Kunst

Haus am Waldsee eröffnet Ende Januar

In dem Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst laufen die letzten Um- und Ausbauarbeiten. Erste Ausstellung mit Werken von Karin Sander.

Katja Blomberg, Direktorin im Haus am Waldsee vor dem wiederaufgebauten Seitenflügel. Letzte Arbeiten müssen noch erledigt werden.

Katja Blomberg, Direktorin im Haus am Waldsee vor dem wiederaufgebauten Seitenflügel. Letzte Arbeiten müssen noch erledigt werden.

Foto: Katrin Lange

Steglitz-Zehlendorf. Noch versteckt sich der neue Seitenflügel vom „Haus am Waldsee“ hinter einem großen Sandhaufen und einem Bagger. Als Neubau zu erkennen ist er ohnehin nur für Kenner des Hauses. Der Seitenflügel sieht aus, als wäre er immer da gewesen. Streng genommen ist es auch kein Neubau sondern ein denkmalgerechter Wiederaufbau.In den letzten Kriegstagen wurde der Teil der Villa, in dem sich die Wohnung des Fahrers, eine Garage und eine Tankstelle befanden, zerstört. Jetzt ist das Haus für zeitgenössische Kunst an der Argentinischen Allee 30 wieder komplett – mit Seitenflügel und mehr Platz für die Besucher. Vom 26. Januar an ist das Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst für das Publikum wieder geöffnet. In der ersten Ausstellung werden Arbeiten von Karin Sander gezeigt.


„Die Villa steht für den neuen Stil kurz nach dem Ersten Weltkrieg“, sagt Katja Blomberg, Direktorin im Haus am Waldsee. Nicht mehr das Repräsentative sei wichtig gewesen, sondern das Private und Gemütliche. Dafür stünden zum Beispiel der Erker und der Wintergarten. Das Besondere sei aber auch, dass es keine symmetrische Seitenflügeln bekommen habe, wie oft bei Schlössern zu sehen. Jetzt ist die Harmonie wieder hergestellt, so wie sie der Architekt Max Werner 1922 für den Fabrikanten Hermann Knobloch geplant hatte.

Im Sommer 2017 war der erste Spatenstich vor dem Zehlendorfer Ausstellungshaus. Eigentlich sollte sie schon ein Jahr später wieder eröffnet werden. Doch der Bau verzögerte sich. Es sei schwierig gewesen, Firmen zu finden, sagt die Direktorin. Die Angebote hätten ja auch zum Kostenrahmen passen müssen. Finanziert wurden die Arbeiten mit 2,9 Millionen Euro von der Stiftung Klassenlotterie, 100.000 Euro hat der Bezirk aus seinem Etat dazugegeben.

Die letzten Arbeiten laufen noch, im gesamten Haus sind noch Handwerker unterwegs. Denn nicht nur der Seitenflügel wurde denkmalgerecht wiederhergestellt. Das komplette Haus ist jetzt grundsaniert. Böden, Fenster, Wände, alle Leitungen seien erneuert worden, erläutert Katja Blomberg. Dazu gäbe es jetzt ein neues Lichtsystem in den Ausstellungsräumen, eine neue Feuertreppe und einen Fahrstuhl. Damit ist auch der „alte“ Teil der Villa auf dem Stand von modernen Ausstellungsstandards gebracht worden. Zu sehen ist das sofort im neuen Eingangsbereich. Die Designerin Sabina Nordalm hat einen originellen gelben Empfangstresen gestaltet, der alle Bedürfnisse der Mitarbeiter erfüllt und dazu noch fast wie ein Kunstwerk aussieht.

Die Fläche des Hauses hat sich fast verdoppelt

Die größte Veränderung erfährt das Haus allerdings durch den neuen Flügel. Im Keller ist jetzt ein Magazin eingerichtet, in dem Publikationen, wie Kataloge, Drucksachen und Flyer gelagert werden. Im Erdgeschoss, wo einst die Garage war, ist ein lichtdurchfluteter Raum mit bodentiefen Fenstern entstanden, der sich zum Garten öffnet. Das ist das neue Café, das auch bei Regen oder im Winter genutzt werden kann oder für verschiedene Veranstaltungen. Im ersten Stock – dem ehemaligen Wohnbereich – gibt es künftig für Besucher eine Bibliothek, in der sie an sechs Plätzen arbeiten können. „Wir erhoffen uns mit Bibliothek, die Aufenthaltsdauer der Gäste auch im Winter verlängern zu können“, sagt die Direktorin. Ein hektischer Ausstellungsbetrieb mache keinen Sinn, die Leute sollen ins „ausgeruhte Grüne“ kommen.

Mehr Platz ist auch durch den Ausbau des Dachgeschosses entstanden. Das wurde bisher nicht genutzt. Noch sind die Arbeiter dabei, den Holzboden zu verlegen. Der neu geschaffene Raum soll für Workshops genutzt werden. Sie könnten zum Beispiel an die Themen der Ausstellungen anschließen, sagt Katja Blomberg. Vor allem am Wochenende wolle sie Kurse für Familie anbieten. Der Raum könnte aber auch von Privatleuten gemietet werden, zum Beispiel für Kindergeburtstage.

Die Fläche, die künftig im Haus am Waldsee zur Verfügung steht, hat sich fast verdoppelt von 600 auf etwa 1000 Quadratmeter. „Die Ausstellungsfläche ist allerdings gleich geblieben“, so die Direktorin. Mehr Platz gebe es vor allem für das Publikum. Das findet ebenfalls im Garten mehr Platz, der gelichtet wurde und einen schönen Blick auf den Waldsee bietet. Mindesten 60 Fahrradbügel werden vor der Villa angebracht, denn Katja Blomberg setzt auch auf die Fahrrad-Touristen.
Seit 1946 zeigt das „Haus am Waldsee“ Ausstellungen internationaler zeitgenössischer Kunst. Vier Jahre zuvor hatte die Allgemeine Film- und Treuhand der Anwesen gekauft, ab 1945 wurde die Villa als Erfassungsstelle für Zehlendorfer Künstler genutzt. Kurz darauf eröffnete erstmals das Ausstellungshaus mit Werken von Käthe Kollwitz und Ewald Vetter. Das Haus ist in Besitz des Bezirkes, das Ausstellungshaus wird vom Trägerverein „Haus am Waldsee“ betrieben.

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