Autobahnbrücke

Abriss der Brücke am Breitenbachplatz rückt näher

Bezirkspolitiker aller Fraktionen haben sich für einen Abriss der Autobahnbrücke ausgesprochen. Jetzt muss der Senat entscheiden.

In einer Anwohnerversammlung haben sich Bezirkspolitiker aller Fraktionen für einen Abriss der Autobahnbrücke ausgesprochen

In einer Anwohnerversammlung haben sich Bezirkspolitiker aller Fraktionen für einen Abriss der Autobahnbrücke ausgesprochen

Foto: Katrin Lange

Berlin. Zuletzt hat der Haushaltwaren-Laden am Breitenbachplatz zugemacht. Die Banken waren da schon längst weg. Leerstand, Wildwuchs, Verkehrslärm - seit die Autobahnbrücke den Breitenbachplatz schneidet, ist nicht mehr viel übrig von dem einstigen grünen Gesamtkunstwerk, angelegt 1913 von einem Hofgartenmeister aus St. Petersburg.

Vor sieben Jahren ist eine Bürgerinitiative aktiv geworden, zunächst um den Platz wieder zu beleben, aber vor allem mit dem Fernziel, die Brücke abreißen zu lassen. Dieses Ziel ist jetzt ein Stück näher gerückt: In einer Anwohnerversammlung am Dienstagabend in der Gemeinde Christi an der Forststraße haben sich Bezirkspolitiker aller Fraktionen für einen Abriss ausgesprochen. Jetzt soll die Debatte auf Senatsebene mit Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) weitergeführt werden.

Der Zeitpunkt, die Brücke an der Schnittstelle von Dahlem, Steglitz und Wilmersdorf wieder in den Fokus der Verkehrsplaner zu rücken, ist günstig. Der Tunnel der Schlangenbader Straße, der auf die Brücke führt, muss saniert werden. Das wäre der Moment, den Abriss mit einzuplanen. Von einer neuen Chance „ohne Monstrum aus Beton“, spricht der Abgeordnete Florian Dörstelmann, Mitglied der SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf. Bezirkspolitiker von CDU, Grünen und FDP in Steglitz-Zehlendorf stimmen in der Anwohnerversammlung zu, nennen den Abriss „überfällig.“ Sabine Lehmann-Brauns, Bezirksverordnete der CDU plant gedanklich schon die Zeit nach dem Abriss: „Wenn die Autobahn gekappt ist, wird der alte Grundriss wiederhergestellt.“

Auch Ex-Bausenator Hans Stimmann war bei der Debatte dabei. Er hielt ebenfalls ein leidenschaftliches Plädoyer für den Abriss. „Natürlich muss das Autobahnteilstück von Hohenzollerndamm an abgeschafft werden“, sagt Stimmann. Alles andere mache keinen Sinn. Er sei froh, dass darüber parteiübergreifende Einigkeit herrsche. Der Breitenbachplatz sei einst ein renommierter Platz für die Gartenarchitektur gewesen, da müsse man bei der Wiederherstellung nichts neu erfinden.

Die Entscheidung fällt im Senat

Die Bezirksverordneten der Grünen in Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf haben bereits erfolgreich Anträge für einen Brückenabriss gestellt. Doch die Entscheidung fällt im Senat. Erst kürzlich erhielt die Bürgerinitiative einen Brief von Staatssekretär Stefan Tidow, in dem er sich dazu positioniert. Die Senatsverkehrsverwaltung folge der Auffassung, dass der Platz zwingend neu gestaltet werden müsse, heißt es darin. Einen kurzfristigen Rückbau werde es aber nicht geben. Dennoch: Tidow stellte in Aussicht, dass man aufgrund der Umleitungen während der Sanierung der Schlangenbader Straße Erkenntnisse gewinnen könnte, ob der Rückbau der Brücke machbar sei.

Am Dienstagabend gab es auch einige weniger kritische Stimmen. Immer wieder tauchte die Frage auf: Was wird mit dem Verkehr, wenn die Brücke weg ist? Verlagert der sich dann nicht in die Wohngebiete? Hier schaltete sich Hans Stimmann noch einmal ein: „Um das Problem mit dem lokalen Verkehr in den Griff zu bekommen, müssen einzelne Straßen abgehängt werden." Das sei ein bewährtes Konzept.

Die Überwindung der „autogerechten Stadt“ aus den 70er-Jahren haben sich mehrere Bürgerinitiativen, wie die Wilmersdorfer Mitte und die Initiativen vom Bundesplatz und Friedrich-Wilhelm-Platz, vorgenommen. Deshalb arbeite man jetzt zusammen, sagt Ulrich Rosenbaum, Sprecher der Breitenbachplatz-Bürgerinitiative. Allen gehe es in erster Linie darum, die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Pläne haben Rosenbaum und seine Mitstreiter einige: Schon heute treffen sich jeden Mittwoch um 15 Uhr die Boule-Spieler auf dem Platz. Doch künftig soll es dafür einen richtigen Bouleplatz geben. Spezialisierte Wochenmärkte, ein Brunnen, auf dem Spielplatz Geräte für Senioren – das alles könnte zur Belebung des Platzes beitragen. „Auf dem Platz muss es wieder mehr Aktionen geben“, sagt Ulrich Rosenbaum. So könnte er sich eine lange Tafel vorstellen, an der sich alle Gastronomen beteiligen. Doch wichtig sei es jetzt, „weitere Pflöcke in der Politik einzuschlagen“. Immerhin habe der Senat auch auf dem Alexanderplatz die alten Grundrisse wiederhergestellt. „Warum soll das nicht woanders gehen?“ Hans Stimmann will dabei helfen. Jetzt geht es um eine Lobby im Abgeordnetenhaus.

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