Erstes Konzept

Zehlendorfs historische Mitte soll neu gestaltet werden

Mehr Leben auf dem Dorfanger: Die Dorfaue in Zehlendorf-Mitte soll neu gestaltet werden. Das Bezirksamt stellt ein erstes Konzept vor.

Für den Kulturkiosk wird ein neuer Betreiber gesucht, fünf Bewerber sind in der engeren Auswahl

Für den Kulturkiosk wird ein neuer Betreiber gesucht, fünf Bewerber sind in der engeren Auswahl

Foto: Massimo Rodari

Ein Rosengarten, Schachfelder, ein Bouleplatz, Skattische, vielleicht auch ein Spielplatz – Ideen für die alte Dorfaue in Zehlendorf-Mitte haben die Anwohner viele. Es ist der richtige Moment, sie zu äußern. Noch können sie berücksichtigt werden. Das Bezirksamt hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Umgestaltung der historischen Mitte am Teltower Damm von der Dorfkirche bis zum S-Bahnhof Zehlendorf beschäftigt. Am Dienstagabend wurde ein erstes Konzept im Rathaus vorgestellt, „ein Zwischenstand“, so Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Das Interesse war groß, es gab viel Beifall, aber auch Debatten um Parkplätze, Fußgängerzonen und den Verkehr auf dem Teltower Damm.

Die Dorfaue ist heute ein unwirtlicher Ort. Der alte Löschteich ist längst versandet, der Verkehr rauscht vorbei – es gibt keinen Grund, sich längere Zeit auf der kleinen Grünanlage aufzuhalten. Das will das Stadtentwicklungsamt ändern. In dem Konzept gibt es verschiedene Schwerpunkte, darunter der historische Winkel an der Dorfkirche, der Kulturkiosk, das Rathausumfeld, der Postplatz, die Gegend rund um den S-Bahnhof und die Kreuzung Kirchstraße und Martin-Buber-Straße. Diese Orte sollen weiterentwickelt, umgebaut oder verschönert werden.

Dorfkirche wird 2018 saniert

An der Kreuzung Zehlendorf Eiche stehen bereits erste Veränderungen an: Die Dorfkirche feiert im nächsten Jahr ihr 250-jähriges Bestehen und wird aus diesem Anlass saniert. Die ersten Gerüste stehen bereits. Auf der anderen Ecke an der Berliner Straße befindet sich der Kulturkiosk, ein Baudenkmal aus dem Jahr 1955, der derzeit noch als modernes Antiquariat genutzt wird. Der Mietvertrag läuft zum Jahresende aus. Auf die Ausschreibung des Kioskbetriebes hätten zehn Interessenten ihre Konzepte eingereicht, heißt es aus dem Amt. Fünf davon seien in die engere Wahl gekommen, das Verfahren sei kurz vor dem Abschluss. Der neue Betreiber werde aber erst am 1. April 2018 den Kiosk übernehmen, sagte Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne). Bis dahin könnte der Bücherverkauf bleiben.

Die größte Debatte gab es um den Dorfanger – für die Gewerbetreibenden am Teltower Damm einfach nur ein „Pausenraum“, für die Anwohner ehemals eine „grüne Oase“. Heute ist das historische Zentrum einfach eine Wiese mit Hecken und ein paar Bäumen. Der Vorschlag des Bezirksamtes sieht mehr Transparenz vor. So sollen die Hecken vor dem Standesamt durch niedrig wachsende Pflanzen ersetzt werden mit dem Ziel: mehr Einsehbarkeit, weniger Müll. Dafür sollen kleinere Baumgruppen, wie Weiden, nachgepflanzt werden. Die Wiederherstellung des alten Löschteiches ist nicht vorgesehen.

Warum nicht die Straße vor dem Standesamt schließen?

In der Diskussion ist auch die Straße vor dem Standesamt, die immer zugeparkt ist, nur nicht von Anliegern, wie das Verkehrsschild fordert. Aus dem Publikum kam die Idee, die Straße gleich ganz zuzumachen, um damit vor dem Standesamt und dem Gemeindehaus mehr Platz zu gewinnen. In diesem Zusammenhang tauchte die Frage auf, ob man eine lebendige Mitte wolle oder einen „ollen Rasen“. Mehrere Anwohner äußerten daraufhin ihre Ideen, wie aus dem Dorfanger ein „Bürgerforum unter freiem Himmel“ werden könnte, mit Sitzplätzen, Café, Treffpunkten.

Auch die Gegend rund um das Rathaus und den S-Bahnhof soll aufgewertet werden. Unklar ist noch, wie es mit den Marktständen am S-Bahnaufgang weitergehen soll. Sie breiten sich immer mehr aus. Feste Stände würden den Durchgang aber noch mehr verengen, hat eine Prüfung ergeben.

Für die Sanierung des Rathauses sei eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, informierte die Bezirksbürgermeisterin. Mehr Platz vor dem Rathaus – das war ein weiterer Punkt. Wenn dort zehn Kurzzeitparkplätze wegfielen, könnte mehr Fläche für die Fußgänger geschaffen werden. Doch während einer der Gewerbetreibenden den Wegfall nur eines Parkplatzes als „Sargnagel für den Teltower Damm“ bezeichnete, bekam ein Anwohner Beifall, der angesichts von 1200 Parkplätzen in Zehlendorf-Mitte zehn Parkplätze weniger als „zu vernachlässigend“ ansah. Die Anwohner fordern seit Langem eine Parkraumbewirtschaftungszone rund um den Teltower Damm. In dem neuen Konzept wurde eine kleine Variante für die Parkraumbewirtschaftung rund um das Rathaus und die Clayallee vorgestellt und eine größere Variante.

Parkraumbewirtschaftung geprüft und verworfen

„Nach den aktuellen Kriterien reicht der Parkdruck aber nicht aus, um diese Zonen einzuführen“, sagt Stephan Tietz, Leiter der Unteren Straßenverkehrsbehörde. Anders sieht das Christian Küttner von der Bürgerinitiative „Zehlendorf-Mitte“. Er hält eine bewirtschaftete Parkzone für „absolut notwendig“, weil der Druck für die Anwohner immer größer werde und mittlerweile bis zur Potsdamer Straße reiche. „Es war ein Anfang, kein Aufbruch“, sagte Küttner am Ende über die Veranstaltung. Positiv fand er aber, dass das Konzept überhaupt zu diesem frühen Zeitpunkt öffentlich vorgestellt wurde.