Kommentar

Für den Bierpinsel fehlt die überzeugende Idee

Der Bierpinsel steht seit Jahren leer, ein Ende ist nicht abzusehen. Dass der Bezirk jetzt die Eigentümer zum Handeln drängt, ist zwar nur ein Versuch, aber ein lobenswerter, meint Brigitte Schmiemann.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Der Bierpinsel, einst knallrotes Wahrzeichen der Steglitzer Schloßstraße, bleibt weiter geschlossen. Das ist ärgerlich, aber wohl nicht zu ändern, da es sich um privates Eigentum handelt. Seit Jahren führen die Eigentümer einen Regulierungsstreit wegen eines Wasserschadens mit der Versicherung dafür als Grund an.

In den Turm, der mit dem Bau des U-Bahnhofs geplant wurde und im Oktober 1976 eröffnete, soll wieder Gastronomie einziehen. Aufbruchstimmung sieht jedoch anders aus. Das Bauwerk dümpelt schon Jahre vor sich hin. Die jetzige Eigentümerin erwarb es 2006.

Während sich das Gebäude schon immer in privater Hand befand, ist der Grund und Boden, auf dem der Pfahl steht, öffentliches Eigentum. Dieser Erbbaupachtvertrag veranlasst den Bezirk jetzt, darauf zu drängen, dass endlich etwas passiert. Ob das gelingt, ist fraglich. Der Versuch aber ist lobenswert.

Die Möglichkeiten, Immobilieneigentümer zu zwingen, ihr Haus nicht verkommen zu lassen, sind gering, solange niemand gefährdet ist. Nach einer Lösung für den Steglitzer Kreisel wird schließlich auch noch gesucht. Optische Gründe, dass der morbide Bierpinsel der Einkaufsstraße wenig zuträglich ist, zählen da nicht. Selbst der Denkmalschutz kann nicht ins Feld geführt werden. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz.

So hat sich die Sorge der Architekten – des inzwischen verstorbenen Ralf Schüler und seiner Frau Ursulina Schüler-Witte, von denen auch das ICC stammt –, das Bauwerk werde durch bunte Bilder an der Fassade verschandelt, bewahrheitet. Aus einer temporären Aktion ist längst ein Dauerzustand geworden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Eigentümerin doch noch eine wirtschaftlich tragfähige Lösung findet und Geld für eine Investition hat.