Steglitz Zehlendorf

Initiative kämpft für einen Ortsteil Schlachtensee

Eine Initiative will, dass Schlachtensee ein eigener Ortsteil wird – der achte von Steglitz-Zehlendorf. Die CDU im Bezirk ist dagegen.

Dirk Jordan (l.) und Joachim Elsholz bezeichnen sich beide als Schlachtenseer

Dirk Jordan (l.) und Joachim Elsholz bezeichnen sich beide als Schlachtenseer

Foto: Amin Akhtar

Ein Riss geht durch den Schlachtensee. Eine unsichtbare Trennlinie teilt den See in zwei Hälften. Die eine gehört zum Ortsteil Nikolassee, die andere zum Ortsteil Zehlendorf. So bedeutend das Gewässer auch für den Südwesten ist – Namensgeber für einen eigenen Ortsteil ist es nicht. Warum eigentlich nicht? Diese Frage treibt Dirk Jordan und Joachim Elsholz um. Beide sind Schlachtenseer, obwohl es die eigentlich auch nicht gibt, sondern nur Zehlendorfer und Nikolasseer. Sie haben die Initiative Ortsteil Schlachtensee gegründet, damit der Schlachtensee und damit die Landhauskolonie rund um die Johanneskirche an der Matterhornstraße ein eigener Ortsteil werden. Orientieren soll er sich künftig an den Grenzen der Evangelischen Kirchengemeinde Schlachtensee.

Es wäre der achte Ortsteil von Steglitz-Zehlendorf und nicht der erste, der neu auf den Berliner Stadtplan dazukäme. Erst 2012 haben die Bezirksverordneten in Reinickendorf beschlossen, Borsigwalde zu einem Ortsteil zu erklären. Etliche Neugründungen gab es auch im Bezirk Lichtenberg. "Wir sehen uns als Schlachtenseer und wollen auch, dass das unsere Heimatadresse ist", sagt Joachim Elsholz.

Der Anstoß für die Idee liegt fünf Jahre zurück. 2012 feierte die Johanneskirche Schlachtensee ihr 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum hatte Dirk Jordan angeregt, Stolpersteine zu verlegen. "Es gab Menschen, die zur Gemeinde gehörten, aber Juden waren und verfolgt wurden", sagt der ehemalige Lehrer und Bezirksstadtrat. Also hat er einen Rundgang erarbeitet, der an den Adressen der ehemaligen Bewohner vorbeiführt. Als er ein Buch mit dem Titel "Stolpersteinrundgang durch Schlachtensee" herausgeben wollte, wurde ihm der Name verwehrt. Das ginge nicht, hieß es, es müsse Stolpersteinrundgang Zehlendorf heißen. Das wiederum fand der Hobby-Historiker unpassend, schließlich lagen alle Stolpersteine auf dem Gebiet der Kirchengemeinde Schlachtensee.

Seitdem hat ihn der Wunsch nach einem eigenen Ortsteil nicht mehr losgelassen. Vor einem halben Jahr haben sich ein paar Aktive als Gruppe zusammengefunden, die mittlerweile auch Unterstützer unter den Bezirksverordneten gefunden haben. So hat die SPD-Fraktion als Erste das Anliegen aufgegriffen und das Bezirksamt in einem Antrag aufgefordert "Schlachtensee als Ortsteil von Steglitz-Zehlendorf auszuweisen". SPD-Fraktionschef Volker Semler befürwortet die Idee, er spricht von einer "identitätsstiftenden Wirkung". Eine "stärkere Besinnung auf die Kieze" nach der Zusammenlegung der Bezirke sieht Norbert Buchta vom SPD-Ortsverein Seenplatte, zu dem der Schlachten- und auch der Wannsee gehören. Die Postadresse Berlin-Schlachtensee sei immer ein Begriff gewesen, der auf die Villenkolonie zurückführt. Durch die neue Ortsteil-Bezeichnung entstünden keine Verpflichtungen, so Buchta. Für die Bewohner sei es aber eine emotionale Aufwertung des Kiezes.

Die Bezirksverordneten der Grünen und der FDP stehen dem Anliegen mittlerweile auch aufgeschlossen gegenüber. Anders die CDU-Fraktion. Für deren Chef Torsten Hippe ist der Vorstoß einfach "überflüssig". "Für Gefühlspolitik sind wir nicht zu haben", sagt er. Auch Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) sieht keinen "Mehrwert" in der Ortsteil-Benennung. "Es hat nie ein Dorf, nie ein Rittergut mit dem Namen Schlachtensee gegeben", sagt sie. Nur der See heiße so. Und auf Karten von Steglitz-Zehlendorf, wie in der neuen Bezirksbroschüre, sei Schlachtensee bereits als Name auf dem Kiez abgedruckt.

Erste Landhaus-Villen entstanden im Jahr 1895

Bei einem Rundgang durch die "Ortslage Schlachtensee" – so wie es heute genannt wird – zeigen Dirk Jordan und Joachim Elsholz die ersten Villen der Landhauskolonie von 1895 an Straßen mit Kopfsteinpflaster, sie zeigen die neu verlegten Stolpersteine, das ehemalige Gewerbegebiet, auf dem ein neues Quartier zum Wohnen und Einkaufen entstanden ist. Angekommen an der Breisgauer Straße stellt sich Dirk Jordan mitten auf die Fahrbahn mit Blick Richtung S-Bahnhof und das Schild "Schlachtensee". "Sehen Sie", sagt Jordan, "diese Straße trennt Schlachtensee in den Ortsteil Nikolassee auf der einen und Zehlendorf auf der anderen Seite." Und alle würden sich als Schlachtenseer bezeichnen, das sei sozusagen die begreifbare kleine Heimat. Steglitz-Zehlendorf hingegen werde nur als Verwaltungseinheit wahrgenommen.

Markus Blankenburg, der an der Altvaterstraße ein Buchgeschäft hat, unterstützt die Initiative. "Schlachtensee spielt eine größere Rolle als Nikolassee", sagt Blankenburg. In das neue Einkaufszentrum an der Breisgauer Straße würde viele kommen, auch aus Wannsee, Nikolassee und Kleinmachnow. Schlachtensee habe sich mit dem neuen Quartier und dem Zuzug von einem Dorf "zu einer Kleinstadt entwickelt". Und dieser Entwicklung sollte mit der neuen Ortsteilbezeichnung Rechnung getragen werden.

Die Bezirksverordneten werden jetzt in den Ausschüssen über den Antrag diskutieren und ihn noch vor dem Sommer zur Abstimmung bringen. "Vielleicht schaffen wir es bis zum Herbst, echte Schlachtenseer zu sein", sagt Dirk Jordan.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.