Hindenburgdamm

Linke fordern Infotafel zu Paul von Hindenburg

Am Hindenburgdamm soll eine kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Generalfeldmarschall und Politiker stattfinden.

Reichspräsident Paul von Hindenburg

Reichspräsident Paul von Hindenburg

Foto: akg-images/Sammlung Berliner V

Berlin. Die Bezirksverordneten der Linken fordern eine kritische Auseinandersetzung mit Paul von Hindenburg (1847-1934). Aus diesem Grund wollen sie am Hindenburgdamm in Lichterfelde eine Informationstafel anbringen lassen. Hindenburg sei ein Soldat und militärischer Befehlshaber gewesen, der „Zehntausende Soldaten für irrsinnige Schlachten opferte“, heißt es in der Begründung ihres Antrags in der Bezirksverordnetenversammlung. Er habe die sogenannte Dolchstoßlegende begründet und sei Türöffner des deutschen Faschismus gewesen. Der Antrag ist in der Sitzung der Bezirksverordneten ohne Diskussion in den Kulturausschuss überwiesen worden.

Bürger wollen eine Umbenennung des Hindenburgdamms

"Keine weiteren Ehrerbietungen für Antisemiten, Faschisten und Kriegsverbrecher in Steglitz-Zehlendorf" - das ist das erklärte Ziel der Linken. Mehrere Bürger hätten sich in den vergangenen Monaten an die Linksfraktion und den Bezirksverband der Partei mit der Bitte gewandt, eine Umbenennung oder Umwidmung des Hindenburgdamms in Steglitz anzuregen, sagt der Fraktionsvorsitzende Gerald Bader.

Nach längeren Diskussionen hätten sie sich dafür entschieden, Hindenburg nicht einfach aus dem Stadtbild „zu entlassen“, sondern stattdessen Hinweistafeln an den Straßenecken zur Schloßstraße und Drakestraße zu beantragen, die über das Leben und Wirken Hindenburgs berichten und seine Person in die Geschichte einordnen. "Aus Sicht der Linksfraktion ist eine kritische Einrahmung Hindenburgs seit Jahrzehnten überfällig", sagt Bader. Der beantragte Schritt könnte zudem dazu geeignet sein, eine Diskussion auch über andere höchst problematische Straßennamen im Bezirk anzuregen.“

Das erinnert an die Debatte über die Umbenennung der Treitschkestraße in Steglitz. Vor mehr als 100 Jahren wurde sie nach Heinrich von Treitschke (1834-1896) benannt. Der Historiker hat den Berliner Antisemitismus-Streit ausgelöst, unter anderen mit Äußerungen wie "Die Juden sind unser Unglück". Treitschke gilt als Wegbreiter des Nationalsozialismus. Jahrelang versuchten SPD und Grüne im Bezirk, den Namen aus dem Straßenbild zu tilgen. Sie scheiterten 2012 an der Zählgemeinschaft von CDU und FPD. Beide Fraktionen sahen keinen Anlass für eine Umbenennung. In einer anschließenden Befragung sprachen sich die Anwohner schließlich für die Beibehaltung des Namen aus. Damit war die Debatte beendet.

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