Serkan Bingöl ist von Beruf Studienrat für Mathematik, Geschichte und Politik. Die Vereinsarbeit macht er ehrenamtlich nach der Schule. Als Vorstandsvorsitzender von Aktion für Flüchtlingshilfe e.V. aus Charlottenburg hat er einen Verein mitaufgebaut, der Geflüchteten nicht nur eine Anlaufstelle, sondern eine echte Zukunftsperspektive bieten soll. „Wir wollen sichtbar machen, dass Menschen, die neu nach Deutschland kommen, auch in kurzer Zeit wichtige Akteure für unsere Gesellschaft werden“, sagt er.

Ein Verein, der zeigt, was in der Integrationsarbeit möglich ist

Aktion für Flüchtlingshilfe e.V. betreibt ein Sprachcafé, in dem auch politische Themen besprochen werden. Geflüchteten soll so die deutsche Demokratie nähergebracht und Wege zur Beteiligung erklärt werden, auch ohne deutschen Pass. „Menschen, die geflüchtet sind, sind manchmal auch politisch traumatisiert“, sagt Bingöl. „Aber sie müssen diese Scheu gegenüber der Politik wieder abbauen.“

Außerdem organisiert der Verein Karriereseminare. Hier kommen Menschen auf die Bühne, die selbst als Geflüchtete nach Deutschland kamen und es geschafft haben, ihren Beruf anerkennen zu lassen oder eine neue Ausbildung abzuschließen. „Wenn er es geschafft hat, dann schaffe ich es auch“, beschreibt Bingöl die Wirkung auf die Zuhörer.

„Der Verein wächst stetig“, freut sich Bingöl. In Charlottenburg sollen in den nächsten Wochen Leseabende und auch Nähkurse speziell für Frauen angeboten werden. Zwei Studentinnen unterstützen dabei, Stipendienprogramme in Deutschland, der EU und den USA für junge Geflüchtete zugänglich zu machen.

Fastenbrechen: Großes Iftar Fest auf dem Marktplatz Spandau
Etwa zweihundert Menschen nehmen teil am Großen Iftar Fest zum Fastenbrechen auf dem Marktplatz in Berlin-Spandau.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

„Essen hat was Verbindendes und man kann Vorurteile abbauen“

Letzte Woche zeigte der Verein auf dem Spandauer Marktplatz, was gemeinschaftliches Engagement bewirken kann. Kurz vor halb sechs ist Sonnenuntergang. Für viele Muslime die Zeit, das Fasten zu brechen.

Fastenbrechen: Großes Iftar Fest auf dem Marktplatz Spandau
Stadtrat Gregor Kempert (4.v.r, SPD) ist zu Gast beim Großen Iftar-Fest zum Fastenbrechen auf dem Marktplatz in Berlin-Spandau.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Aktion für Flüchtlingshilfe e.V. lud am 11. März gemeinsam mit Forum Dialog, time to help und dem Spandauer Kultur- und Bildungshaus zum Iftar ein, einem großen gemeinsamen Essen für alle. Passanten blieben stehen, manche waren nur auf dem Heimweg und fanden sich plötzlich mitten in einem Fest wieder. Mit 200 Gästen hatte Bingöl gerechnet. Gekommen waren fast doppelt so viele.

Das Fastenbrechen beginnt traditionell mit einer Dattel und einem Schluck Wasser. Dazu gibt es ein Reisgericht aus einer großen Pfanne und eine kleine Süßspeise zum Abschluss. Für Bingöl geht es um mehr als gemeinsames Essen: Ramadan trainiere Empathie, wer fastet, bekomme ein Gespür für Menschen, die täglich mit weniger auskommen. Am Ende des Monats zahlen Muslime traditionell Almosen. „Durch diese Sensibilisierung hat man auch die Motivation, mehr zu geben.“ Besonders treibt ihn die soziale Seite an. „Essen hat so eine positive Wirkung“, sagt Bingöl. „Es hat etwas Verbindendes, und man kann auch Vorurteile abbauen.“