Lichterfelde Ost

Kranoldplatz: Büros, mehr Arztpraxen und nur noch ein Markt

Investor Harald Huth hat seine Pläne für den Kranoldplatz offen gelegt. Ein neues Einkaufszentrum wird nicht gebaut.

Vor zwei Jahren kaufte Harald Huth eine Ladenzeile und ein Gebäudeensemble am Kranoldplatz in Lichterfelde.

Vor zwei Jahren kaufte Harald Huth eine Ladenzeile und ein Gebäudeensemble am Kranoldplatz in Lichterfelde.

Foto: Katrin Lange

Soviel ist am Ende des Abends klar: Am Kranoldplatz in Lichterfelde Ost wird nichts abgerissen, es entsteht auch kein neues Einkaufszentrum. Und alle – Anwohner, Geschäftsleute, Investor und Bezirk – wollen die Lebendigkeit und Kleinteiligkeit des Ortes erhalten. Dazu gehört auch der Markt auf dem Kranoldplatz, der eher noch größer und attraktiver werden soll. Der Ferdinandmarkt allerdings wird nach mehr als 100 Jahren schließen.

Viele Anfragen zum Kranoldplatz

Die Unruhe und das Misstrauen sind groß, seit Harald Huth, Geschäftsführer der H.G.H.I., vor zwei Jahren eine Ladenpassage und ein weiteres Gebäudeensemble am Kranoldplatz gekauft hat. Einige Händler haben seitdem aufgegeben, viele Läden auf der Seite des alten Stellwerkes stehen leer. Irritationen und Gerüchte machten sich breit: Wie passiert jetzt? Steigen die Mieten? Was hat der neue Eigentümer vor? Das waren die Fragen, mit denen viele Anwohner und Geschäftsleute am Mittwochabend in die Grundschule unter den Kastanien gekommen waren. Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) hatte zu der Veranstaltung eingeladen, „damit wir uns gemeinsam auf einen Sachstand bringen.“ Viele Anfragen seien bei ihr eingegangen, wie es am Platz weitergehe, so Rathauschefin.

Abwechslung bei den Geschäften

Diese Informationen gab es am Abend aus erster Hand. Harald Huth war der Einladung gefolgt und erklärte seine Pläne. Die größte Veränderung: Nur ein Markt wird bleiben. Heute gibt es den öffentlichen Markt auf den Kranoldplatz, der von der Wirtschaftsförderung des Bezirks organisiert wird und den privaten Ferdinandmarkt, der in einem Gebäude ist, das der Investor erworben hat. Die mit Glas überdachte Halle, in dem die Händler des Ferdinandmarktes heute noch ihre Stände haben, wird geschlossen. Damit entstehen 500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, die an Geschäfte vermietet werden sollen. Eine Bauvoranfrage wurde bereits vom Bezirk positiv entschieden.

Waren des täglichen Bedarfs

„Es stehen jetzt schon viele Läden leer, wozu brauchen wir dann noch mehr Gewerbeflächen“, wollte Einzelhändler Rainer Frohloff von dem Investor wissen. Es gehe darum, die Immobilie zu verbessern, entgegnete Huth. Viele Mieter seien nicht glücklich, die „Umsätze nicht so prickelnd“. Und was passiere, wenn die älteren Mieter, wie aus dem Spielwarenladen oder dem Friseur, in Rente gehen? „Kaum einer will sich heute mit einem Laden selbstständig machen“, entgegnete Huth. Das sei in den 90er-Jahren noch ganz anders gewesen. Ziel sei es deshalb, die Flächenstrukturen so zu verändern, dass sie langfristig vermietet werden könnten. Vor allem Waren des täglichen Bedarfs sollen künftig dort zu finden sein. Er habe ein Interesse an einer großen Vielfalt, antwortete Huth auf die Frage, ob denn jetzt nur große Ketten einziehen werden.

Noch mehr Arztpraxen

Die Arztpraxen in dem Gebäude sollen erhalten bleiben, es könnten sogar noch zwei, drei neue dazukommen. Damit bleibt der medizinische Schwerpunkt in Lichterfelde Ost erhalten und wird gestärkt. Einige Händler, die heute noch auf dem Ferdinandmarkt ihre Stände haben, könnte man vielleicht in den Kranoldmarkt integrieren, sagte die Bezirksbürgermeisterin. Im März soll es in eine weitere Informationsveranstaltung zur Umgestaltung des Kranoldmarktes geben. Da könnte das dann Thema sein. Seine Ideen ließ Harald Huth schon einmal durchblicken: Er möchte die Stände vereinheitlichen und mehr Bäume auf dem Platz haben.

Neue Büroflächen im Stellwerk

Auch die Ladenpassage auf der Seite des Stellwerks gehört jetzt Huth. Das Stellwerk sei bereits leer gewesen, als er es gekauft habe, sagt der Eigentümer zum Leerstand. Dort sollen jetzt Büros entstehen. Und wieso sind so viele andere Läden leer? Lag es an neuen, gestiegenen Gewerbemieten? Huth erklärte, dass einige von sich aus aufgegeben hätten, wie zum Beispiel Kräuter Kühne, den er gern am Platz gehalten hätte. „Es kann aber den einen oder anderen geben, der nicht zufrieden war mit dem Mietvertrag“, räumte der Investor ein. Er halte sich aber an Recht und Gesetz und stimme sich mit dem Bezirksamt ab.

Urbanität des Platzes soll bleiben

Seine Beweggründe, die Immobilien zu erwerben, musste er mehrfach in der Debatte deutlich machen: Es sei die Urbanität des Kranoldplatzes mit dem Markt gewesen, die ausschlaggebend für seine Investitionsentscheidung waren. Der Kranoldmarkt sei ein Frequenzbringer, die Geschäfte sorgten für Abwechslung – das solle auch so bleiben. Er habe die Gebäude nicht spekulativ erworben und wolle sie auch nicht wieder verkaufen. Für ihn sei es eine private Anlage und er sehe sein Geld auch gut angelegt.

Büromieten steigen, Ladenmieten sinken

Aus diesem Grund wolle er auch die Händler am Ort zu halten. Im Moment sei es nicht einfach, Läden neu zu vermieten, „weil es für die Einzelhändler schwer ist, billiger als online zu verkaufen“, so Huth. Während die Büromieten stiegen, würden Ladenmieten eher sinken. Am Ende schlug die Stimmung im Publikum um: Als sich der Investor verabschiedete gab es Beifall aus dem Publikum. Es war klar geworden: Es wird Veränderungen geben. Aber sie machen nicht mehr so viel Angst.