Zehlendorf

Mexikoplatz: Ein Ort mit Geschichte

Vor 30 Jahren: Bezirksbürgermeister Jürgen Klemann eröffnete am 6. September den rekonstruierten Mexikoplatz.

Der ehemalige Zehlendorfer Bezirksbürgermeister Jürgen Klemann auf dem Mexikoplatz

Der ehemalige Zehlendorfer Bezirksbürgermeister Jürgen Klemann auf dem Mexikoplatz

Foto: David Heerde

Die besten Plätze sind am Morgen schnell besetzt. Von den Bänken im Halbschatten ist der gesamte Mexikoplatz zu übersehen. Die Springbrunnen jagen unablässig ihre Fontänen gen Himmel. Sie werden von kegelförmig beschnittenen Buchsbäumen und Blumenrabatten eingerahmt, historische Straßenlaternen und das Bahnhofsgebäude im Jugendstil bilden den Hintergrund. Der Mexikoplatz ist einer der schönsten Plätze in Berlin. Dass er heute wieder so aussieht wie vor einhundert Jahren, ist engagierten Anwohnern, Architekten und nicht zuletzt Jürgen Klemann zu verdanken. Der ehemalige Zehlendorfer CDU-Bezirksbürgermeister hat dafür gesorgt, dass der Platz vor dem Bahnhof seine historische Gestalt zurückerhielt. Das ist jetzt genau 30 Jahre her. Am 6. September 1987 hatte Klemann den Mexikoplatz mit einem Fest wiedereröffnet.

Heute sieht der Platz genauso aus wie auf Postkarten aus dem Jahr 1912. Mit einem Unterschied: Die Buchsbäume waren noch kleine Kugeln, die anderen Bäume auch noch nicht als Schattenspender zu gebrauchen. 1904 wurde der Bahnhof Zehlendorf-Beerenstraße an der Wannseebahn eröffnet und sieben Jahre später in Zehlendorf-West umbenannt. Ab 1959 hieß die Station "Lindenthaler Allee" um Verwechslungen mit dem S-Bahnhof Zehlendorf zu vermeiden. Kurz vor der Wiedereröffnung des Mexikoplatzes ließ der Bezirksbürgermeister die Anwohner darüber abstimmen, wie der Bahnhof künftig heißen soll: Beerenstraße, Zehlendorf-West, Lindenthaler Allee oder nach dem neuen Mexikoplatz. Die Mehrheit sprach sich für Mexikoplatz aus.

Von den Fontänen gab es nur noch die Fundamente

Das war auch eine Wertschätzung des Bahnhofsvorplatzes. Der hatte lange keinen Namen. Erst seit 1959 heißt er Mexikoplatz. Zu dieser Zeit hatte er längst seinen Prunk und Schmuck durch den Krieg verloren. Die Gebäude am Platz waren nur zwei Etagen hoch und mit Flachdächern gedeckt, von den Wasserspielen gab es noch die Fundamente. Rundbögen, Türmchen und die alten Laternen – alles fehlte.

Jürgen Klemann ist im benachbarten Schlachtensee aufgewachsen und stieg schon als Schüler jeden Tag am Mexikoplatz in die S-Bahn, um zum Zehlendorfer Schadow-Gymnasium zu fahren. "Es war einfach nur ein funktionaler Platz", sagt Klemann, heute 72 Jahre alt und noch als Anwalt tätig. Als er 1981 Bezirksbürgermeister von Zehlendorf wurde, hatte er es in der Hand. "Ich war angetreten, um die charakteristischen Ortsbilder zu erhalten und zu stärken", so Klemann, der ab 1991 Senator war, zunächst für Schule, ab 1996 für Bau. Klemann gründete einen "Beirat für die Stadtbildpflege", dem auch Jobst Siedler und Julius Posener angehörten.

Drei Jahre – von 1984 bis 1987 – dauerten Planung und Umbau des Mexikoplatzes. Zahlreiche Details galt es zu beachten. Zunächst mussten die Bauten an den Platzrändern wieder aufgestockt und wie einst mit Türmchen und Erkern versehen werden. In den Erdgeschossen prägen auf historischen Ansichten Rundbögen das Straßenbild. Auch diese wurden eingebaut. Über die Springbrunnenfundamente war schon Gras gewachsen, darauf entstanden beide Wasserspiele neu. Die Laternen entsprechen heute den historischen Vorbildern von vor 100 Jahren – wie auch die Litfaßsäule und der alte Feuermelder.

Der blaue Briefkasten ist ein Einzelstück der Post

Ein besondere Herausforderung war es, den alten Postbriefkasten zu beschaffen. Zur Zeit des Bahnhofsbaus waren die Kästen blau. Die Post hat schließlich in ihrer Lehrlingswerkstatt ein blaues Einzelstück herstellen lassen und dem Bezirk geschenkt. Dass das Unikat auch noch geleert werden darf – dafür musste das Bundespostministerium seine Genehmigung geben.

Um dem Platz mehr Raum zu geben, ließ Klemann die Fahrbahnen auf der Argentinischen Allee von 18 auf zwölf Meter verringern. Überflüssige Verkehrszeichen wurden abgebaut, die orangenen Abfallbehälter gegen graue ausgetauscht. Knapp drei Millionen D-Mark ließ sich der Bezirk die Wiederherstellung des Mexikoplatzes kosten.

Die Eröffnung des Platzes am 6. September 1987 war der Auftakt zu einer Zehlendorfer Festwoche anlässlich der 750-Jahr-Feier von Berlin. In seiner mit Schreibmaschine getippten Rede, die Klemann aufgehoben hat, legte er den Anwohnern nahe, die Anlage zu schützen und zu pflegen. Das machen sie, unterstützt von den Bezirksverordneten. So sind gerade Mülleimer in Orange am Platz aufgetaucht. Diese "denkmalschutzwidrigen" Mülleimer sollen jetzt wieder entfernt werden "zu Gunsten der alten oder im alten Stil gestalteten Objekte ohne Aufschrift", heißt es in dem Antrag, den die Bezirksverordneten beschlossen haben.

Auch die Verlängerung der U-Bahn-Linie 3 von der Krummen Lanke zum Mexikoplatz ist immer wieder Thema. Die Hälfte der Strecke ist bereits gebaut. "Das ist ein alter Traum", sagt Jürgen Klemann. Es wäre schön, wenn man am Mexikoplatz von der U-Bahn in die S-Bahn umsteigen könnte. Von der Bank im Halbschatten blickt er über den Platz und sagt: "Aber ansonsten kann ich hochzufrieden sein."

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