Die Schwartzsche Villa steht wie ein Solitär an der Steglitzer Schloßstraße: Zwischen der Kreisel-Baustelle und dem Rathaus Steglitz ist das kleine gelbe Gebäude so unscheinbar als auch auffällig. Seit 25 Jahren ist die Schwartzsche Villa wieder eine feste Adresse für Kultur in Steglitz-Zehlendorf. Das Jubiläum soll an diesem Sonnabend, 5. September, von 14 bis 20 Uhr, mit einem großen Programm gefeiert werden. Das Fest findet in der Villa und im Garten an der Grunewaldstraße 55 statt.
Lange Debatten um Abriss oder Sanierung
Der Eröffnung der Villa am 3. September 1995 waren lange Debatten vorausgegangen, an denen nicht nur die Bezirksverordneten sondern auch der Senat beteiligt waren. 1961 hatte das Land Berlin die Villa und das Grundstück gekauft, um die Fläche für eine Erweiterung des Rathauses zu nutzen.
Nach großem Widerstand gegen den Abriss der Villa, setzte sich die Idee durch, das mehr als 100 Jahre alte Haus zu einem Kulturzentrum auszubauen. Im Februar 1992 wurde symbolisch ein zweiter Grundstein für die Sanierung und den Ausbau gelegt, am 3. September 1995 konnte das Kulturhauses „Schwartzsche Villa“ eröffnet werden. Bis heute ist es in der Trägerschaft des Bezirks.
Zehntausende besuchten das Mehrspartenhaus
2500 Konzerte, 1200 Vorträge und Lesungen, 220 Ausstellungen, 3500 Kindertheateraufführungen und 360 Kinderkunstkurse – das ist die Bilanz nach 25 Jahren Programm in der Villa. Viele Kulturschaffende nutzten die Musiksalons, den Tanzraum, das Zimmertheater und die Druckwerkstatt. Die Besucherzahlen gehen nach Auskunft des Bezirksamtes seit der Eröffnung in die Zehntausende
Jetzt soll das Jubiläum mit Gefährten, Wegbegleitern und Gästen gefeiert werden. Das Festprogramm im Haus und im Garten wird die komplette Bandbreite des kulturellen Angebots widerspiegeln. So gibt es auf der Bühne im Garten Kindertheater, im Großen Salon szenische Lesungen, Buchempfehlungen und Literaturquiz, Musik und Ausstellungsführungen.
Villa mit wechselhafter Geschichte
Die Villa, die sich nicht weit entfernt vom Schlosspark Theater befindet, hat eine lange Geschichte. Sie ist in einer neuen Ausstellung im Dachgeschoss, die zum Jubiläumsfest am 5. September eröffnet wird, mit zahlreichen Fotografien und Architekturzeichnungen dokumentiert.
Erbaut wurde das Haus in den Jahren 1895 bis 1897 im Auftrag des Bankiers Carl Schwartz (1828–1915), der zum vermögenden Großbürgertum des wilhelminischen Kaiserreichs gehörte. Schwartz war das fünfte und jüngste Kind einer Berliner Kaufmannsfamilie und hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Bankengeschäft Karriere gemacht. Nach dem Tod von Carl Schwartz wurde die Villa von den beiden Schwartz-Töchtern Charlotte und Gabriele umgebaut und bis zu deren Tod 1942 beziehungsweise 1945 als Wohnhaus genutzt.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verpachteten die Erben die Villa: In den Jahren von 1945-61 wurden die Räume zur Unterbringung des Waisenheims „Wadzeck-Anstalt“, als neuer Firmensitz des Butter-Großhandels „Butter Beck“ und als Ausstellungsgebäude des Rationalisierungskuratoriums der Deutschen Wirtschaft genutzt. Abschließend erfolgte der Verkauf an das Land Berlin.


