Tourismusprojekt

Dahlem, Nikolassee, Wannsee: Diese Radrouten sind in Planung

Nach der Dahlem-Route sind zwei weitere touristisches Radrouten im Südwesten in Vorbereitung.

Das Team für die touristischen Radrouten in Steglitz-Zehlendorf: Hanno Wiesmann, Nadine Dörge, Michael Pawlik, Tanita Lestingi (v.l.)

Das Team für die touristischen Radrouten in Steglitz-Zehlendorf: Hanno Wiesmann, Nadine Dörge, Michael Pawlik, Tanita Lestingi (v.l.)

Foto: Katrin Lange

Was haben die Insel Schwanenwerder, der Biergarten Loretta am Wannsee und das Kleistdenkmal gemeinsam? Im Moment nicht viel mehr, als dass sie sich in Steglitz-Zehlendorf befinden. Ende Juni wird sich das ändern. Dann liegen die drei Ausflugsziele an der Nikolassee-Route – einer weiteren touristischen Radroute, die durch den Bezirk führt.

Auch die Liebermann-Villa, das Schloss Babelsberg und die Kirche am Stölpchensee werden fortan miteinander verbunden sein: Sie gehören zu den Sehenswürdigkeiten an der neuen Wannsee-Babelsberg-Route. Die beiden touristischen Radrouten sollen noch vor den Sommerferien eröffnet und freigegeben werden.

Touristen sollen für die Außenbezirke begeistert werden

Der Südwesten macht ernst: Erst vor einem Jahr wurde die knapp 20 Kilometer lange Dahlem-Route eröffnet. Sie war ein Novum in Berlin und galt als einer der ersten Beiträge zum dezentralen Tourismuskonzept des Senats. Ziel ist es, die Touristen mehr für die Außenbezirke zu begeistern, um Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg zu entlasten. Es hat funktioniert. „Schon am Tag nach der Eröffnung sind die Ausflügler mit dem Plänen in der Hand losgeradelt“, sagt Michael Pawlik, Leiter der Wirtschaftsförderung in Steglitz-Zehlendorf, die die Route entwickelt hat.

16 Sehenswürdigkeiten liegen auf der Dahlem-Route, darunter das Brücke-Museum, das Haus am Waldsee und der Botanische Garten. Aber auch Lokale wie der Alte Krug, die Luise und das Café Krone an der Argentinischen Allee laden ein, Halt zu machen. Aus dem Café Krone weiß Pawlik, dass mehr Besucher kommen, seit es die Route gibt. Es legen wohl einige ihre Pause dort ein.

Fahrrad-Tourismus bekommt immer mehr Gewicht

„Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat die Zeichen der Zeit erkannt“, sagt Christian Tänzler, Sprecher von Visit Berlin – der offiziellen Organisation für Tourismus- und Kongressmarketing. Gäste, die wiederholt nach Berlin kämen, erkundeten auch gern die Außenbezirke. Zudem gewinne der Fahrrad-Tourismus immer mehr an Gewicht in Berlin. „Steglitz-Zehlendorf hat so viel zu bieten“, sagt Tänzler. Mit der Verbindung zu einer Radroute würden die Sehenswürdigkeiten und die Ausflugsziele leichter zugänglich und noch stärker in den Fokus gerückt.

Genau dieses Ziel verfolgt der Bezirk: „Wir wollen mit den Routen die Aufmerksamkeit auf attraktive Destinationen außerhalb der Berliner Mitte lenken“, sagt Michael Pawlik. Dabei soll der Bezirk authentisch zu erleben sein. Was den Fahrradtourismus angeht, stimmt er der Einschätzung von Christian Tänzler zu. Es liege im Trend, Gegenden mit dem Fahrrad zu entdecken, so Pawlik.

