Berliner Museen

Auch im Herbst lohnt ein Besuch der Liebermann-Villa

In der zauberhaften Sommerresidenz des impressionistischen Künstlers ist jetzt die Sonderausstellung „Sehnsucht nach Idylle“ zu sehen.

Die Liebermann-Villa am Wannsee von der Gartenseite.

Die Liebermann-Villa am Wannsee von der Gartenseite.

„Das ist die Ungemütlichkeit selbst!“, urteilte der langjährige gute Freund und Biograf Erich Hancke über das Atelier von Max Liebermann (1847–1935) in dessen Sommerhaus am Wannsee. Ein Tisch, ein Stuhl, einige Staffeleien: Nur dürftig hatte Liebermann, einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Malerei, seinen großen Arbeitsraum in der oberen Etage der Villa möbliert. „Und doch war das Atelier des Herzstück des Hauses“, erzählt Wolfgang Immenhausen, 2. Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft, während er in genau diesem Raum steht.

Der Künstler Max Liebermann habe das Atelier „als Raum der Privatsphäre“ genutzt. „Hier hat er mit Freunden diskutiert, Zigarre geraucht und nebenbei letzte Hand an seine bereits gerahmten Bilder gelegt.“ Zum Malen habe er das Atelier eigentlich nicht gebraucht. „Das tat er draußen – die Villa war ja das Domizil, das er nur von Mai bis Oktober bewohnte“, berichtet Immenhausen.

Das Haus wurde mit großem Aufwand in den Urzustand versetzt

Noch gut kann sich der Mitbegründer der 1995 gegründeten Max-Liebermann-Gesellschaft daran erinnern, wie das Atelier aussah, als die Gesellschaft das Haus übernahm. Die damaligen Mieter hatten den Raum als Kinosaal genutzt. Die Fenster waren verklebt, das Tonnengewölbe durch eine eingezogene Zwischendecke unsichtbar gemacht. Da habe man einiges an Geld und Arbeit investieren müssen, um das Atelier wieder in seinen Originalzustand zu versetzen, sagt Immenhausen.

Er erzählt von der wechselvollen Geschichte der direkt am Großen Wannsee gelegenen Villa, die sich Max Liebermann 1909 erbauen ließ. Der Maler sei sehr stolz gewesen auf sein „Schloss am See“, sagt Immenhausen. „Nicht zuletzt, weil er es binnen zwei Jahren von seinen Einkünften finanzieren konnte.“ Der berühmte Impressionist und Präsident der Künstlergruppe „Berliner Secession“ sei damals schon einer der bestverdienenden Maler in Deutschland gewesen. „Immerhin kostete allein das 7000 Quadratmeter große Grundstück, eines der letzten damals noch freien Wassergrundstücke in der Villenkolonie Alsen, 170.000 Mark“, weiß Immenhausen.

Krankenhaus und Tauchclub: Die wechselvolle Geschichte der Villa

Nach dem Tod des jüdischen Malers zwangen die Nationalsozialisten seine Witwe, das Anwesen an die Reichspost zu verkaufen. Nach dem Krieg erhielten es die Erben zurück und verkauften es an das Land Berlin. Das Haus wurde als Krankenhaus – „da war das Atelier der Operationssaal“ – und von 1972 bis 2002 als Vereinsheim eines Tauchclubs genutzt.

„Sieben Jahre haben wir darum gekämpft, das Haus mieten zu können“, sagt Immenhausen. „Erst als wir für den Tauchclub ein Ersatzdomizil fanden, gelang es uns.“ Der Garten, ein bedeutender Reformgarten Deutschlands, sei damals nahezu zerstört gewesen. Die Liebermann-Gesellschaft ließ ihn rekonstruieren – mit Bauern- und Nutzgarten, Stauden, Blumenterrasse, Heckengärten und Rasenfläche.

„Der Garten ist ein Exponat an sich“, sagt Immenhausen, „mehr als 60 Prozent unserer jährlich rund 80.000 Besucher kommen allein deswegen.“ Aber natürlich auch wegen der Liebermann-Gemälde, die in der Dauerausstellung „Gartenbilder“ zu sehen sind.

Der Garten war ein Lieblingsmotiv des Malers

„Mehr als 200 Ölbilder hat Liebermann hier gemalt, dazu Hunderte von Pastellen und Zeichnungen“, sagt Immenhausen. Zwar befindet sich nur ein kleiner Teil dessen im Besitz der Liebermann-Gesellschaft, „doch haben uns Museen, Stiftungen und Privatsammlungen Bilder als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt“, unter anderem die Nationalgalerie und die Stiftung Stadtmuseum Berlin. „Es ist etwas Besonderes, die Gemälde am Ort ihrer Entstehung zu betrachten“, schwärmt Immenhausen. Und zudem in unmittelbarer Nähe zu ihren Motiven – denn häufig hat Liebermann seinen Garten gemalt.

Am 20. Oktober hat in der Villa die Sonderausstellung „Sehnsucht nach Idylle“ eröffnet. In der Sonderschau wird erstmals anhand exemplarischer Werke und zeithistorischer Dokumente das Leben und Wirken weiterer Maler beleuchtet, die wie Liebermann um 1900 nach Wannsee zogen: „Oscar Begas, Carl Becker, Hugo Vogel, Philipp Franck“, zählt Immenhausen auf, „und natürlich der Historienmaler Anton von Werner, der große Gegenspieler Liebermanns“.

Das Atelier der Villa wird aber auch während der Sonderausstellung den Arbeiten des einstigen Hausherrn vorbehalten sein.

Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, Wannsee, Tel. 80 58 59 00, geöffnet täglich (außer Dienstag) von 10 bis 18 Uhr, Eintritt 8, erm. 5 Euro, www.liebermann-villa.de

Ausstellungen Sonderausstellung „Sehnsucht nach Idylle – Max Liebermann und die Maler am Wannsee“ (20.10.19 – 10.02.20), „Max Liebermann – Gartenbilder“ (Dauerausstellung, wieder ab Februar 2020)

Kulturfrühstück An ausgewählten Sonntagen findet in der Liebermann-Villa ein "Kulturfrühstück" statt. Ab 11 Uhr gibt es ein kleines Frühstück im Café, danach eine Führung durch die Villa und den Garten (60 Minuten). Dauer: ca 2 Stunden, Preis: 16 Euro. Nächste Termine: 27. Oktober, 10. November, 24. November, 8. Dezember, 12. Januar, 26. Januar. Mehr Infos gibt es hier.