Charité-Campus

Rettungshubschrauber: Kosten für neue Basis verdoppeln sich

Der Rettungshubschrauber Christoph 31 wird so oft angefordert wie kein anderer in Deutschland. Die Kosten sind enorm.

Der Rettungshubschrauber Christoph 31 fliegt rund zehn Einsätze pro Tag. Künftig startet er wieder vom Krankenhaus Benjamin Franklin aus.

Der Rettungshubschrauber Christoph 31 fliegt rund zehn Einsätze pro Tag. Künftig startet er wieder vom Krankenhaus Benjamin Franklin aus.

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / Britta Peders

Berlin. Christoph genießt schon seit fast zwei Jahren Asyl. Im Frühjahr 2018 musste der gelbe Rettungshubschrauber des ADAC von seiner Basis am Charité-Campus Benjamin Franklin in Steglitz umziehen auf eine Fläche am Rande des Flughafengeländes von Schönefeld. Eigentlich sollten Piloten und Notärzte aus den dortigen Containern schon längst wieder zurückgekehrt sein an ihren langjährigen Stammplatz.

Aber der Neubau des Landeplatzes hat sich erheblich verzögert, die Kosten verdoppelten sich auf mehr als fünf Millionen Euro. Jetzt aber ist ein Ende des Exils für Christoph in Sicht: Im März, so wird erwartet, soll der Hubschrauber zum Steglitzer Klinikum zurückkehren.

Dann startet und landet er auf einem Plateau, das auf 2,50 Meter hohen Stelzen steht. Der Helikopter vom Typ EC 135 der ADAC-Luftrettung fliegt jeden Tag rund zehn Einsätze in Berlin und dem Umland. 2018 rückte die Crew zu 3147 Einsätzen aus. Mit dem roten Hubschrauber der DRF-Luftrettung, der auf dem Dach des Unfallkrankenhauses Berlin in Marzahn stationiert ist, bildet die ADAC-Maschine das Rettungshubschrauber-Duo für Berlin und Umgebung.

Rettungshubschrauber Christoph in Berlin: Kosten für Landeplatz verdoppelt

Vorschriften der Europäischen Union für den Betrieb von Hubschrauber-Basen hatten den Neubau am Kanalufer hinter dem Klinikum Steglitz erforderlich gemacht. 2016 wurden die Kosten dafür auf 2,5 Millionen Euro geschätzt. Im August 2017 erwarteten die Planer Mehrkosten von 780.000 Euro. Bei genauerem Nachrechnen stellte die Charité als Betreiberin des Steglitzer Klinikums fest, dass die 3,28 Millionen Euro nicht ausreichen.

Inzwischen haben Zeitverzögerungen und über den Erwartungen liegende Preise der Baufirmen weitere 1,5 Millionen Euro zusätzliche Kosten ergeben. Hinzu kommen noch 400.000 Euro für die Miete der Flächen in Schönefeld.

„Unerwartete Anforderungen und längere Genehmigungsprozesse haben zu Mehrkosten und zeitlichen Verzögerungen geführt“, sagte ein Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung für Wissenschaft.

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Arbeiter mussten Kampfmittel aus der Erde bergen

Das Projekt stand unter keinem guten Stern. An der Paul-Schwarz-Promenade am Teltowkanal mussten Arbeiter Kampfmittel aus der Erde bergen. Die Wasserbetriebe waren aus Sicherheitsgründen gezwungen, ein Abwasserdruckrohr zu verlegen. Stromkabel mussten gesichert werden. Auch das Bezirksamt hatte teure Wünsche. Um nun doch mal fertig zu werden, musste die Charité zähneknirschend die in der Ausschreibung geforderten höheren Preise akzeptieren. Darunter war auch eine Nachforderung der Baufirma über 150.000 Euro.

Die Vergabe erneut zu versuchen und auf günstigere Angebote zu hoffen, erschien den Planern jedoch „wirtschaftlich nicht vertretbar“, wie es in einer Unterlage der Finanzverwaltung heißt. Angesichts der rasant steigenden Baupreise seien keine niedrigeren Preise zu erwarten gewesen, außerdem wären für die Miete der Flächen am Flughafen Schönefeld zusätzliche Kosten angefallen.

Für Wissenschaftsverwaltung und Charité stand es gleichwohl außer Frage, die zusätzlichen Kosten zu tragen. Bei einer Revision von verzögerten Investitionsprojekten durch die Finanzverwaltung beharrten sie auf einer Übernahme. Um die Luftrettung zu sichern, sei die Finanzierung „alternativlos“.

Christoph 31 flog seit 1987 mehr als 75.000 Einsätze

Tatsächlich ist Christoph 31 nach Angaben eines Sprechers der ADAC-Luftrettung der am stärksten genutzte Rettungshubschrauber in Deutschland. Im Juni 2019 flog das inzwischen mehrfach erneuerte Gerät seinen 75.000. Einsatz seit 1987. Besonders aktiv waren die Retter am besonders heißen 4. Juli vergangenen Jahres. Zwischen dem frühen Morgen und Sonnenuntergang flogen sie 13 Einsätze. In den meisten Fällen müssen die Retter Patienten mit akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ins Krankenhaus bringen. Mit drei Prozent bilden Verkehrsunfälle nur eine Minderheit der Einsatz-Anlässe.

Für die Crew ist der Aufenthalt am Flughafen Schönefeld zwar mit Einbußen beim Komfort verbunden. Einsatztechnisch bedeute der Interimsbetrieb im Vergleich zur Stamm-Basis in Steglitz aber „keine Probleme“, sagte der Sprecher: „Wir erreichen, wie zuvor, jeden Einsatzort in Berlin in längstens 13 bis 14 Minuten ab Alarm.“