Hochhaus

Warum am Steglitzer Kreisel kein Baufortschritt zu sehen ist

Was ist los, fragen sich Anwohner und Passanten. Sind die Arbeiten an dem markanten Turm schon wieder gestoppt worden?

Derzeit sieht der Steglitzer Kreisel an der Schloßstraße aus, als hätte er offene Schubladen.

Derzeit sieht der Steglitzer Kreisel an der Schloßstraße aus, als hätte er offene Schubladen.

Foto: Katrin Lange

Vor mehr als einem Jahr begann der Ausbau des Kreisels. Bis 2022 sollen in dem einstigen Bürohochhaus an der Steglitzer Schloßstraße 330 Eigentumswohnungen auf 30 Etagen entstehen. Anfangs waren die Baufortschritte noch gut zu verfolgen. Ein Kran wurde auf dem Dach montiert, nach und nach verschwand die alte Fassade. Im April konnten die ersten beiden Musterwohnungen in der 13. Etage präsentiert werden. Dann wurde der Kreisel zum „Leuchtturmprojekt“ – und nachts in rotes oder grünes Licht getaucht. Doch nicht nur die Beleuchtung ist abgeschaltet, derzeit ist auch nicht viel Bewegung zu sehen. Anwohner, die die Fortschritte täglich beobachteten, fragen sich bereits, ob überhaupt noch am Kreisel gearbeitet wird oder ob es einen Baustopp gibt.

Viele Arbeiten im Inneren des Steglitzer Kreisels

„Die Arbeiten am Steglitzer Kreisel laufen planmäßig“, sagt Bernd Bolius, Referent der CG-Gruppe, die 190 Millionen Euro in den Umbau des 120 Meter hohen Gebäudes in einen Wohnturm investiert. Aktuell fänden viele Arbeiten im Inneren des Hauses statt, die von außen nicht wahrgenommen werden könnten. Derzeit sind die Arbeiter zum Beispiel mit dem Abfanggeschoss beschäftigt. Das ist das unterste Geschoss des Turms, auf dem die Lasten aller Stockwerke abgefangen werden. Dort werden jetzt die Stahlträger mit zusätzlichen Stahlplatten verstärkt. „Die Arbeiten sind zu 40 Prozent abgeschlossen“, sagt Bolius.

Tragwerk wird ertüchtigt für die neuen Lasten

Im Anschluss daran muss das Tragwerk – also das statische Gesamtsystem aus Decken, Balken und Stützen – ertüchtigt werden, um die neuen Lasten aufzunehmen. Dazu gehört nicht nur die neue Fassade, die zu einem großen Teil aus Glas bestehen soll. Die Wohnungen bekommen auch Balkone oder Wintergärten, die das Tragwerk mit zusätzlichem Gewicht belasten. Weitere Arbeiten im Inneren des Gebäudes spielten sich an den Betonkernen ab, die in der Mitte des Turm sind und die Aufgabe haben, das Hochhaus gegen Windlasten abzusichern. Von diesen Betonkernen musste der Putz entfernt werden. Das ist mittlerweile in allen Etagen geschehen. Beim Ausbau des Gebäudes wird neuer Putz aufgetragen.

Mittlerweile ist auch der letzte der alten zehn Fahrstühle ausgebaut. Auch die Antriebsmaschinen, die im Technikraum auf dem Dach in der 28. und 29. Etage untergebracht waren, wurden entsorgt. Für die Arbeiter gibt es jetzt zwei Bauaufzüge als Ersatz, die in die Schächte eingebaut wurden. Über sie wird auch der Transport der Materialien sichergestellt.

Anwohner lästern, die luftigen Wohnungen seien schon fertig

Baufortschritte sind auch in den Untergeschossen zu verzeichnen: Sowohl im ersten als auch im zweiten Untergeschoss wurden die alten haustechnischen Anlagen abgebaut, um Platz für die neuen zu schaffen. Der Rückbau der Fassade konnte bereits im April abgeschlossen werden. Jetzt sieht der Kreisel aus, als hätte er offene Schubladen. Anwohner lästerten bereits, der Kreisel sei fertig, weil die Wohnungen doch laut Ankündigungen besonders luftig sein sollten.

Noch im April, bei der Präsentation der ersten beiden Musterwohnungen, fuhr ein originaler Aufzug, den die Büromitarbeiter genutzt haben. 1980 zog das Bezirksamt Steglitz in das Hochhaus ein, 2007 musste das Gebäude wegen Asbestfunden geräumt werden. Es gab viele Ideen für eine weitere Nutzung, wie ein Lager- und Kunsthaus, auch über Studentenwohnungen wurde nachgedacht. Doch entweder mangelte es am Willen des Landes Berlin, dem der Turm gehörte, oder am Investor mit dem nötigen Kapital. Die CG-Gruppe wurde schließlich nach langen und zähen Verkaufsverhandlungen der neue Eigentümer von Turm und Sockelgeschoss. Beides wird jetzt für die Wohnnutzung umgebaut.

Erste Idee vom Ausblick

Die Musterwohnungen in der 13. Etage vermitteln einen Eindruck, wie es sich im neuen „ÜBerlin“, so der neue Hochhausname, leben wird. Eine der Wohnungen mit zwei Zimmern, 61 Quadratmeter, kostet 470.000 Euro. Und die andere mit 2,5 Zimmern, 81 Quadratmetern, 782.000 Euro. Die größere wird allerdings später in der 22. Etage eingebaut. Generell beginnen die Quadratmeterpreise bei 4800 Euro, im Mittel liegen sie zwischen 7800 und 8500 Euro – je höher, desto teurer. Im Fuß des Kreisels an der Schloßstraße 80 ist ein Verkaufsbüro eingerichtet, wo sich Interessenten über Details der Ausstattung informieren können.

Beleuchtung momentan oft abgeschaltet

Anfang des Jahres war das Hochhaus nachts oft beleuchtet. Mal wurde jede zweite Etage in rote Farbe getaucht, mal auch in grüne. Nach Ostern war die Testphase vorbei. Eigentlich wollte sich er Investor dann für eine Art der Beleuchtung entscheiden, und an mehreren Tagen leuchtete der Turm auch wieder rot. „Doch momentan ist die Beleuchtung des Hochhauses angesichts notwendiger Umbauarbeiten am Baustrom partiell abgeschaltet“, sagt Bernd Bolius. Dennoch wird derzeit an einem Beleuchtungskonzept gearbeitet. Der Kreisel soll erstmals im Herbst beim Lichterfest „Berlin leuchtet“ als „Leuchtturmprojekt“ dabeisein.