Nach dem ersten Erfolg spielt der Südwesten jetzt weiter seine Trümpfe aus: Wasser, Kultur, Natur. Nach der Dahlem-Route – die vor allem auf Kultur setzt, will die Nikolassee-Route das Naturerlebnis in den Vordergrund stellen. Die Wannsee-Babelsberg-Route rückt hingegen das Weltkulturerbe in den Fokus. Mit 20 Kilometern sind alle Rundkurse etwa gleich lang. Das Besondere ist: Alle drei sind miteinander verbunden. Wer also Lust hat, hintereinander 60 Kilometer zu radeln, der kann die drei Routen nacheinander abfahren.

Ein Abstecher nach Schwanenwerder

Die Nikolassee-Route grenzt am S-Bahnhof Mexikoplatz an die Dahlem-Route. Wer mit der S-Bahn anreist, kann aber auch an den Bahnhöfen Nikolassee und Wannsee die Rundfahrt beginnen oder beenden. Ein erster Halt lohnt sich im Museumsdorf Düppel. Das mittelalterliche Dorf liegt zwar etwas abseits, ist aber doch schnell zu erreichen. Über die Spinnerbrücke, den Stahnsdorfer Damm und den Kronprinzessinnenweg ist ein kleiner Abstecher über die Inselstraße auf Schwanenwerder geplant, bevor es auf dem Uferweg am Großen Fenster Wannsee und über die Havelchaussee zurückgeht.

Auf der Strecke liegen Sehenswürdigkeiten wie der Checkpoint Bravo Dreilinden, die ehemalige Raststätte Dreilinden, das Kleistdenkmal, die American Academy in Berlin und das Literarische Colloquium.

Am S-Bahnhof Wannsee ist wiederum der Schnittpunkt mit der Wannsee-Babelsberg-Route. Sie führt auch über weite Strecken am Wasser entlang, darunter am Großen Wannsee und an der Havel. Schlösser, Kirchen und prominente Villen liegen auf dem Weg, viele Sehenswürdigkeiten gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Ziele sind unter anderen das Schloss Babelsberg, das Schloss Glienicke, die Villa Schöningen und der Flensburger Löwe. Die Route sei in Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg entstanden, berichtet Michael Pawlik. Das habe sehr gut funktioniert. So gebe es zum Beispiel am S-Bahnhof Griebnitzsee auch einen Radverleih, den Ausflügler nutzen können, die die Runde dort von der Brandenburger Seite aus beginnen.

Steglitz und Lankwitz stehen als nächste auf der Liste

Noch bleiben einige Wochen Zeit für die letzten Vorbereitungen der beiden neuen Routen. „Jetzt geht es vor allem noch um die Mikro-Standortplanung, also um kleine Details“, sagt der Wirtschaftsförderungschef. Wo werden die Schilder montiert? Können bestehende Pfosten genutzt werden? Wo haben Fußgänger Vorrang? Das seien die Fragen, die geklärt werden müssten. Nach der Eröffnung der Routen Ende Juni, geht die Planung gleich weiter. Steglitz und Lankwitz gilt es noch zu erkunden. Dort führen die nächsten Rad-Rundwege lang.

Bis zur Eröffnung hat die bislang erste und einzige Dahlem-Route noch ein besonderes Angebot im Bauhaus-Jahr: Erfahrene Guides erklären entlang der Route die Bauten der Moderne. Es werden zwei Routen angeboten, die jeweils zweieinhalb Stunden dauern. Startpunkt ist der U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte, Kosten 15 Euro pro Person.

Auf der Ostroute werden unter anderen die Waldsiedlung, der Fischtalpark und der Campus der Freien Universität besichtigt. Der nächste Termin ist am 8. Juni, 14 Uhr. Die Westroute führt vorbei an Gebäuden von Gropius und Taut aus den 30er-Jahren bis hin zu Bauten aus der neueren Moderne. Die nächsten Touren starten am 11. Mai und 13. Juli, jeweils 14 Uhr. Eine Reservierung ist erforderlich unter: mail@minoy-services.com. Fahrräder können in der Ladenstraße Onkel Toms Hütte gemietet werden.

Die Links zu den Routen im Überblick:

Dahlem Route

Nikolassee Route

Wannsee-Babelsberg Route