Etwa 6000 neue Bewohner wird es bald in Lichterfelde Süd geben – 2500 Wohnungen baut die Groth-Grupp auf dem ehemaligen US-Militärgelände „Parks Range“ an der Osdorfer Straße. Viele junge Familien mit Kindern werden in das neue Quartier ziehen, deshalb wird auch eine neue Grundschule gebaut. Es wird eine ganz besondere sein – keine „Flurschule“, sondern eine der ersten, die sich Team- und Lernhaus in Berlin nennen darf, nach einem neuen Schulkonzept der Senatsbildungsverwaltung. Darüber herrscht Einigkeit. Eine Debatte hingegen gibt es über den Standort der Schule. Im Moment soll sie direkt an der Trasse der Anhalter Bahn entstehen.
Kritik an dem Standort kommt vom Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf und von dem Aktionsbündnis Lichterfelde Süd. Beide Seiten sagen, dass der Lärm der Züge – tagsüber etwa 300 Fern-, Regional- und S-Bahnen, die mehr als 60 Dezibel erzeugen – mit einer Schule nicht zu vereinbaren ist. Sie fordern, den Standort noch einmal zu überdenken oder entsprechende Vorkehrungen zu treffen, wie eine Lärmschutzwand oder Grünanlagen. „Nachteilige Wirkungen von dauerhaft erhöhtem Lärm auf den Lernerfolg und das Sozialverhalten von Kindern sind erforscht und bekannt“, sagt Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis.
Der derzeitig geplante Standort ist das Ergebnis zahlreicher Workshops. 2012 hatte die Groth-Gruppe das fast 100 Hektar große Areal gekauft, 40 Hektar werden davon mit mehrgeschossigen Häusern sowie Einfamilienhäusern bebaut. Das neue Quartier wird über einen zentralen Stadtplatz zu erreichen sein. Für den Standort von Schule und Sportanlagen gab es verschiedene Bedingungen: Sie sollten zentral am Stadtplatz liegen und vom S-Bahnhof Lichterfelde Süd gut zu erreichen sein. Die Schule soll auch die Funktion eines Nachbarschaftszentrums haben und das Sportgelände offen für Vereine sein.
Ein neues Lärmgutachten wurde in Auftrag gegeben
Die Groth-Gruppe hatte die Pläne bereits überarbeitet und andere Lärmquellen, wie einen vorher geplanten Parkplatz an der Schule und eine Buswendeschleife zwischen Schule und Sportplatz, ausgeschlossen. „Es ist schon deutlich besser geworden“, sagt Ulrike Kipf, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses. Doch es bleibe die Bahn – die sei immer noch zu nah dran. Ein erstes Lärmgutachten habe ergeben, dass der Unterricht bei geöffneten Fenstern in Sommer nicht möglich sei. Jetzt wurde noch einmal ein neues Gutachten in Auftrag geben. „Damit wird es eine neue Bewertung geben“, sagt Kipf. Denn es müsse eine neue Abfrage bei der Bahn gestellt werden. Sie habe bereits Erkundung bei der Bahn eingeholt und bestätigt bekommen: alle zehn Minuten fährt die S-Bahn, fünf ICE-Linien verkehren im Zwei-Stunden-Takt. Dazu kommen drei Regionalbahnen.
Schul-Sportplatz mit Flutlicht kann nicht „mitten im Wohngebiet“ stehen
Dass die Schule an dem Standort an den Gleisen der Anhalter Bahn geplant ist, sei keine zufällige Entscheidung, betont Anette Mischler, Sprecherin der Groth-Gruppe. „Das ist das Resultat vieler Prüfungen anderer Standorte im Quartier.“ Bedingungen, wie die Anbindung an die Thermometersiedlung und die Belebung des Quartiers als Stadtteilzentrum, könnten dort am besten realisiert werden.
Außerdem sollten Schule und Sportplatz zusammenbleiben. „Wir können die Schule und den Sportplatz mit Flutlicht nicht mitten in ein Wohngebiet bauen“, sagt Mischler. Zudem sei es heute möglich, in lärmsensiblen Gegenden mit lärmrobustem Städtebau zu reagieren. Schließlich liege halb Berlin an der Bahn. Wichtig sei, dass in der zur Bahn gewandten Seite Funktionsräume lägen, die nicht dauerhaft genutzt würden, wie Sanitäranlagen, Lager oder Vorbereitungsräume.
Die Ergebnisse des neuen Lärmgutachtens stehen noch aus. Sie werden entscheidend für die Debatte sein.


