Steglitz-Zehlendorf ist der erste Berliner Bezirk, der jetzt entschieden hat, keine öffentlichen Flächen mehr an Wanderzirkusse zu vermieten, die Wildtiere halten und auftreten lassen. Nach Auskunft des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gilt das Verbot für Wildtiere in Zirkussen ab 2017, da es in diesem Jahr noch Mietverträge gibt, die eingehalten werden müssen.

Anlass, einen entsprechenden Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung einzubringen, war der Gastauftritt eines Zirkus’ im Sommer des vergangenen Jahres an der Zehlendorfer Onkel-Tom-Straße Ecke Sven-Hedin-Straße. „Die vom Zirkus mitgeführten Elefanten wurden nicht entsprechend der Haltungsrichtlinien gehalten. Und es zeigte sich wieder einmal, dass die halbwegs artgerechte Haltung von Wildtieren in Zirkussen auch gar nicht zu gewährleisten ist“, sagte Holger Friedrich, der ehrenamtlich in der BUND-Bezirksgruppe Südwest arbeitet.

BUND hofft, dass das Verbot in ganz Berlin umgesetzt wird

Die Elefanten seien zudem unzureichend eingezäunt gewesen, ohne Sicherheitszone zu den Besuchern. Hinzu kämen die ständigen Transporte zu den Veranstaltungsorten, die für die sensiblen Tiere untragbar seien. Der BUND habe sich daraufhin mit dem Anliegen an die SPD-Fraktion gewandt. Erfreulich sei, dass der von der SPD eingebrachte Antrag von allen politischen Fraktionen und den Ämtern in vollem Umfang mitgetragen worden sei.

Durch das Wildtierverbot in Zirkussen auf öffentlichen Flächen in Steglitz-Zehlendorf erhofft sich der BUND jetzt eine berlinweite Signalwirkung. „Ein Schritt, der aus unserer Sicht schon lange überfällig ist. Bundesweit verwehren mittlerweile zahlreiche Städte und Gemeinden Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren. Und das soll und muss auch in Berlin möglich sein“, fordert Friedrich.

Dressur der Tiere "nicht tolerierbar"

Bereits 2010 hat die Bundestierärztekammer laut Information des BUND ein Wildtierverbot in reisenden Zirkussen gefordert. „Letztlich ist auch die meist durch Zwang geprägte Dressur der Tiere nicht tolerierbar“, sagt Friedrich.

Der BUND sieht die Zurschaustellung von Tieren in Zirkussen wie viele Tierschützer auch grundsätzlich als problematisch an. „Aber speziell der Bereich der Wildtierhaltung lässt sich aus unserer Sicht in keinster Weise mit den Lebensbedürfnissen der Tiere vereinbaren und entspricht auch nicht mehr den heutigen Anforderungen der Bürger an einen zeitgemäßen Zirkus“, sagt Friedrich.

Erfreulicherweise sei der in Zehlendorf im vergangenen Jahr gastierende Wanderzirkus seinen Beobachtungen nach entsprechend schlecht besucht worden. Der BUND werde jetzt auch in anderen Bezirken für ein Verbot werben.