Forschung

Charité will Mäusebunker dieses Jahr abreißen

Das Landesdenkmalamt prüft, ob der Bau für Tierversuchslabore unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Die Charite will es abreißen.

Der „Mäusebunker“ ist ein Betonbau am Hindenburgdamm, in dem die Tierversuchslabore der Freien Universität untergebracht waren.

Der „Mäusebunker“ ist ein Betonbau am Hindenburgdamm, in dem die Tierversuchslabore der Freien Universität untergebracht waren.

Foto: Jörg Krauthöfer

Abriss oder Erhalt des Gebäudes für die Zentralen Tierlaboratorien der Freien Universität am Hindenburgdamm – auch Mäusebunker genannt? Während das Landesdenkmalamt noch prüft, ob der Betonbau als Beispiel des Baustils „Brutalismus“ unter Denkmalschutz gestellt werden soll, hat die Charité bereits konkrete Pläne: Sie will das Gebäude nach dem Bezug eines Ersatzbaus in Buch im dritten Quartal dieses Jahres abreißen lassen. Das geht aus der Antwort der Senatskanzlei für Wissenschaft und Forschung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hervor, die Adrian Grasse und Christian Goiny gestellt hatten.

Campus Benjamin Franklin: Neue Perspektive als Forschungsstandort

„Die Prüfung der denkmalrechtlichen Unterschutzstellung sollte abgebrochen werden“, sagte Adrian Grasse, Wahlkreisabgeordneter in Steglitz-Zehlendorf. Mit einem Abriss bekäme der Campus Benjamin Franklin eine Perspektive als Forschungsstandort, die von der Charité selbst angestrebt wird. Das Bestandsgebäude sei in hohem Maße havariegefährdet, schadstoff- beziehungsweise asbestbelastet und nicht wirtschaftlich zu sanieren, argumentiert Grasse.

Neben den laufenden Energiekosten würden seit Jahren erhebliche weitere Kosten für die Anmietung erforderlicher Ersatzflächen anfallen. „2019 sind zusätzliche Aufwendungen in Höhe von 680.000 Euro für Havarien hinzugekommen“, so Grasse. Es bestehe keine mögliche und wirtschaftliche Alternativnutzung des Bestandsgebäudes für die Zwecke der Wissenschaft.

„Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum aktuell noch Gespräche zwischen allen Akteuren über alternative Möglichkeiten für eine sinnvolle und wirtschaftliche Nachnutzung des bestehenden Gebäudes laufen“ kritisiert der CDU-Politiker.

Keine wirtschaftliche Alternativnutzung

Bereits 2012 wurde entschieden, das Gebäude aufzugeben und einen Ersatzneubau für die Forschungseinrichtung am Charité-Standort in Buch zu errichten. Zwei Jahre später hat der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses diesem Plan zugestimmt. Zu diesem Zeitpunkt war auch schon der Abriss beschlossen, weil das Gebäude für eine spezifische Nutzung errichtet worden und abgenutzt und schadstoffbelastet war.

„Eine mögliche und zudem wirtschaftliche Alternativnutzung des Bestandsgebäudes wird für die Bedarfe der Wissenschaft nicht gesehen“, heißt es in der Antwort von Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung.

Standort des Mäusebunkers: Verschiedene Nutzungen werden noch untersucht

Dennoch soll der Standort des Mäusebunkers für die Forschung erhalten bleiben. Im Flächennutzungsplan ist das Gelände für die Hochschul- und Forschungsnutzung reserviert. Aus diesem Grund plädiert auch Senatskanzlei für einen Abriss. „Als Voraussetzung für eine zukunftsfähige Entwicklung des Grundstückes wird ein Rückbau des baulichen Bestandes gesehen“, erläutert Steffen Kracht. Noch sei die Liegenschaft aber auch Gegenstand unterschiedlicher Untersuchungen für vorstellbare ander öffentliche oder private Nutzungen.

Bauwerk sieht aus wie ein Schlachtschiff

Der Mäusebunker entstand zwischen 1971 und 1980 für fast 200 Millionen Mark. Das ungewöhnliche Bauwerk sieht mit seinen blauen Rohren, die für die Frischluftzufuhr sorgen, eher aus wie ein Schlachtschiff. Der Einbau von dreieckigen Fenstern soll zudem eine direkte Sonneneinstrahlung in die Laborräume verhindern. Heute ist das Gebäude fast leergezogen. Im Juli 2020 soll der Betrieb komplett eingestellt werden.