Als einer der profiliertesten Politiker Deutschlands wurde Martin Schulz den Schülern vorgestellt. "Viele kennen ihn bestimmt von der vergangenen Bundestagswahl", sagt Philip Elsen, Lehrer am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz. Elsen hat an seiner Schule ein Zukunfts-Forum gegründet - einen zusätzlichen Politik- und Wirtschaftskurs, der jetzt gemeinsam mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und dem Kinder- und Jugendbüro den Nachhaltigkeitskongress "Change!" organisiert hat.

200 Schüler aus 40 Schulen sind am Mittwochmorgen nach Steglitz in die Jugendfreizeiteinrichtung "Campus Albert-Schweitzer" gekommen, um gemeinsam in Diskussionsrunden, Workshops und Ideenwerkstätten Visionen für die Zukunft zu entwickeln.

Debatte mit dem ehemaligen Präsidenten des EU-Parlaments

Bevor es in die Gruppenarbeit ging, stand eine Debatte mit dem ehemaligen Präsidenten des EU-Parlaments auf dem Programm. Wann er das erste Mal etwas vom Klimawandel gehört habe und ob er da schon ernst genommen wurde, war die erste Frage an Martin Schulz. Der SPD-Politiker erzählte von seiner Juso-Zeit in den 1970er-Jahren und dass der Anstieg des Meeresspiegels damals schon ein Thema gewesen sei. "Aber wir haben nicht in dieser Intensität darüber geredet", so Schulz. Erst in den 1980er-Jahren wären Themen wie saurer Regen und das Sterben der Wälder durch die Grünen mehr in das Bewusstsein gekommen. Ein globale Debatte über globale Phänomene habe es aber zu dieser Zeit noch nicht gegeben.

"Wir hören immer, dass es fünf vor zwölf ist, warum passiert nichts" fragte eine Schülerin des Beethoven-Gymnasiums. Da war Schulz bei seinem Thema. Er erzählte, dass es vielen klar sei, dass etwas nicht stimmt, etwas passieren muss. Aber dass es eben nicht allen klar sei. Zum Beispiel, wenn es um das Auto geht. Viele wollten und könnten auf ihr Auto nicht verzichten, es bedeute Freiheit für sie und für viele hänge auch der Arbeitsplatz daran. "Wir müssen die Menschen dafür gewinnen, dass sie nicht nur alles für sich tun, sondern eine Verantwortung gegenüber ihren Kindern übernehmen", sagte Schulz. Der Begriff Gerechtigkeit gelte nicht nur für Einkommen und Bildung, es gebe auch eine Generationen-Gerechtigkeit.

Den Schülern ging das alles nicht schnell genug. Sie forderten einen radikalen Wandel. Doch Schulz dämpfte die Erwartungen. "Es gibt eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit", sagte der Politiker. In einer Demokratie bedürfe es viel Aufklärung und Überzeugungsarbeit. Zum Beispiel müssten die Menschen begreifen, dass auch Fahrradfahren Freiheit bedeuten könne und nicht nur Autofahren. "Jeder kann etwas tun" - diesen Satz gab Schulz den Schülern mit auf den Weg. Jeder könne weniger Fleisch essen, und Tomaten müssten nicht aus Spanien kommen.

"Aber suggeriert die Politik nicht, dass wir so viel konsumieren müssen?", hakte ein Schüler nach. Der SPD-Politiker gab ihm recht. "Wir müssen weg von der Wachstumsideologie", sagte Schulz. Qualität statt Quantität. Statt Konsumgüter auf Schiffen über die Weltmeere zu transportieren, sollten die Weltmeere lieber von Plastik befreit werden. Das schaffe auch Arbeitsplätze. "Wir müssen nicht in den Verbrauch, sondern in den Erhalt investieren", dozierte Martin Schulz.

Nach der ersten Debattenrunde verteilten sich die Schüler über das gesamte Haus und arbeiteten in kleinen Gruppen an verschiedenen Themen. Was kann Solidarische Landwirtschaft leisten? Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Ist man, was man isst? Diese und andere Fragen wurden in den verschiedenen Workshops besprochen.