NS-Gedenken

Stolpersteine für NS-verfolgte Zeugen Jehovas in Staaken

Die neu verlegten Stolpersteine für Otto und Jasmine Muhs am Seeburger Weg.

Die neu verlegten Stolpersteine für Otto und Jasmine Muhs am Seeburger Weg.

Foto: Dennis Meischen / BM

Vor ihrem ehemaligen Haus wurden Stolpersteine für Otto und Jasmine Muhs verlegt. Sie versteckten Wehrdienst-Verweigerer.

Berlin.  Vor ihrem ehemaligen Haus am Seeburger Weg 16 in Staaken wurden nun durch Auszubildende des SOS-Kinderdorfs in Gatow Stolpersteine für die NS-Verfolgten Otto und Jasmine Muhs verlegt. Seit 1932 betrieb das Ehepaar Muhs – beide Anhänger der christlichen Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas – eine Gärtnerei auf dem Grundstück, auf dem sie auch wohnten. Dort versteckten sie später junge Männer, die den Wehrdienst verweigerten. Das Haus diente allerdings auch als Treffpunkt Gläubiger, hier wurden Schriften der religiösen Vereinigung hergestellt und verbreitet.

Die Zeugen Jehovas wurden als sogenannte „Bibelforscher“ während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland (1933-1945) aufgrund ihrer konsequenten Weigerung, Kriegsdienst zu leisten, den Hitlergruß zu entbieten oder in anderer Weise am Führerkult teilzunehmen, verfolgt. Sie wurden in Konzentrationslagern eingesperrt, kamen dort teilweise ums Leben oder wurden gezielt hingerichtet. Das Ehepaar Muhs etwa stand in engem Kontakt mit ihrer Glaubensschwester Emmy Zehden aus Gatow, die 1944 für ihren Widerstand gegen das Hitler-Regime im Strafgefängnis Plötzensee enthauptet wurde.

Das Ehepaar Muhs überlebte den Nazi-Terror

Im Dezember 1942 wurden auch Otto und Jasmine Muhs aufgrund ihrer illegalen Tätigkeit für die Zeugen Jehovas von der Gestapo verhaftet. Otto Muhs gelang während der Untersuchungshaft die Flucht. Er lebte anschließend über zwei Jahre bis zum Kriegsende versteckt bei Freunden. Seine Frau Jasmine hingegen wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ verurteilt und in verschiedenen Zuchthäusern inhaftiert. Beide überlebten die Nazi-Zeit.

Die Stolpersteinverlegung für das Ehepaar Muhs fand im Rahmen eines deutsch-griechischen Jugendaustausches der Spandauer Jugendfreizeiteinrichtungen Wildwuchs und Aalemannufer statt.

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