem, die Badestellen und die Ausschilderung verbessert werden und gleichzeitig die Nutzungskonflikte minimiert und der Naturschutz gesichert werden? Das war die Aufgabenstellung, der sich verschiedene Arbeitsgruppen gewidmet haben. Sie haben in dem Zukunftskonzept jetzt zahlreiche Vorschläge gemacht. Dazu gehört unter anderen, dass den Fußgängern künftig ein Vorrecht gegenüber den Radfahrern auf den Uferwegen eingeräumt werden soll. Das könnte mit einem Schild „Radfahren erlaubt, Fußgänger haben Vorrecht“ angezeigt werden. Das Befahren der Uferwege mit E-Bikes soll grundsätzlich verboten werden, um Spaziergänger nicht zu gefährden. Die Uferwege sollen auf keinen Fall asphaltiert, sondern als Sand-Kies-Wege hergestellt, befestigt und zu einem Wegesystem ausgebaut werden.

Weitere Ideen: mehr Fahrradabstellplätze, mehr Parkverbotszonen und Parkraumbewirtschaftung in den Anwohnerstraßen wie Quermatenweg und Elvirasteig, neue Toilettenhäuser oder Container an Hotspots an den Seen und an S- und U-Bahnstationen, wilde Badestellen eindämmen, dafür öffentliche Badestellen an das Fuß- und Radwegenetz anschließen.

Für Jugendliche könnten in direkter Seenähe neue Aufenthaltsorte entstehen – etwa mit einer Skate-Anlage und Wlan. Die sollten dann auch deutlich – genau wie die Spielplätze an den Seen – auf Hinweisschildern ausgewiesen werden. Auch der Anglerverein meldet Wünsche an: Er will die Kennzeichnung von Bereichen, die ausschließlich für Angler zugänglich sind. Außerhalb dieser Zonen sollte das Angeln verboten sein.

Mehr Schutz für Schilfzonen und brütende Vögel am Schlachtensee

Im Fokus steht ebenfalls das Stand-up-Paddling – eine Sportart, die sich am Schlachtensee etabliert hat. In dem Konzept wird jedoch angemerkt, dass die Paddler in schützenswerte Bereiche auf dem Wasser eindringen und in Schilfzonen zum Beispiel Vögel beim Brüten stören können. Deshalb gibt es in dem Konzept die klare Anweisung: Keine Ausweitung der bisherigen Genehmigungen des Stand-up-Paddling auf weitere Flächen. Betreiber und Nutzer sind auf die Belange des Naturschutzes zu sensibilisieren.

Wie geht es jetzt weiter mit den Vorschlägen? „Die Ideen sind eine Anregung für die Bezirksverordneten, gemeinsame Anträge zur Umsetzung zu stellen“, sagt Bezirksstadträtin Maren Schellenberg. Das Bezirksamt könnte aber auch ohne einen Beschluss der Bezirksverordneten handeln und zum Beispiel einen Teil der Wege ausbessern. „Das Problem wird die Finanzierung sein“, so Schellenberg.

Das Amt müsse immer prüfen, ob für die geplanten Arbeiten Mittel zur Verfügung stehen. Die Bezirksstadträtin, der das Straßen- und Grünflächenamt unterstellt ist, hat ihre Schwerpunkte bereits gesetzt. Sie will sich gemeinsam mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) weiter um die Sauberkeit an den Seen kümmern, die Uferbereiche als Biotope mehr schützen und das Wegesystem ausbauen und verbessern.

Fünf Themenbereiche, die von Bezirksverordneten geleitet wurden

Generell legt das Konzept nahe, die Ostseite der Seen, für die der Bezirk Steglitz-Zehlendorf zuständig ist, stärker unter den Aspekten Freizeit, Erholung und sportliche Aktivitäten zu entwickeln. Die Westseite hingegen, die im Bereich der Berliner Forsten liegt, soll in ihrer Natürlichkeit bewahrt und stärker geschützt werden. Darauf haben sich die Arbeitsgruppen verständigt.

Die Mitglieder hatten sich auf fünf Themenbereiche aufgeteilt, die jeweils von einem Bezirksverordneten geleitet wurden. So hatte sich die Gruppe um Rolf Breidenbach (FDP) um die Verbesserung des Informations- und Kommunikationssystems gekümmert, die Infrastruktur unterstand Michael Gaedicke von den Grünen. Marela Bone-Winkel (CDU) hatte mit ihren Teilnehmern die Nutzungskonflikte zu lösen, der Naturschutz unterstand Rainer Ziffels (SPD). Die soziale Infrastruktur, wie Spielplätze und Toiletten, waren das Thema von Hans-Walter Krause (Die Linke). Diese Überparteilichkeit und Zusammenarbeit sei das Besondere an diesem Projekt gewesen, so Stadträtin Maren Schellenberg.

Seit vergangenem Jahr sind Parkläufer an den Seen unterwegs, die bei Problemen zwischen den Nutzergruppen vermitteln. Dieses Projekt solle verstetigt werden, heißt es in dem Konzept. Das ist noch nicht sicher. „Im eigenen Haushalt haben wir dafür keine Mittel“, sagt Schellenberg. Aber für 2021 könnte noch einmal Geld vom Land fließen. Sie sei sehr zufrieden mit dem Projekt. „Das bringt richtig was“, so die Stadträtin.

Wichtig ist den Autoren der Zukunftsstudie, dass Schlachtensee und Krumme Lanke – ähnlich wie die Admiralbrücke in Kreuzberg – nicht mehr in Reiseführern als Hotspot beworben werden. Damit könnten sich schon einige Konflikte von selbst erledigen.