Mauerfall-Jubiläum

Dieser Berlin-Remix wurde aus kuriosen Geräuschen gemacht

Michael Korb hat zum 30. Jahrestag des Mauerfalls eine Berlin-Hymne gemacht. Dieser Remix besteht aus vielfältigen Geräuschen.

Blick auf den Fernsehturm

Blick auf den Fernsehturm

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Diese Vielfalt – die hat ihm anfangs die meisten Sorgen bereitet. „Berlin hat ja tausend verschiedene Gesichter, wie sollen die alle in ein Lied passen“, erzählt Michael Korb. Er sitzt in seinem Wohnzimmer in Nikolassee, das zugleich auch Musikstudio und Arbeitsraum ist. Zwei Gitarren sind immer griffbereit. Alles sei ihm in den Kopf gekommen: Technoclubs und Leierkastenmänner, Hauptbahnhof und Friedrichstadtpalast, Hinterhöfe und Weltgeschichte.

Doch dann fiel ihm die S-Bahn ein, das typische Geräusch für Berlin – und der Anfang war gemacht. Dazu die wichtigsten Berlin-Sprüche von Ernst Reuter über John F. Kennedy, Ronald Reagan, bis Günter Schabowski – und der Remix auf die Hauptstadt war produziert. Es ist sein Beitrag zum Mauerfall-Jubiläum.

Berlin-Hymne hat eine kuriose Vorgeschichte

Dass der 62-Jährige eines Tages eine Hymne auf die Hauptstadt schreibt, hat eine kuriose Vorgeschichte. Seine bekannteste Melodie „Highland Cathedral“ hat der gebürtige Düsseldorfer 1982 mit Uli Roever in Berlin aufgenommen. Roever hatte bereits als Arrangeur, Produzent und Komponist mit Udo Jürgens und Peter Maffay gearbeitet.

Ihr Gemeinschaftswerk ist inzwischen international bekannt geworden (www.highlandcathedral.com) und wird auch bei der Music Show Scotland am Sonnabend, 19. Oktober, in der Mercedes-Benz Arena gespielt werden. André Rieu hat die Melodie auf CD veröffentlicht, und eine Orgelfassung wurde im Mai 2019 im Kölner Dom für ein Video aufgenommen.

Nach dem Malerei-Studium kam der Dudelsack

Den Ausschlag aber gab die Gruppe „Bläck Fööss“, die auf die Musik die Stadthymne „Du bes die Stadt“ für Köln getextet hatte. „Dadurch bin ich auf die Idee gekommen, das Lied ,Berliner’ zu schreiben“, erzählt Korb. 2014 nahm er das Lied auf, das nun die Grundlage war für den neu produzierten Remix zum Mauerfall-Jubiläum. (YouTube: Berliner Remix Michael Korb).

Malerei und Musik bestimmen das Leben von Michael Korb. Nach dem Abschluss der Schule kam er 1974 nach Berlin und studierte einige Semester Malerei an der heutigen Universität der Künste. Doch gleichzeitig faszinierte ihn der Dudelsack.

Der Kontakt zu den Alliierten hätte ihn darauf gebracht, erzählt der Künstler. Später sei er nach Schottland gereist, um das Spiel richtig zu erlernen. Nebenbei hat er aber auch noch Gitarre an der Musikschule gelernt und sich nach einer privaten Gesangsstunde das Singen als Autodidakt beigebracht. Sänger, Maler, Musiker? Das alles sind nicht die richtigen Bezeichnungen für ihn. „Ich würde mich als kreativen Menschen bezeichnen“, sagt Korb.

Michael Korb ist in Wannsee kein Unbekannter

In Wannsee ist er kein Unbekannter. Denn viele Jahre hat er mit seinem Vater in der Galerie-Bar „Die blaue Kuh“ gearbeitet. Das Lokal an der Alsenstraße war eine Institution, das fröhlich grinsende Tier vor der Tür ein Markenzeichen. Lesungen, Livemusik, Ausstellungen – dort fand sich Michael Korb wieder. Besonders beliebt waren die Jazz-Konzerte, bei denen kein Platz frei blieb. Am Ende gab es sogar Karaoke-Abende. Doch nach 26 Jahren war 2004 Schluss – nach einem langen Rechtsstreit der Erbengemeinschaft.

Michael Korb musste sich neu erfinden. Immerhin ermöglichen ihm die Tantiemen ein „bescheidenes Leben“, wie er sagt. Und so macht er wieder alles: Malen und Musik, Reisen und Berlin genießen. In seinen ersten Jahren in der Stadt wohnte er in Neukölln, dort sei ihm alles fremd geblieben. Anders im Zehlendorfer Südwesten, da fühlt er sich angekommen. Seit der Maueröffnung fährt er allerdings fast mehr Richtung Potsdam als Richtung Innenstadt.

Düsseldorf hat auch sein Lied bekommen

Wessis und Ossis sieht er heute nicht mehr. „Die gab es doch nur kurz nach der Wende“, so Korb. Vielleicht brauche es aber noch ein bis zwei Generationen, bis Berlin richtig zusammengewachsen ist. „Die Stadt hat so viel mitgemacht“, sagt der Künstler.

Es sei ein Glück gewesen, dass die Wiedervereinigung so schnell und friedlich abgelaufen sei. „Wenn man an Berlin denkt, denkt man an die Freiheit.“
Das sollte auch in seinem Remix zum Ausdruck kommen. Deshalb hat er die wichtigsten Berlin-Zitate eingebaut, die bis heute Geschichte geschrieben haben. „Mittlerweile schaut tatsächlich die ganze Welt auf diese Stadt“, sagt Korb.

Er weiß natürlich, dass es schon Berlin-Lieder gibt, von Hildegard Knef, Marlene Dietrich, und die bekannte Berliner Luft. Aber es steckte in ihm drin und musste raus. „Ich kann nur Lieder auf Städte machen, mit denen ich etwas zu tun habe“, sagt der Musiker. Dresden könnte er nicht so einfach besingen. Anders ist es mit Düsseldorf. Das hat auch seinen eigenen Song bekommen.