Es ist vollbracht: Der Steglitzer Kreisel wird verkauft. Nach einem Beschluss des Senats geht das legendäre landeseigene Bürohochhaus an die Steglitzer Kreisel GbR, die vollständig der Immobiliengesellschaft CG-Gruppe gehört. Allerdings muss das Abgeordnetenhaus dem Deal noch zustimmen, erst dann wird er wirksam.

Die CG-Gruppe ist bereits Eigentümerin des Sockelgeschosses. Zur Vermarktung des Landesanteils am Steglitzer Kreisel hatte die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) von September 2014 bis Januar 2015 ein europaweites Bieterverfahren durchgeführt. Von den insgesamt 14 Kaufinteressenten habe die Steglitzer Kreisel GbR das wirtschaftlich beste Angebot abgegeben, erklärte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) am Dienstag.

Das Unternehmen plant, wie berichtet, als Gesamteigentümer die Umwandlung des Turms in eine Wohnimmobilie mit einer Wohnfläche von mindestens 22.000 Quadratmetern. Wo einst die Steglitzer Bezirksverwaltung ihren Sitz hatte, sollen insgesamt 220 Wohnungen entstehen.

Asbestbelastung verhinderte lange den Verkauf

Jahrelang wurde darüber spekuliert, dass es für das Land Berlin sehr kostspielig werden könnte, das Hochhaus loszuwerden. Grund ist die hohe Asbestbelastung. Sie erwies sich auch mehrfach als Verkaufshemmnis. Dann entschied der Senat, die Asbestsanierung unter eigener Regie durchzuführen. Darum kümmert sich die BIM, die das Gebäude auch verwaltet. Die Kosten für diese Sanierung bezifferte Kollatz-Ahnen auf 18,5 Millionen Euro. Ursprünglich waren hierfür bis zu 32 Millionen Euro veranschlagt worden, zuletzt noch 20 Millionen Euro. Sie soll spätestens bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Nun oblag der Immobilienmanagement GmbH auch der Verkauf. „Der BIM ist es gelungen, einen guten Kaufpreis zu erzielen“, lobte der Finanzsenator und nannte einen Betrag „von leicht über 20 Millionen Euro“. Das Land Berlin erziele einen Nettoerlös von mehr als einer Million Euro. „Befürchtungen, dass das Land letztlich bei einem negativen Kaufpreis landen werde, haben sich nicht bestätigt“, verkündete Kollatz-Ahnen. Wenn die Abgeordneten dem Verkauf zustimmen, lasse sich nicht nur ein langwieriges Verfahren erfolgreich abschließen. Dann sei auch „für eines der wichtigsten Einzelgebäude Berlins endlich wieder eine Perspektive gefunden“, sagte der Senator. Das biete eine gute Entwicklungschance für das Steglitzer Zentrum. Immerhin steht der Kreisel seit fast zehn Jahren leer.

Dass der Verkaufspreis über den Erwartungen lag, führt Kollatz-Ahnen vor allem darauf zurück, dass das Land Berlin die Asbestsanierung des 34 Stockwerke hohen Gebäudes selbst übernommen und diese Belastung nicht potenziellen Käufern überlassen hat. Dieses Vorgehen solle nun auch bei anderen schadstoffbelasteten Gebäuden angewandt werden. Als Beispiel nannte er das Internationale Congress Centrum (ICC) in Charlottenburg. Kollatz-Ahnen verteidigte auch das Bieterverfahren. Bei einer Ausschreibung ließen sich in der Regel bessere Gebote erzielen. Er räumte ein, dass es zwischenzeitig höhere Gebote gegeben habe als das der CG-Gruppe. Dieses sei aber das wirtschaftlich beste gewesen. Der Senat habe hohe Sicherheitenstellungen verlangt sowie die Vorlage eines schlüssigen Finanzierungskonzepts.

Baugenehmigung muss schnell beantragt werden

Es sei vertraglich fixiert worden, das Gebäude zu Wohnungen umzubauen, erläuterte der Finanzsenator. Allerdings sei dafür noch eine Baugenehmigung notwendig, die der Bezirk Steglitz-Zehlendorf ausstellen müsse. Der Vertrag enthalte zudem Regelungen zu Zeitabläufen. So habe sich die CG-Gruppe verpflichtet, wenige Monate nach Wirksamkeit des Vertrages die Baugenehmigung zu beantragen. Liegt sie vor, dürften ebenfalls nur wenige Monate bis zum tatsächlichen Baubeginn verstreichen. „Das Gebäude wird nicht mehr jahrelang leerstehen“, versprach der SPD-Politiker. Die CG-Gruppe gibt auf ihrer Webseite eine Bauausführung von März 2017 bis Dezember 2018 an.

180 Millionen Euro will das Immobilienunternehmen in den Umbau des Hochhauses investieren. Einer Hoffnung musste Kollatz-Ahnen allerdings eine Absage erteilen: Im Kreisel wird es keine preiswerten Mietwohnungen für sieben oder acht Euro pro Quadratmeter geben.

Der Steglitzer Kreisel gehört zwar zu den Wahrzeichen des Südwestbezirks, um ihn rankt sich aber auch einer der größten Bauskandale in West-Berlin. 1968 begannen die Bauarbeiten, 1974 wurden sie zunächst eingestellt, 1980 konnte der Kreisel dann tatsächlich eröffnet werden. Dazwischen lagen ein Brand, eine Firmenpleite und Politikerrücktritte. 27 Jahre lang hatte dann die Bezirksverwaltung ihren Sitz in dem Hochhaus, 2007 musste sie ausziehen, weil die Asbestbelastung und damit die mögliche Gesundheitsgefährdung einfach zu hoch geworden war.