Unglück

Dicker Ast bricht im Feierabendverkehr von alter Eiche ab

Gegen 18 Uhr krachte der 50 Zentimeter starke Ast auf den Platz vor dem Heimatmuseum. Zum Glück wurde kein Passant verletzt.

Ein 50 Zentimeter dicker Ast ist am Montagabend von der Friedenseiche in Zehlendorf abgebrochen

Ein 50 Zentimeter dicker Ast ist am Montagabend von der Friedenseiche in Zehlendorf abgebrochen

Foto: Katrin Lange

Berlin. Erst die Dürre der vergangenen Jahre, dann das Unwetter mit extremen Regengüssen und Sturm am Wochenende – das hat die mehr als 150 Jahre alten Eiche vor der Dorfkirche und dem Heimatmuseum in Zehlendorf nicht verkraftet. Am Montagabend krachte mitten im Feierabendverkehr gegen 18 Uhr ein 50 Zentimeter dicker Ast auf den Platz herunter. Es grenzt an ein Wunder, dass kein Passant verletzt wurde. Gleich neben dem Baum, der einen Stammumfang von vier Metern hat, ist eine Bushaltestelle, an der am frühen Abend immer viele Wartende stehen. Vielleicht war gerade ein Bus abgefahren: Sicher ist, dass alle, die sich um diese Zeit an der Kreuzung Clayallee und Berliner Straße aufhielten, großes Glück hatten.

Am Dienstagmorgen waren Mitarbeiter des Grünflächenamtes vor Ort, um den Ast, der schon in kleine Stücke zerteilt war, abzutransportieren und die Gefahrenstelle zu sichern. „Der Ast war ausgetrocknet und hat durch den Regen enorm viel Wasser aufgenommen“, erklärt der Inspektionsleiter für Straßenbäume, der am Morgen die Arbeiten begleitet hat. Zu der extremen Gewichtszunahme, die bis zu einigen Tonnen betragen kann, sei der Sturm dazugekommen. Durch den Überdruck hätte sich möglicherweise ein Riss bilden können, der dann zum Absturz des Astes geführt hat. Zum Zustand des Baumes solle jetzt ein Gutachten erstellt werden, so der Chef. Solange bleibt der Platz rund um den Baum abgesperrt. Nur das Heimatmuseum im ehemaligen Schulhaus und die 250 Jahre alte Dorfkirche sind nach wie vor zu erreichen.

Der Inspektionsleiter geht nicht davon aus, dass die alte Eiche gefällt werden muss. Eine Fachfirma wird jetzt den abgebrochenen Aststumpf nachschneiden und sichern. „Wir tun alles, um den Baum zu erhalten“, so der Mitarbeiter des Grünflächenamtes. Nach seiner Auskunft habe nichts darauf hingedeutet, dass ein Ast abbrechen könnte. Die Eiche unterliege der jährlichen Baumschau. „Und das Holz ist gesund“, sagt er und zeigt auf die kleingesägten Astteile.

Holz wurde zu Lagerplatzdes Bezirks abtransportiert

Gegen 10 Uhr war der Holzstapel samt Blattwerk am Dienstag verladen. Er sollte auf einen Lagerplatz des Bezirks transportiert werden. Mitarbeiter harkten und fegten am Ende noch den Platz unter der Eiche. Dann wurde ein Bauzaun zum Schutz rund um den Baum aufgestellt. Der bleibt jetzt mindestens solange, bis die Ergebnisse des Gutachtens vorliegen.

Die dicke alte Eiche gehört mit der kleinen Kirche und dem ehemaligen Schulhaus zum Dorfkern von Zehlendorf. Deshalb wird der Ort an der Kreuzung Clayalle und Berliner Straße „Historischer Winkel“ genannt. Die Kirche wurde 1768 erbaut und gerade umfangreich saniert. Im Schulhaus, in dem einige Räume noch original erhalten sind, befindet sich heute das Heimatmuseum.

Direkt auf dem Platz vor der Kirche und der Schule wurde eine junge Stiel-Eiche (Quercus robur) gepflanzt. Mit dem Namen „Friedenseiche“ soll sie an den Friedensschluss nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870 bis 1871 erinnern. Zehlendorfer Schüler pflanzten die Eiche am Jahrestag der Schlacht von Sedan am 2. September 1871. Der Baum ist seit 1940 ein Naturdenkmal. 1906 wurde eine Tafel mit der Inschrift „Friedenseiche“ am Stamm angebracht.