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Corona behindert die Bauarbeiten am Steglitzer Kreisel

Käufer zeigt sich besorgt wegen der Verzögerung. Auf seine Nachfragen erhielt er keine Antwort. Bauherr: „Kein neuer Sachstand“

Der Kreisel sollte längst fertig eingerüstet sein.

Der Kreisel sollte längst fertig eingerüstet sein.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Die Corona-Krise lässt den Kran auf der Baustelle des Steglitzer Kreisels so gut wie stillstehen. Wenn er sich denn dreht, dann nur einmal von rechts nach links, dann ist wieder Ruhe. Das wird mit Sorge aus dem Umfeld beobachtet. Besonders beunruhigt ist aber ein Käufer einer Wohnung. Im Oktober 2018 hat André Gaufer ein Appartement im Steglitzer Kreisel in der 19. Etage erworben. Das Bauprojekt habe ihn überzeugt, erzählt der Geschäftsführer der Profinance GmbH. Für ihn soll es ein Anlage-Objekt sein.

Im März 2020 bekam er einen Brief von Artists Living, einem Unternehmen der CG-Gruppe. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass die Arbeiten auf der Baustelle wegen des Coronavirus behindert seien. „Die bereits entstandenen und vermutlich noch entstehenden Verzögerungen werden jeweils aus aktueller Sicht dokumentiert und Ihnen in einem gesonderten Schreiben selbstverständlich mitgeteilt“, heißt es in dem Schreiben. Doch seitdem ist nichts passiert. Auf drei schriftliche Nachfragen bekam André Gaufer keine Antwort. Alle Schreiben liegen der Berliner Morgenpost vor.

Der Rohbau des Steglitzer Kreisels sollte im November 2019 fertig sein

„Ich will endlich wissen, was Sache ist“, sagt der Firmeninhaber. Er finde es „merkwürdig“, dass ein so großes Unternehmen nicht kommuniziere. „Da fragt man sich schon, was da los ist“, so Gaufer. Die komplette Zeitschiene für das Bauprojekt ist mittlerweile durcheinander geraten. Laut einer Liste, die Gaufer bekommen hat, sollte im November 2019 der Rohbau einschließlich der Zimmererarbeiten fertig sein.

Jetzt, im Oktober 2020, waren der Einbau der Fenster, der Fassade und die Montage der Dachrinnen geplant. Heizungs-, Sanitär- und Elektroanlagen sollen im Februar 2021 montiert werden, damit der Innenputz und die Fliesenarbeiten im Sanitärbereich folgen können. Doch im Moment ist noch nicht einmal das Hochhaus fertig eingerüstet. Letztens sei er am Kreisel gewesen, erzählt Gaufer. Er habe aber keinerlei Arbeiten bemerkt, „die Baustelle ist tot“, sagt er.

Dem widerspricht der Investor. „Es ist unzutreffend, dass die Bauaktivitäten eingestellt wurden“, sagte ein Sprecher der Conus Real Estate AG. Richtig sei, dass die Erwerber eine Behinderungsanzeige aufgrund der Covid-19-Pandemie bekommen hätten, in der mitgeteilt wurde, dass die am Bau beteiligten Unternehmen nur eingeschränkt ihren Tätigkeiten nachgehen könnten. Die behördlichen Einschränkungen seien zwar zwischenzeitlich vereinzelt gelockert worden, dennoch sei der Projektfortgang noch immer durch fortbestehende Einschränkungen behindert.

„Soweit Käufer nicht über den aktuellen Sachstand informiert wurden, ist dies allein darauf zurückzuführen, dass es noch keinen neuen Sachstand gibt“, so der Firmensprecher. Selbstverständlich werde man die Käufer unverzüglich über jede auch vom Bauherren erhoffte Sachstandsänderung informieren. Das Projekt bleibe eines der Vorzeigeprojekte für diese Stadt und werde vollständig umgesetzt.

André Gaufer macht sich dennoch Sorgen. Die Grundbuchblätter sollten seit Anfang 2019 angelegt sein, bis heute habe er noch keinen Eintrag, sagt der Wohnungskäufer. Eigentlich hätte er aufgrund der Bauplanung bis heute 58 Prozent des Kaufpreises bezahlen müssen, seine Bank wartet darauf, dass der Kredit abgerufen wird. Aber bislang sind nur die Kosten für die Grunderwerbsteuer und die Bereitstellungszinsen fällig geworden. Die können aber je nach Kaufsumme schnell im fünfstelligen Bereich liegen.

Der Sprecher der Conus Real Estate AG erklärt dazu: „Die Ablegung der 330 einzelnen Grundbuch-Blätter hat aufgrund der Komplexität der Liegenschaft tatsächlich länger in Anspruch genommen.“ Inzwischen seien sie erfreulicherweise angelegt.

Steglitzer Kreisel: Im Jahr 2022 soll der neue Wohnturm fertig sein

Bereits Anfang April hieß es beim Bauherren, dass der Konzern von den Auswirkungen des Coronavirus massiv betroffen sei. Allerdings klangen die Prognosen zu diesem Zeitpunkt noch optimistisch. Man setze alles daran, den Geschäftsbetrieb deutschlandweit und damit auch die Arbeiten am Steglitzer Kreisel weitgehend aufrecht zu erhalten, erklärte der Bauherr. Befristete Einschränkungen seien jedoch unvermeidbar. Prozess- und Lieferketten bei Personal und Material seien an manchen Stellen zurzeit nicht, wie unter normalen Umständen, miteinander in Einklang zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt ging man „nicht von nennenswerten Verzögerungen am Steglitzer Kreisel aus“. Auf der Baustelle werde nach wie vor aktiv mit einer sehr hohen Auslastung gearbeitet.

Anfang August erklärt der Bauherr dann, dass die Bauarbeiten „aus technischen Gründen“ reduziert seien. Details zu den technischen Gründen wollte man nicht nennen, die Nachfrage blieb unbeantwortet. Dafür hieß es: „Die Baufertigstellung ist nach wie vor für 2022 geplant.“ In dem 120 Meter hohen Gebäude an der Steglitzer Schloßstraße 80 entstehen 330 Eigentumswohnungen auf 30 Etagen. Die Hälfte der Wohnungen ist nach Auskunft des Investors bereits verkauft beziehungsweise reserviert.

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