Engagement

Willkommensbündnis: Hilfe für Flüchtlinge seit fünf Jahren

Seit fünf Jahren kümmert sich das Willkommensbündnis in Steglitz-Zehlendorf um Flüchtlinge. Am 4. Mai wird in Haus Waldsee gefeiert.

Günther Schulze und Franziska Merkel-Anger vom Leitungsteam des Willkommensbündnisses im Haus am Waldsee, wo auch das Jubiläum am 4. Mai gefeiert wird

Günther Schulze und Franziska Merkel-Anger vom Leitungsteam des Willkommensbündnisses im Haus am Waldsee, wo auch das Jubiläum am 4. Mai gefeiert wird

Foto: Katrin Lange

Steglitz-Zehlendorf. Dass die neue Unterkunft für Flüchtlinge in der Bäkestraße auch Wochen nach der Eröffnung noch nicht bezogen werden konnte, macht Günther Schulze gerade „sehr ärgerlich“. Erneut traten bauliche Mängel auf, Schulze hat von den Rissen im Fundament gehört, die jetzt erst behoben werden müssen. „Das ist schlimm für die Leute, die bereits eingestellt sind und auf ihren Job warten“, so Schulze. Und es sei schlimm für die Flüchtlinge, die noch in prekären Verhältnissen unter anderem am Columbiadamm wohnten und nicht umziehen könnten.

Neue Bewohner sollen in der Nachbarschaft gut ankommen

Von Anfang an waren Günther Schulze und sein Team vom Willkommenbündnis Steglitz-Zehlendorf bei der Planung der Modularen Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) in der Leonorenstraße und in der Bäkestraße dabei. Sie wollen dabei helfen, dass die neuen Bewohner in der Nachbarschaft gut ankommen. Seit fünf Jahren ist das Willkommensbündnis im Südwesten aktiv. Das wird gefeiert – am 4. Mai, 14 bis 18 Uhr, im Haus am Waldsee in Zehlendorf.

Als die Initiative 2014 gegründet wurde, „ist es vor allem darum gegangen, das ehrenamtliche Engagement zu steuern“, erzählt Schulze. Wer hilft an der Essensausgabe, wer in der Kleiderkammer? Und wer kann Deutschunterricht geben? Das waren die ersten Probleme. Heute gehe es viel professioneller zu. Neun Unterkünfte, in denen etwa 1300 Flüchtlinge leben, gibt es in Steglitz-Zehlendorf. Dazu kommen geschätzte 1000 Flüchtlinge, die im Bezirk eine Wohnung haben. Für die ist Günter Schulze mit seinem Team da. Sie sind so gut in Berlin vernetzt, dass fast nichts unmöglich ist.

„Wenn wir Lehrer oder Sprachpatenschaften suchen, haben wir allein 400 Adressen in unserem Verteiler“, berichtet Franziska Merkel-Anger, die mit Schulze im Leitungsteam ist. Erst kürzlich wurde jemand gebraucht, der Urdu – was in Pakistan gesprochen wird – versteht und beim Ausfüllen eines Formulares hilft. Es hat sich sofort eine Frau gemeldet. Da sie gerade nicht in Berlin war, hat sie sich angeboten, über Skype weiterzuhelfen. Ein anderer Fall: Ein Transport musste abgewickelt werden. Ein Arzt vom Kudamm wollte nach der Schließung seine Einrichtung an eine Praxis verschenken, die sich speziell um Flüchtlinge kümmert. Über den Fahrdienstverteiler fand sich schnell ein freiwilliger Helfer. Der mietete auf eigene Kosten ein Transporter und brachte das Inventar nach Zehlendorf.

Flüchtlinge als Mitarbeiter begehrt

„Das sind Menschen, die gern helfen und etwas zurückgeben wollen“, sagt Franziska Merkel-Anger. Sie geben Nachhilfe, spenden Möbel und Sachen, Kinderspielzeug und Fahrräder. Das Team des Willkommensbündnisses hilft aber auch, eine Ausbildung oder einen Job zu finden. Erst kürzlich war die Personalchefin des Waldorf Astoria Hotels am Runden Tisch des Bündnisses und hat die Flüchtlinge zu einem Schnuppertag in das Hotel eingeladen. Auch andere Arbeitgeber, wie Restaurants oder Kliniken melden sich, weil sie Mitarbeiter suchen. Ali, 45, aus Teheran hat zum Beispiel über das Netzwerk eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten bekommen.

Schwieriger ist es, Wohnungen zu finden. Und deshalb hofft Günther Schulze, dass die neuen Häuser in der Bäkestraße so schnell wie möglich bezogen werden können.