Verkehr

Busspur am Hindenburgdamm in Lichterfelde geplant

Zwischen Klingsorstraße und Gelieustraße soll der Parkstreifen oder eine Fahrbahn wegfallen. Händler befürchten Probleme.

Busse und Autos nutzen derzeit am Hindenburgdamm zwei Fahrspuren gemeinsam.

Busse und Autos nutzen derzeit am Hindenburgdamm zwei Fahrspuren gemeinsam.

Foto: Katrin Lange

Auf dem Hindenburgdamm in Lichterfelde soll es künftig eine eigene Spur für Busse geben. Die Verkehrs­lenkung Berlin prüft derzeit, ob im Abschnitt zwischen Klingsorstraße und Gelieustraße in Richtung Norden eine Fahrbahn für Busse frei gehalten werden kann. Etwa 700 Meter ist der Abschnitt lang. Noch sei nicht sicher, ob die Spur zulasten der Parkplätze oder einer Fahrbahn gehe, antwortete Ingmar Streese, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Verkehr, auf Anfrage von Oliver Friede­rici (CDU).

Keine Parkplätze, keine Kundschaft

An den Abgeordneten, der seinen Wahlkreis in Lankwitz hat, hatten sich Anwohner und Geschäftsleute gewandt. „Sie sind in Sorge, was passieren wird“, sagt Friederici. Vor allem die Geschäftsleute seien unzufrieden, weil sie befürchten, dass Parkplätze wegfallen. Damit würde die Kundschaft, die schnell vor dem Laden hält und einkauft, wegfallen. „Ich bezweifle, dass eine Busspur an dieser Stelle notwendig ist“, sagt der Abgeordnete. Stattdessen sollte lieber eine Ampel-Vorrangschaltung für Busse eingerichtet werden. Dann kämen sie dort auch zügig voran.

Verkehrslenkung prüft ersten Plan

Tatsächlich ist die Aufregung zum Beispiel beim Fernsehdienst „Telebär“ am Hindenburgdamm 62 groß. „Eine Busspur, das geht gar nicht“, regt sich Mitarbeiter Michael Herden sofort auf. Er ist seit 18 Jahren in dem Geschäft und hat schon einiges am Hindenburgdamm erlebt. Zuletzt hätte man ihm die Mülleimer vor der Haustür weggenommen, jetzt müsse er jeden Morgen erst einmal den Dreck wegräumen, erzählt er. Dass jetzt noch der Verkehr vor dem Laden durch eine Busspur behindert werden soll, kann er überhaupt nicht verstehen.

„Wir müssen hier im Stundentakt Geräte vor dem Geschäft ein- und ausladen“, sagt der Mitarbeiter. Dafür müssten die Fahrzeuge halten können. Ähnlich gehe es dem benachbarten Supermarkt. Dort kämen jeden Morgen große Transporter mit den Lieferungen. Wo sollen die dann stehen? In der zweiten Reihe? Michael Herden glaubt nicht daran, dass nur ein einziger Händler die Nachricht von einer geplanten Busspur positiv aufnehmen werde. „Die machen uns hier den Hindenburgdamm kaputt“, sagt Herden.

Ähnlich sieht es Melitta Köllner. Sie ist die Inhaberin des Otto-Shops am Hindenburgdamm 61 und fragt: „Wo sollen denn die Autos hin?“ Ihre Kunden hätten jetzt schon Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden. „Sollen die dann auf dem Mittelstreifen stehen, dort, wo heute eine Grünfläche mit Bäumen ist?“, fragt Melitta Köllner. Der Bus müsse an dieser Stelle des Hindenburgdamms keine eigene Spur haben, der käme doch immer gut durch, ist ihre Meinung. „Wir brauchen keine Busspur, wir brauchen eine Parkzone und Parkplätze“, erklärt die Ladeninhaberin.

Wann und wie die Busspur kommen soll, steht noch nicht fest. Derzeit liegt ein erster Plan bei der Verkehrslenkung Berlin zur Abstimmung. Noch sind mehrere Fragen offen. Zum Beispiel, ob es auch möglich ist, die Busspur auf bestimmte Wochentage oder Uhrzeiten zu begrenzen.

Tiefbauamt des Bezirks übernimmt die Arbeiten

Auch die Entscheidung, ob die neue Spur in Rand- oder Mittellage eingerichtet wird, muss noch diskutiert werden. Davon hängt letzten Endes ab, ob Parkplätze wegfallen. „Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf soll im Vorfeld am Entscheidungsprozess beteiligt werden, da dieser die Interessen der Anwohnenden, der vor Ort ansässigen Gewerbebetreibenden und die spezifische Verkehrssituation auf den betreffenden Streckenabschnitten kennt“, heißt es in der Antwort der Senatsverkehrsverwaltung.

In diesem Zusammenhang werde der Bedarf an allgemeinen Parkplätzen, der Bedarf an personenbezogenen Parkplätzen für Schwerbehinderte sowie die Notwendigkeit von Lieferzonen und Ladefenstern für die Händler betrachtet. Erst wenn ­alle Abstimmungen erfolgt sind, können die Arbeiten beginnen. Dafür verantwortlich wird das Tiefbauamt Steglitz-Zehlendorf sein. Wann es losgeht, kann die Senatsverwaltung noch nicht sagen.