Nahverkehr

Konzept für Spandau: So soll der Busverkehr ausgebaut werden

Durch Bauprojekte wächst vor allem der Norden Spandaus. Busse sollen daher öfter fahren. Schienenverkehr soll es nicht vor 2029 geben.

Die S-Bahnstation Spandau (Archivbild).

Die S-Bahnstation Spandau (Archivbild).

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin.  In Spandau wird an zahlreichen Orten gebaut, bis Mitte der 2020er-Jahre entstehen Tausende Wohnungen für noch mehr Menschen – doch der neue Schienenverkehr soll nicht vor 2029 in Betrieb gehen. Erst dann wird mit der Reaktivierung der Siemensbahn gerechnet, auch die erste Straßenbahn könnte 2029 fahren. Bleiben also einige Jahre, die es zu überbrücken gilt. Für diese Zeitspanne wird auf eine Stärkung des Verkehrsmittels gesetzt, das den öffentlichen Nahverkehr in Spandau heute schon bestimmt: Busse.

Im Blickpunkt steht vor allem der Nordosten Spandaus mit der Wasserstadt, wo aktuell die „Waterkant“ mit rund 2500 Wohnungen entsteht , sowie der Insel Gartenfeld, auf der mehr als 3500 Wohnungen geplant werden. Hinzukommen in der Umgebung weitere Bauprojekte mit mehreren Hundert Wohnungen, und auch die Siemensstadt 2.0 liegt nur wenige Kilometer entfernt.

In Abstimmung mit der Senatsverkehrsverwaltung sei deshalb von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ein Buskonzept zur Erschließung erarbeitet worden, heißt es nun auf eine Anfrage der Abgeordneten Bettina Domer (SPD). Und weiter: „Diese Planung sieht eine deutliche Ausdehnung der Fahrtenangebote bis Mitte der 2020er-Jahre vor.“

Neue Expressbuslinie zwischen der Wasserstadt und der Ringbahn

Erste Verstärkungen des Busverkehrs werden bereits zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember umgesetzt, wenn etwa die neue Metrobuslinie M36 zwischen der Wilhelmstadt und dem U-Bahnhof Haselhorst startet. Im kommenden Jahr sollen weitere Verbesserungen folgen: Dann ist laut BVG die Einführung der Expressbuslinie X37 zwischen Spandau und Falkensee geplant, außerdem sollen die Takte auf Abschnitten der Linien 123, 130 und M49 verdichtet werden – wobei keine dieser Änderungen die Wasserstadt direkt betrifft.

Für dieses Gebiet sind bis 2024 weitere Verbesserungen vorgesehen. Die BVG schränkt jedoch ein, dass die Planungen nur umsetzbar seien, „wenn die Straßenraumaufteilung für den ÖPNV optimiert wird“. Genannt werden Taktverdichtungen auf den Linien 136 und 139. Zudem sehe das Buskonzept zwischen Rathaus Spandau und Werderstraße eine zusätzliche Buslinie vor, erklärt Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese in seiner Antwort. Und zwischen der Wasserstadt und der Ringbahn werde bei Umsetzung der geplanten Bebauungen eine neue Expressbuslinie mitgedacht.

Aber auch der Staatssekretär betont: Die notwendigen dichteren Fahrtangebote setzen „Anpassungen der Verkehrsinfrastruktur voraus“ und benötigen entsprechende zeitliche Vorläufe. Denn in der Hauptverkehrszeit stoße der Busverkehr mit der bestehenden Infrastruktur auf den Hauptachsen bereits an seine Grenzen. Volle Straßen führen bei den Bussen regelmäßig zu Verspätungen. Ein Mittel dagegen: Busspuren.

BVG nennt Spandauer Straßen für mögliche Busspuren

Die BVG nennt deshalb diverse Strecken, wo eine „Entlastung des Busverkehrs“, wie sie eben durch Busspuren möglich ist, sinnvoll erscheint. Darunter sind allerdings Straßen, bei denen diese eine Herausforderung wären. So tauchen die Gatower Straße, aus Kladow kommend, und die Wilhelmstraße aus Richtung Potsdam auf – wobei es auf den Strecken pro Fahrtrichtung derzeit nur eine Spur gibt, ein zusätzlicher Fahrstreifen also erst noch gebaut werden müsste. Weitere Vorschläge beinhalten die Gartenfelder Straße, die Schönwalder Straße, die Falkenseer Chaussee, den Falkenseer Damm und die Heerstraße.

Für letztere Straße hatte die BVG schon Anfang des Jahres eine Busspur gefordert. Ein erforderlicher Antrag wurde jedoch zunächst nicht gestellt, weil die Verkehrslenkungsbehörde eine Umsetzung kaum für möglich gehalten hatte, hieß es im Mai . Als Schwierigkeit kommt an der Heerstraße hinzu: Dort führt auch die Vorzugsstrecke für einen Radschnellweg entlang. Eine Machbarkeitsstudie empfiehlt in dem Zusammenhang, zwischen Pichelsdorfer Straße und der Ostseite der Havelbrücken einen Fahrstreifen in den Radweg umzuwandeln; der Platz für den Kfz-Verkehr würde sich also bereits reduzieren.

Als größte Herausforderung nennt die BVG aber etwas anderes: im Zuge der steigenden Fahrgastnachfrage „in der Neuendorfer Straße eine ÖPNV-freundliche Lösung für den Omnibusverkehr zu finden“. Auch dort gibt es pro Richtung nur einen Fahrstreifen.

Planungen für Straßenbahnen haben noch nicht begonnen

Während für die Busse die grundlegenden Pläne für die kommenden Jahre feststehen, ist bei der Straßenbahn noch vieles unklar. Zwar kündigte ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung Anfang des Jahres an, bis zum Sommer solle die Tramführung für die neue Linie zwischen Paulsternstraße und dem Rathaus Spandau festgelegt sein. Nun heißt es aber in der Antwort des Staatssekretärs: „Entsprechend der Priorisierung, die sich aus dem ÖPNV-Bedarfsplan ergibt, wurden vertiefende Planungen für die vorgesehenen Strecken im Bereich Spandau noch nicht aufgenommen.“

Darüber äußert sich die Spandauer Abgeordnete Bettina Domer enttäuscht, auch wenn der Staatssekretär erklärt, die geplante Inbetriebnahme der Linien zwischen 2029 und 2035 sehe man nicht als gefährdet an. „Für die Planungen ist im Jahr 2020 kein Euro ausgegeben worden, obwohl das Geld vorhanden ist“, sagt sie. Die Abgeordnete fordert, dass es zügiger vorangeht und hält zusätzliche Verkehrsmittel neben Bussen für notwendig, um einen „Verkehrsinfarkt“ im Bezirk zu verhindern.

„Wenn wir einen leistungsfähigen ÖPNV haben wollen, der nicht im Stau stecken bleibt, brauchen wir in Spandau neue Straßenbahnlinien, die Reaktivierung der Siemensbahn und die Verlängerung der U-Bahnen, um die wachsenden Ortsteile zu erschließen“, so die SPD-Politikerin.

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