Neubau

Denkmalschutz lehnt Bau von Unterkünften am Osteweg ab

Modulare Flüchtlingsunterkünfte oder Schule und Sporthalle am Osteweg in Lichterfelde? Jetzt reden die Denkmalschützer mit.

Der Osteweg soll ein Schulstandort bleiben, dafür haben sich Anwohner und eine Bürgerinitiative eingesetzt.

Der Osteweg soll ein Schulstandort bleiben, dafür haben sich Anwohner und eine Bürgerinitiative eingesetzt.

Foto: Bürgerinitiative Osteweg

Berlin. Überraschende Wende am Osteweg in Lichterfelde. Im Oktober sollte der Bau von Modularen Unterkünften für Flüchtlinge (MUF) an diesem Standort beginnen. Jetzt lässt Carsten Knorr seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative Osteweg wissen: „Wir sind auf dem Weg, eine Sporthalle und Schule am Osteweg zu realisieren, einen entscheidenden Schritt vorangekommen.“ Die geplante MUF sei Geschichte. Der Denkmalschutz habe den Bau der Unterkünfte abgelehnt.

Das wird vom Landesdenkmalamt bestätigt: „Nach Vorlage beurteilungsfähiger Planungen haben die Denkmalbehörden – die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf im Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt – das Vorhaben aus denkmalpflegerischer Sicht aktuell abgelehnt“, sagte Landeskonservator Christoph Rauhut auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Allerdings fügt Rauhut hinzu: „Sollten die Planungen Rücksicht auf die denkmalfachlichen Belange nehmen, ist der Bau einer Flüchtlingsunterkunft am Standort aus denkmalpflegerischer Sicht aber grundsätzlich möglich.“ Das Baugebiet befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Telefunkenwerkes, das später von den US-Alliierten als Hauptquartier genutzt wurde, und als zweitgrößtes Baudenkmal in Berlin unter Denkmalschutz steht.

Senatsverwaltungen halten an den Plänen fest

Für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Senatsverwaltung für Finanzen sind die MUFs noch nicht Geschichte. Sie wollen das Verfahren zum Bau der Unterkünfte am Osteweg weiter aktiv fortsetzen. Das bestätigte Eva Henkel, Sprecherin der Senatsfinanzverwaltung am Freitag. „Die Senatsverwaltung für Finanzen unterstützt die Pläne zur Realisierung der MUFs gemäß des Senatsbeschlusses“, sagte Eva Henkel.

Wie es nun weitergeht, wird am Sonnabend diskutiert. Die Bürgerinitiative lädt am 25. Mai ein, von 11 bis 14 Uhr an die Billy-Wilder-Promenade, Ecke Osteweg zu kommen. Eingeladen zu der Veranstaltung sind auch Vertreter aus der Politik. So soll der Staatssekretär für Integration, Daniel Tietze, sein Kommen schon zugesagt haben.

Erst vor wenigen Tagen hatte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Integration, noch gesagt, dass die Planungen noch nicht abgeschlossen seien, aber an der Errichtung einer MUF am Osteweg festgehalten werde. Bauherr ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Der Bauantrag sei eingereicht und in Bearbeitung, so Kneiding.

Zum Baubeginn konnte sie noch nichts sagen, weil es noch Abstimmungen zwischen dem beteiligten Senatsverwaltungen und dem Bezirk gebe.

Appell an den Berliner Senat

Die Bürgerinitiative hatte gerade noch einmal in einem in einem offenen Brief an den Berliner Senat appelliert, an den ursprünglichen Plänen festzuhalten. „Das Grundstück Osteweg ist gemäß gültigem Bebauungsplan für Sport und Schule ausgewiesen. Dieser Bebauungsplan berücksichtigt, dass im direkten Umfeld zusätzlich über 4000 Wohnungen für 12.000 Menschen entstanden sind und weitere Wohnungen gebaut werden“, heißt es in dem Brief.

Unterstützt und anerkannt werde der Bedarf für Sport- und Schule am Osteweg von allen Parteien im Bezirk, dem Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf, dem Landessportbund Berlin, dem Bezirkssportbund, dem Bezirkselternausschuss und mehr als 3000 Unterstützern der Bürgerinitiative.

Seit zehn Jahren Pläne für eine Schule

Seit 2008 gibt es Pläne für eine neue Schule und eine Sporthalle am Osteweg 53 und 63. Architekt Martin Kreienbaum hatte einen Entwurf angefertigt und überzeugt. Doch umgesetzt wurde er nie, weil die Finanzkrise dazwischen kam und die Pläne gestoppt wurden. Der Bezirk hat das Gelände aber weiterhin als Schul- und Sporthallenstandort reserviert.

Der Senat wollte dennoch an diesem Standort eine Flüchtlingsunterkunft bauen. Zunächst war die Unterbringung von 500 Menschen geplant, später sollten nur noch 247 Plätze geschaffen werden. Der Baubeginn sollte in diesem Herbst sein. Das könnte jetzt Geschichte sein.

Senatsbildungsverwaltung braucht Grundstücke für den Schulbau

„Für uns als Bildungsverwaltung ist es wichtig, dass die Bezirke ausreichend freie und geeignete Grundstücke für den Schulbau benennen“, sagt Sprecher Thorsten Metter am Freitag. Eine Voraussetzung dabei sei natürlich, dass das Grundstück nicht schon durch eine andere Nutzung blockiert ist.

„Sollte eine solche Nutzung wegfallen und sind die Grundstücke ansonsten für den Schulbau geeignet, nutzen wir diese natürlich sehr gerne“, so Metter. Diese und andere grundstücksbezogen Fragestellungen seien durch den Bezirk abzuklären.