Verkehr

Wie die Grünen Spandaus Verkehrsprobleme lösen wollen

Auch die Spandauer Grünen haben ein Verkehrskonzept für den Bezirk entwickelt. Zentrale Punkte: die Straßenbahn und geschützte Radwege.

Die Spandauer Grünen setzen im Kampf gegen Staus auf den Aufbau eines Straßenbahn-Inselnetzes im Bezirk.

Die Spandauer Grünen setzen im Kampf gegen Staus auf den Aufbau eines Straßenbahn-Inselnetzes im Bezirk.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Dass der Verkehr in Spandau ein zentrales Thema ist, lässt sich auch daran erkennen, dass mittlerweile vier Parteien umfassende Verkehrskonzepte für den Bezirk entwickelt haben. Nach CDU, SPD und FDP haben nun die Spandauer Grünen ein Konzept verabschiedet, an dem der Kreisvorstand zuvor rund ein Jahr gearbeitet hatte. Wie bei den anderen Parteien spielt der öffentliche Nahverkehr darin eine wichtige Rolle, aber auch dem Radverkehr wird sich ausführlich gewidmet.

Für Radfahrer fordern die Grünen dabei eine Maßnahme, die man bereits aus anderen Berliner Bezirken kennt: Protected Bike Lanes, also Fahrradwege, die mit Pollern vom Autoverkehr abgetrennt sind. Dies sei die einzige Möglichkeit, um Radwege vor einer Zweckentfremdung durch den fahrenden oder parkenden Auto- und Lieferverkehr zu schützen, heißt es.

Grüne schlagen Protected Bike Lanes in Spandau vor

Dazu nennt der Bezirksverband mehrere Straßen, die sich aus seiner Sicht für solche geschützten Radstreifen eignen würden, darunter die Ruhlebener Straße ab der Ecke Klosterstraße in Richtung Berliner Zentrum, außerdem die Straße Am Juliusturm zwischen dem Falkenseer Platz und dem U-Bahnhof Haselhorst.

Daneben fordert die Partei mit Blick auf die Radschnellwege, die die Senatsverkehrsverwaltung unter anderem in Spandau plant, dass diese nicht im Nichts enden dürften. Sie müssten, heißt es in dem Konzept, als bezirkliches Radverkehrsnetz fortgeführt und mit den bevölkerungsstarken Wohngebieten verbunden werden. Dabei erklären die Grünen auch, dass es bei einer Umsetzung der Pläne zu Flächenverlusten für den Autoverkehr kommen werde. „Dies lässt sich jedoch nicht vermeiden und ist für einen sicheren und attraktiven Radverkehr in Spandau unabdingbar“, schreibt die Partei in ihrem Konzept.

Grüne fordern flächendeckend Tempo 30 in Spandau

Hinzukommen weitere Einschnitte für Autofahrer, die vorgeschlagen werden. Dazu gehört flächendeckend Tempo 30 in Spandau, außerdem eine Ausweitung der autofreien Kieze und Fußgängerzonen. Wohngebiete sollen für Fahrzeuge ab 2.8 Tonnen geschlossen werden – das würde bereits Transporter betreffen. „Das Zeitalter mit Vorrang des motorisierten Individualverkehrs muss auch in Spandau zu Ende gehen, wenn wir eine Mobilitätswende erreichen wollen“, schreiben die Grünen. Damit der Lieferverkehr weiter funktioniert, werden zentrale Warenlager in den Kiezen vorgeschlagen. Außerdem sollen Lieferungen in festen Ladezonen auf Lastenräder umgelagert und dann weiter in die Wohngebiete transportiert werden.

Für den öffentlichen Nahverkehr betonen die Grünen, dass es für sie nicht entweder die U-Bahnverlängerung oder den Aufbau von Straßenbahn-Linien gebe, sondern dass man sich für ein sowohl als auch einsetze. Aufgrund des Zeitaspekts habe die Straßenbahn zunächst Priorität. Der Aufbau eines Straßenbahnnetzes, zunächst als Insellösung, sei für Spandau eine „unausweichliche Notwendigkeit und ein Muss“, heißt es. So könnte die Tram schneller wieder im Bezirk fahren, also vom Senat geplant. Dieser geht laut Nahverkehrsplan von einer Inbetriebnahme der ersten Strecke 2029 aus.

Straßenbahn soll vom Johannesstift bis zur Heerstraße fahren

Als wichtigste Verbindung nennen die Grünen eine Nord-Süd-Linie, die vom Johannesstift über die Streitstraße zum Rathaus Spandau und von dort zur Heerstraße und dem Hahneberg führt. Eine zweite Linie soll ins Falkenhagener Feld und nach Haselhorst führen. Später sei ein Ausbau des Netzes etwa über die Heerstraße bis nach Charlottenburg, den Brunsbütteler Damm entlang und nach Kladow in Richtung Potsdam möglich.

Wie die anderen Parteien betonen auch die Grünen, dass die Reaktivierung der Siemensbahn und deren Verlängerung nach Hakenfelde erfolgen muss. Zudem spricht sich die Partei für die S-Bahn-Verlängerung nach Nauen aus. Eine Verlängerung der U-Bahnlinie U2 bis zur S-Bahntrasse mit einem dortigen Umsteigebahnhof sollte ebenso geprüft werden, wie der Ausbau der U7 in Richtung Spandauer Süden, heißt es.

Hier lesen Sie, was die FDP für den Verkehr in Spandau vorschlägt.

Linienverbindung über die Havel von der Wasserstadt zur Altstadt

Darüber hinaus setzen die Grünen auf Spandaus Lage am Wasser: So könnten zentrale Lieferpunkte, unter anderem an bestehenden Häfen, geschaffen werden, von wo aus die Waren mit Lastenrädern an ihren Zielort weiter transportiert werden. Gleichzeitig könne man einen Linienverkehr auf den Gewässern einrichten.

Hierfür solle eine Verbindung von der Wasserstadt zur Altstadt geprüft werden, schreiben die Grünen. „Die Straßen sind verstopft, da ist zumindest zu prüfen, ob Fähren oder Wassertaxis Verbesserungen bringen könnten und was dort möglich ist“, sagt Konrad Hickel vom Kreisvorstand. Außerdem liege der Bahnhof Spandau direkt am Wasser, da biete es sich an, den Wasserweg zu wählen.

Die bestehende Fähr-Anbindung von Kladow zum Bahnhof Wannsee „sollte zügig durch Kapazitätserweiterungen der bestehenden Fährlinie verbessert werden“, heißt es weiter. Die Senatsverkehrsverwaltung lehnt dies bisher ab und verweist dabei auf die Auslastung: Bei weniger als einem Prozent der Fahrten sei die Fähre komplett ausgelastet gewesen, sodass manche Fahrgäste auf die nächste Fähre eine Stunde später warten mussten.

Mehr über den Bezirk Spandau lesen Sie hier.