Naturschutz

Flugplatz Gatow: Streit um geplante Parklandschaft

Am früheren Flugplatz Gatow soll ein Landschaftspark entstehen. Das Vorhaben zieht sich seit Jahren – und trifft auch auf Gegenwehr.

Auf einer Fläche am ehemaligen Flugplatz Gatow ist geplant, einen Landschaftspark zu errichten. Bezirk und eine Bürgerinitiative sind dagegen. 

Auf einer Fläche am ehemaligen Flugplatz Gatow ist geplant, einen Landschaftspark zu errichten. Bezirk und eine Bürgerinitiative sind dagegen. 

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Mittlerweile ist es fast zehn Jahre her, dass im Rahmen eines Wettbewerbs entschieden wurde, wie die sogenannte Parklandschaft Gatow aussehen soll. Vor acht Jahren, so der damalige Plan, sollte bereits begonnen werden mit den Bauarbeiten auf dem Areal zwischen der Landstadt Gatow und dem Militärhistorischen Museum auf dem ehemaligen Flugplatz. Passiert ist bis heute nichts – wobei längst nicht alle unglücklich darüber sind.

Hintergrund des bis heute nicht verwirklichten Projekts ist der Wohnungsbau auf dem westlichen Teil der Landebahnen. Die 90 Hektar große Parklandschaft sollte als Ausgleichsmaßnahme dafür entstehen. In den ursprünglichen Plänen hieß es, das Gebiet solle zu einem wichtigen Bestandteil der großräumigen Erholungslandschaft werden und gleichzeitig die siedlungsnahe Grünanlage für das Wohngebiet Landstadt Gatow bilden.

Durch den Park sollte entsprechend des Siegerentwurfs ein Wegenetz führen, um die Siedlungsteile in dem Gebiet miteinander zu verbinden. Auch landwirtschaftliche Wiesen und Aufenthaltsbereiche an den Eingängen sollten integriert werden.

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Parklandschaft Gatow

Doch aus der Anwohnerschaft, die eigentlich von dem Park profitieren sollten, regte sich in den Jahren nach Bekanntwerden der Pläne Protest. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, mit dem Ziel, den derzeitigen Zustand der Fläche zu erhalten – und damit auch die dort lebenden Arten, deren Verlust die Anwohner befürchten. Statt einer Parklandschaft fordert die Initiative, die Fläche als Naturschutzgebiet „Gatower Wiesen“ auszuweisen.

Die Grundidee, so erklärt es Andreas Federschmidt, sei, mit der Parklandschaft die Fläche aufzuwerten. „Man hat aber nicht bedacht, dass der Wert der Landschaft schon viel höher ist.“ Grund sei, dass auf der brachliegenden Fläche seit rund 20 Jahren kaum etwas getan wurde. „Dadurch haben sich gefährdete Arten angesiedelt, vor allem Bodenbrüter, die selten geworden sind.“ Als Beispiele nennt er die Vogelarten Braunkehlchen und Wendehals, die auf der Roten Liste Berlins stehen. Auch Zauneidechsen würden in dem Areal vorkommen.

Bezirksamt Spandau sieht Pläne für Parklandschaft kritisch

Laut Bürgerinitiative wird das steppenartige Fläche heute schon von Anwohnern genutzt, unterwegs sind diese auf schmalen, unbefestigten Wegen. Die zwei langen Pfade könnten aus ihrer Sicht durchaus befestigt werden, allerdings sollten keine neue Wege hinzukommen, um die Tiere nicht in ihrem Lebensraum zu stören. Stattdessen meint Federschmidt, selbst Biologe und Landschaftsplaner, sollten verschiedene Entwicklungsmaßnahmen vorgenommen werden, um die Bedingungen für die Lebewesen noch zu verbessern.

Auch im Bezirksamt sieht man die Pläne für die Parklandschaft kritisch. Aus naturschutzrechtlicher Sicht solle die Wiesenlandschaft erhalten bleiben, sagte der zuständige Stadtrat Andreas Otti (AfD) kürzlich auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Eine Beeinträchtigung der dort lebenden Arten durch eine Umformung der Landschaft, bauliche Eingriffe und in diesem Zusammenhang die Umsetzung des Siegerentwurfs aus dem Wettbewerb sei gesetzlich gar nicht zulässig.

Stadtrat: Gatower Wiesenlandschaft bleibt erhalten

„Die Wiesenlandschaft Gatow ist für den Bezirk Spandau einer der wichtigsten unverbauten Landschaftsräume, der der Naherholung dient, ein unverwechselbares Landschaftsbild besitzt und einer der wertvollsten Naturräume für eine Vielzahl seltenen Arten darstellt“, sagte Otti. Sein Standpunkt sei klar: „Die Gatower Wiesenlandschaft bleibt erhalten.“

Seit 2016 ist die Grün Berlin Stiftung für das Projekt zuständig. Dort ist auch weiterhin eine Umsetzung der Parklandschaft geplant – allerdings mit verändertem Konzept. Schon 1998, erklärt eine Sprecherin, sei zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin der Fläche und dem Land Berlin ein städtebaulicher Vertrag über Wohnungsbau im Bereich des ehemaligen Flugplatzes geschlossen worden.

Umsetzung der Parklandschaft weiterhin geplant

Dazu gehörten auch Vorgaben für die Gestaltung des Parks, die allerdings in den vergangenen Jahren überarbeitet werden mussten. „Diese Änderung wurde insbesondere notwendig, weil sich die gesetzlichen Grundlagen zum Natur- und Artenschutz verschärft haben und sich zwischenzeitlich geschützte Arten in dem Gebiet angesiedelt haben“, erklärt eine Sprecherin. „Dadurch wurde eine Durchführung des ursprünglichen vertraglich fixierten Konzepts verhindert.“

Weiterhin ist aber vorgesehen, dass asphaltierte Haupt- und einfache Feldwege entstehen, die die Parklandschaft durchziehen, um das Gebiet für die Öffentlichkeit leichter zugänglich machen, heißt es. „Es ergeben sich ineinander verschränkte Flächen, die in unterschiedlicher Intensität genutzt werden“, so die Sprecherin. „So wird die Parklandschaft Gatow von Süden nach Norden von einer offenen Landschaft zu kleinteiligeren Flächen unterteilt.“

Grün Berlin Stiftung will vorliegende Planung überprüfen

Bevor es an die Umsetzung des Konzepts gehen kann, müssen aber erst noch die sich ziehenden Verhandlungen zwischen Land Berlin und Bima abgeschlossen werden. Ziel sei es, die Bauausführung der Parklandschaft, das dazugehörige Budget und das Grundstückseigentum auf das Land Berlin zu übertragen, erklärt ein Bima-Sprecher auf Anfrage. Dafür bedürfe es eine ergänzende Vereinbarung zu dem bestehenden städtebaulichen Vertrag. Grundsätzlich bestehe Einigkeit zwischen Land und Bima, heißt es. In greifbarer Nähe scheint ein Ende der Verhandlungen aber noch nicht.

Erst anschließend will die Grün Berlin Stiftung die vorliegende Planung „unter Berücksichtigung der ökologischen Entwicklungen überprüfen und aktualisieren“, sagt die Sprecherin. Die weiteren Schritte zur Umsetzung könnten dann abschnittsweise erfolgen.

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