„Grunewalddämmerung“

Empörung über Initiative zur Enteignung in Grunewald

„Wahnsinn, was unsere Demokratie alles aushalten muss“, sagte ein Anwohner. Die Veranstalter sprechen nun von Satire.

Nach Aufforderung halten sich bei der Kundgebung im Grunewald („Grunewalddämmerung“) die meisten an die Maskenpflicht.

Nach Aufforderung halten sich bei der Kundgebung im Grunewald („Grunewalddämmerung“) die meisten an die Maskenpflicht.

Foto: Alexander Dinger

Berlin. Am Ende soll alles nur Satire gewesen sein. Am Sonnabend führten Enteignungs-Befürworter, wie berichtet, am Johannaplatz in Grunewald eine Oper auf. Am Tag danach ist die Empörung groß.

Der Grunewalder FDP-Abgeordnete Marcel Luthe sagte: „Die Parolen und das Agieren der Linksextremisten werden immer radikaler und erinnern mich fatal an andere hassgetriebene Mobs in unserer Stadt.“ Die Demonstranten würden vor den Rentnern in Grunewald demonstrieren, die seit Jahrzehnten ihre Nachbarschaft pflegen. SPD-Innenexperte Tom Schreiber sagte: „Das war Theater für Linksautonome.“ Jemand, der seit 30 Jahren in Grunewald lebe, haben niemanden verdrängt. Der innenpolitische Sprecher der CDU, Burkard Dregger, sprach von einer „nicht akzeptablen Geschmacklosigkeit“.

Auch der innenpolitische Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, Niklas Schrader, bezeichnete Teile der Rede als geschmacklos. Die Grünen-Abgeordnete Sabine Bangert sagte, die Initiative stelle sich selbst ins Abseits. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, sprach von einer schwer erträglichen Satire und einem geschichtsvergessenen Auftreten der Demonstranten.

"Grunewalddämmerung": 200 Menschen bei "satirischer Oper"

Die bei der Polizei angemeldete Kundgebung hatte den Titel „Grunewalddämmerung“ getragen. Mehr als 200 Menschen lauschten dem Stück. Auf einem Schild stand etwa: „Spekulanten, eure Zeit ist um. Das Gespenst der Enteignung geht um.“ Doch spätestens bei der Vorrede zu der „satirischen Oper“ dürfte vielen das Lachen vergangen sein.

Ein Vorredner zum Stück forderte alle Grunewalder auf, aus ihren Häusern zu kommen und sich zu stellen. Man wisse aus der Geschichte, was mit Menschen wie Marie-Antoinette passiert sei. Die Königin von Frankreich war auf dem Schafott hingerichtet worden. Man wolle ja nicht, dass sich Geschichte wiederhole. In einem Begleitheft zum Schauspiel stand: „Um also nicht wieder den Moment zu verpassen und zu erleben wie die Geschichte am Zaun rüttelt, müssen wir jetzt beginnen das Eigentum umzuverteilen!“ Was keine Erwähnung fand: Grunewald war ein jüdisch geprägtes Viertel, das während des Nationalsozialismus besonders von Enteignung betroffen war. „Wahnsinn, was unsere Demokratie alles aushalten muss“, sagte ein Anwohner.