Verkehr

So wollen die Grünen Spandaus Radwege ausbauen

Spandaus Grüne haben ein Konzept für die Radinfrastruktur im Bezirk erarbeitet - mit Protected Bike Lanes und Radschnellwegen

Am Siemensdamm soll ein Radschnellweg entstehen. Außerdem sind an dem U-Bahnhof mehr Fahrradständer notwendig.

Am Siemensdamm soll ein Radschnellweg entstehen. Außerdem sind an dem U-Bahnhof mehr Fahrradständer notwendig.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Betrachtet man, wie stark die unterschiedlichen Verkehrsmittel in Spandau genutzt werden, ist das Fahrrad abgeschlagen. Das Forschungsprojekt „Mobilität in Städten“ aus dem Jahr 2018 ergab, dass die befragten Spandauer lediglich 9,5 Prozent ihrer Wege mit dem Rad erledigen. Für ganz Berlin lag der Wert bei knapp 18 Prozent, in Friedrichshain-Kreuzberg waren es gut 28 Prozent. Klar ist, dass die Spandauer weitere Wege ins Zentrum haben – die Grünen aus dem Bezirk sehen aber auch andere Gründe dafür, weshalb dort besonders selten auf das Fahrrad und besonders häufig auf das private Auto gesetzt wird.

In seinem neuen Konzept für den Radverkehr verweist der Kreisverband zum Beispiel auf ein lückenhaftes Wegenetz, den schlechten Zustand sowie fehlenden Schutz der Radwege und zu wenige Abstellanlagen, etwa an Umsteigepunkten zum öffentlichen Nahverkehr. Das Potenzial des Radverkehrs für den Bezirk, so schreiben die Grünen, werde nicht annähernd erkannt, angekündigte Maßnahmen seien „weder umfangreich genug noch ausreichend zeitlich ambitioniert“. Die Grünen listen deshalb auch konkrete Projekte auf, mit denen die Infrastruktur verbessert werden könnte.

Grüne sehen Bedarf für mehr Radschnellwege in Spandau

Ein Thema dabei sind die Radschnellwege. Vier der Berliner Routen, für die derzeit noch Machbarkeitsstudien laufen oder in der Fertigstellung sind, beginnen in Spandau und verlaufen dann weiter in Richtung Zentrum. Weil dabei bislang nur die Ost-West-Richtung betrachtet werde, bestehe darüber hinaus noch Bedarf in Nord-Süd-Richtung, vor allem für ein innerbezirkliches Netz, heißt es in dem Konzept.

Genannt werden die Strecken Hakenfelde – Altstadt – Wilhelmstadt – Heerstraße sowie Hohenzollernring – Galenstraße – Krumme Gärten, oder von der Stadtrandstraße zum Finkenkruger Weg mit Verbindung durch den Spektezug.

Zudem fordern die Grünen geschützte Radfahrstreifen, bei denen die mindestens zwei Meter breiten Radwege also, wie man es aus anderen Bezirken kennt, mit Pollern von der Fahrbahn abgetrennt sind. In Spandau gibt es solche Protected Bike Lanes bislang nicht. Weil sich diese Gestaltung aber nicht überall umsetzen lässt, schlägt die Partei zunächst zwei Stellen vor: Einmal vom Falkenseer Platz über den Altstädter Ring, Kloster- und Wilhelmstraße bis zur Pichelsdorfer Straße. „Dies entschärft auch die Kreuzungssituation für Radfahrende vorm Bahnhof“, argumentieren die Grünen. Als zweite Strecke wird die Straße Am Juliusturm zwischen Falkenseer Platz und U-Bahnhof Haselhorst genannt.

Kreuzungen sollen für Radfahrer sicherer werden

Indem man an diesen Routen Protected Bike Lanes installiert, würden derzeit von Radfahrern gemiedene Hauptverbindungen „endlich sicher befahrbar“. Im Anschluss weiteren Handlungsbedarf sieht der Kreisverband für die Heerstraße zwischen Scholzplatz und Gatower Straße. Die bestehenden Radwege dort sind sehr schmal und uneben, ein geplanter Neubau wurde, wegen der laufenden Studie für einen Radschnellweg, zurückgestellt. Dessen Bau soll aber frühestens 2024 beginnen.

Zudem wird gefordert, einige Kreuzungen durch bauliche Maßnahmen zu entschärfen oder zumindest durch „vorgezogene Grünphasen für Radfahrende an Hauptverkehrsstraßen die Sicherheit signifikant zu erhöhen“. Als Beispiel wird die Kreuzung südlich des Bahnhofs Spandau genannt, sowie die Wilhelmstraße/Pichelsdorfer Straße oder die Kreuzung Falkenseer Damm/Askanierring.

Höherer Bedarf für Stellplätze an mehreren Bahnhöfen gesehen

Neben den Radwegen sind auch die Stellplätze für Fahrräder ein Thema. Genannt werden im Konzept der Grünen fünf Orte, an denen der Handlungsbedarf am dringendsten sei, darunter der bekannte Knotenpunkt zwischen Rathaus Spandau und Arcaden; für den Bahnhof wird bereits seit langem über ein Fahrradparkhaus diskutiert.

Hinzukommen der Ferdinand-Friedensburg-Platz in Haselhorst, wo ein Mobilitätshub geplant ist, der künftige Siemens-Campus, der Knotenpunkt Heerstraße/Gatower Straße oder das Einkaufszentrum Hakenfelde, bis wohin die Siemensbahn verlängert werden könnte – wobei die technische Möglichkeit zurzeit noch geprüft wird und eine Bahn wohl frühestens in den 2030er Jahren dorthin fahren könnte.

Die landeseigene Infravelo GmbH hat zuletzt für zehn Spandauer Bahnhöfe untersucht, wie viele Stellplätze dort künftig benötigt werden und wie viele derzeit vorhanden sind. Die Ergebnisse für sechs Stationen liegen inzwischen vor. Demnach gibt es nur am U-Bahnhof Altstadt Spandau ausreichend Fahrradständer – an allen anderen Stationen werden schon heute mehr Räder geparkt als Stellplätze existieren. Der Bedarf soll überall bis 2030 steigen. Neben dem Bahnhof Spandau wird erwartet, dass vor allem an den U-Bahnhöfen Siemensdamm und Haselhorst deutlich mehr Plätze benötigt werden.

Mehr über den Bezirk Spandau lesen Sie hier.