Natur

Groß Glienicker See schrumpft – aber getan wird nichts

Der Wasserstand des Groß Glienicker Sees sinkt und war 2020 so niedrig wie nie. Eine Chance, etwas dagegen zu tun, wird nicht gesehen.

Der Groß Glienicker See in Spandau. Weil der Wasserstand stark zurückgegangen ist, reicht der Steg an der Badestelle Moorloch inzwischen nicht mehr in Wasser. 

Der Groß Glienicker See in Spandau. Weil der Wasserstand stark zurückgegangen ist, reicht der Steg an der Badestelle Moorloch inzwischen nicht mehr in Wasser. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Der Zustand des Groß Glienicker Sees ist einer EU-Bewertung zufolge „ausgezeichnet“, die Sichttiefe ist hoch, ebenso die Bedeutung des Gewässers für die Naherholung. Doch der See hat ein Problem: Er schrumpft. Im vergangenen September wurde mit 29,81 Metern der niedrigste Wasserstand aller Zeiten gemessen. Bis in die 1990er-Jahre hinein hatte der Wasserstand noch kontinuierlich bei über 31 Metern gelegen, im Jahr 1970 waren sogar mal mehr als 32 Meter. Und eine Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht.

Denn der Groß Glienicker See ist ein grundwassergespeister See, sein Pegel hängt damit davon ab, inwiefern sich Grundwasser neu bildet. Genau dabei ist aber ein Rückgang festzustellen. „Aktuelle Analysen für die Wetterstation Potsdam zeigen, dass in dem benannten Zeitraum die Grundwasserneubildung um circa 25 Prozent abgenommen hat“, erklärt Umweltstaatssekretär Stefan Tidow in seiner Antwort auf eine aktuelle Anfrage des Spandauer Abgeordneten Daniel Buchholz (SPD). Zurückgeführt wird das vor allem auf die steigenden Temperaturen in der Region, in deren Folge mehr Wasser verdunstet.

Daneben verweist der Staatssekretär auf einen „Strukturwandel in der Abwasserentsorgung“. Durch diesen wurden die Gebiete um den Groß Glienicker See durch Kanäle erschlossen, womit auch eine künstliche Erhöhung der Grundwasserneubildung weggefallen sei. Zuflüsse von außen gibt es heute keine mehr. Ein ehemaliger Zufluss auf Brandenburger Seite sei Anfang der 1990er-Jahre verschüttet worden, heißt es. Und ein Graben als Verbindung zum Sacrower See ist momentan ausgetrocknet.

Auch bei anderen Seen in der Region sinkt der Wasserstand

Der Groß Glienicker See ist mit seinem sinkenden Wasserstand kein Einzelfall – auch bei anderen Gewässern in der Region ist diese Entwicklung zu beobachten. „Trockenheit und Niedrigwassersituationen der letzten Jahre stellen viele Gewässer in Berlin und Brandenburg vor Probleme: Fließgewässer fallen trocken, Seewasserstände sinken auf historisch niedrige Werte und die Durchflüsse der Havel und Spree betragen nur einen Bruchteil des gewöhnlichen Durchflusses“, schreibt Tidow.

In Berlin betrifft das Problem unter anderem auch den Weiße Seen in Pankow. Das Pankower Bezirksamt reagierte auf das schwindende Wasser, allerdings mit mäßigem Erfolg. Ein gebauter Tiefbrunnen erwies sich am Ende als nutzlos, weil er wegen überraschender Schadstoffprobleme ohne einen Filter kein Wasser in den See befördern darf. Stattdessen wurde dann Trinkwasser eingeleitet, wegen der hohen Kosten allerdings in geringerer Menge als zunächst geplant. Ein Verein hat sich im Sommer deshalb zum Ziel gesetzt, Spenden zu sammeln, um die weitere Zufuhr von Trinkwasser zu finanzieren .

„Keine Möglichkeit, den Wasserstand künstlich zu heben“

Anders ist die Situation am Groß Glienicker See – dort gibt es bislang keine Pläne, etwas gegen den Wasserrückgang zu unternehmen. „Aus Sicht des Bezirks und des Landes bestehen keine realistischen Möglichkeiten, mit vertretbarem Aufwand den Wasserstand des Sees künstlich zu heben“, erklärt Tidow. Und auch eine Sprecherin der Stadt Potsdam, in deren Gebiet die andere Hälfte des Sees liegt, teilt auf Anfrage mit: „Konkrete Pläne, um den Wasserstand anzuheben, gibt es in der Landeshauptstadt Potsdam nicht.“

Daniel Buchholz äußert sich enttäuscht über die Antworten. „Einen der saubersten und auch schönsten Seen in der Region mit Nichtachtung zu strafen und zu sagen, wir können uns nicht kümmern, ist mir deutlich zu wenig“, sagt er. „Auch länderübergreifend wird hier anscheinend keine echte Kooperation angestrebt.“ Der Abgeordnete hält es für notwendig, genauer zu untersuchen, ob der Rückgang des Wasserstands, den er „dramatisch“ nennt, tatsächlich nur auf den sinkenden Grundwasserpegel zurückzuführen ist.

Zugleich verweist er auf andere Bezirke, in denen es diverse Lösungen für Seen mit ähnlichen Problemen gebe. So wird den Grunewaldseen etwa schon seit Jahren aufbereitetes Havelwasser zugeführt. „Das wird hier nicht mal ansatzweise diskutiert. Das kann nicht das letzte Wort sein“, sagt Buchholz. Er will das Thema deshalb weiter vorantreiben.

Berliner Wasserbetriebe planen neues Regenversickerungsbecken

Zumindest ein wenig Hoffnung für den Groß Glienicker See gibt es durch ein von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) geplantes Regenwasserversickerungsbecken, das oberhalb der Halbinsel Groß Glienicke entstehen soll . Daran sind umliegende Straßen angeschlossen und von dem Becken wiederum soll dann möglichst viel gereinigtes Wasser zum Krötenbiotop auf der Halbinsel fließen – wovon auch der See profitieren soll.

Wunder seien nicht zu erwarten, vor allem weil eben nur Straßenflächen, aber keine Grundstücke an das Becken angeschlossen seien, erklärt BWB-Sprecher Stephan Natz. „Das ist wenig, aber sicher hilft jeder Tropfen ein bisschen.“ Wobei auch klar ist: Wie viel Wasser zur Halbinsel geleitet werden kann, hängt vom Regen ab. „Und der wird immer seltener“, so Natz.

Planmäßig sollen die Bauarbeiten im zweiten Halbjahr 2021 starten. Die Planung der Wasserbetriebe sei inzwischen beendet, nun werde auf eine Freigabe durch das Land gewartet, erklärt der BWB-Sprecher. Danach könne der Bau ausgeschrieben und vergeben werden. Die erwarteten Gesamtkosten für das Projekt, inklusive neuen Regenkanälen und Drainagen, liegen bei knapp vier Millionen Euro.

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