Klinikgelände

Senat hält an Flüchtlingsunterkunft in Heckeshorn fest

Seit Monaten setzen sich die Ortsverbände von CDU und FDP für den Erhalt des Klinikgeländes ein. Der Senat hat aber andere Pläne.

Ein Wandelgang auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik Heckeshorn. (Archivbild)

Ein Wandelgang auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik Heckeshorn. (Archivbild)

Foto: David Heerde

Die ehemalige Lungenklinik Heckeshorn in Wannsee soll wieder zu einem Gesundheitsstandort ausgebaut werden. Dafür setzt sich nicht nur die Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf, Cerstin Richter-Kotowski (CDU), ein. Auch die Ortsverbände von CDU und FDP sprachen sich in mehreren Bürgerversammlungen dafür aus. Der Senat hat jedoch andere Pläne.

Er will auf dem alten Klinikgelände, das seit Jahren leer steht, knapp 800 Flüchtlinge unterbringen. Auf Anfrage von Stephan Standfuß (CDU) hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jetzt die Umbaupläne für drei weitere Gebäude veröffentlicht.

„Das ist ein schwerer Schlag für den Gesundheitsstandort und die Anwohner“ – so das Fazit des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, der seinen Wahlkreis unter anderen in Wannsee und Nikolassee hat.

Drei Häuser für Flüchtlinge

Heute wohnen bereits 262 Menschen im ehemaligen Bettenhaus der Klinik. Für weitere 502 Personen soll nun in drei weiteren Gebäuden, darunter im Schwesternwohnheim, Platz geschaffen werden. Die Häuser befinden sich im südwestlichen Bereich des Klinikareals auf den Grundstücken Zum Heckeshorn 27, 31 und 33.

Für das gesamte Gelände mit einer Größe von 3,2 Hektar muss ein neuer Bebauungsplan erstellt werden. Weil der Bezirk sich weigerte, den Bebauungsplan zu ändern, hat der Senat das Verfahren an sich gezogen. Er will die Flächen als Sondergebiet „Flüchtlingsunterkunft“ festlegen lassen.

Ausbau der Gemeinschaftsküchen

Alle drei Häuser sind nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in einem guten Zustand. Die Sanierungsarbeiten werden sich unter anderen auf das Herstellen von Lüftungsöffnungen, Türdurchbrüchen und Gemeinschaftsküchen beschränken. Teilweise müssen neue Wand- und Bodenfliesen verlegt werden.

Am ehemaligen Schwesternwohnheim wird der Putz an der Fassade ausgebessert und eine neue außenliegende Fluchttreppe gebaut. Fenster sind zu reparieren und neue Sanitärzellen zu installieren. In den Außenbereichen sind Abstellflächen für Fahrräder sowie Freiflächen für Sport, Spiel und Erholung geplant.

Umbaukosten betragen 12,9 Millionen Euro

Die Kosten für die Herrichtung der Gebäude veranschlagt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit 12,9 Millionen Euro. In den Häusern sollen künftig Geflüchtete aus Syrien, Irak, Pakistan und anderen als unsicher eingestuften Ländern leben. Auch Zuwanderer aus Afghanistan, Albanien, Eritrea und Russland können dabei sein.

Es werden Ehepaar mit und ohne Kinder sowie alleinstehende Männer und Frauen einziehen. Der Senat plant, die Häuser langfristig als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Pläne für eine Nachnutzung gebe es daher nicht, heißt es in der Antwort auf die Anfrage im Abgeordnetenhaus.

Häuser können nicht mehr als Gesundheitseinrichtung genutzt werden

Stephan Standfuß zieht daraus die Schlussfolgerung, dass die Klinikgebäude sowie das Schwesternwohnheim dauerhaft nicht mehr als Standort für Einrichtungen des Gesundheitswesens verwendet werden können. „Eine Zahl von insgesamt über 764 Personen ist insbesondere aufgrund der dafür fehlenden Infrastruktur vor Ort und der mangelnden Integrationsmöglichkeiten gänzlich unverantwortlich“, sagt der CDU-Abgeordnete.

Kritik äußert Standfuß auch an der Aussage des Senats, dass eine Nachnutzung als Gesundheitsstandort nicht mehr geplant sei. Er sehe ganz im Gegenteil aufgrund des Bevölkerungswachstums und der alternden Bevölkerung heute und in Zukunft großen Bedarf an Gebäuden für Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Noch herrscht ein Baustopp

Im Moment herrscht ohnehin ein Baustopp. Der Grund ist die Fledermaus. Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) hatte zwar im November 2017 Baugenehmigungen für die Arbeiten zur Umnutzung der Klinikgebäude als Gemeinschaftsunterkunft für die Flüchtlinge beantragt und auch bekommen.

Der Verein Natura Havel e. V. fand jedoch heraus, dass die BIM keinen Antrag auf Zulassung einer naturschutzrechtlichen Ausnahme bei der Senatsverwaltung für Umwelt gestellt hatte. Der Verein klagte vor dem Berliner Verwaltungsgericht und bekam Recht. Bis das entsprechende Papier vorliegt, gilt ein Baustopp.

Pläne für gesundheitsnahe Dienstleistungen

Pläne und Konzepte, wie das alte Klinikgelände genutzt werden könnte, gibt es genug. Die Wannsee-Schule, die eine Ausbildung in verschiedenen Pflegeberufen anbietet, braucht dringend neue Räume und hätte Interesse, einen Teil der alten Häuser zu nutzen. Auch die Diakonie würde sofort gesundheitsnahe Dienstleistungen anbieten.