Stadtentwicklung

Wie das Stresow-Ufer in Spandau umgestaltet werden soll

Das Stresow-Ufer ist bislang nur in Teilen zugänglich. Das soll sich ändern. Geplant ist ein breiter Weg mit verschiedenen Stationen.

Das Stresow-Ufer in Spandau, gegenüber dem Lindenufer, soll umgebaut werden. Bislang ist es größtenteils unzugänglich.

Das Stresow-Ufer in Spandau, gegenüber dem Lindenufer, soll umgebaut werden. Bislang ist es größtenteils unzugänglich.

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Die Umsetzung einer mehr als 50 Jahre alten Idee ist in Spandau näher gerückt. Schon in den 1960er-Jahren gab es den Plan, am bislang größtenteils unzugänglichen Stresow-Ufer gegenüber der Altstadt Spandau eine Uferpromenade zu gestalten. Vor einigen Jahren wurde die Idee dann wieder aufgegriffen und eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Nun läuft die konkretere Planung des Ufergrünzugs, die mit rund 150.000 Euro aus dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz finanziert wird.

Der Weg soll zwischen der Mündung von der Spree in die Havel bis zur Burgwallschanze, kurz hinter der Dischingerbrücke verlaufen. Eingebettet wird der vier Meter breite Fußgänger- und Radweg in Grünflächen mit unterschiedlicher Bepflanzung. Dadurch ergebe sich eine Gesamtbreite von zehn bis zwölf Metern, erklärte Leila Ravandi vom zuständigen Planungsbüro A24 Landschaft bei der Vorstellung der Pläne am Montagabend.

Weg am Stresow-Ufer soll in Zusammenhang mit Havel-Ausbau entstehen

Eine wichtige Rolle bei dem Vorhaben spielt auch das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 17, bei dem die Wasserstraßenverbindung zwischen Berlin und Hannover ausgebaut wird. Das betrifft auch die Havel vom Spandauer Horn bis Pichelsdorfer Gmünd. Der Fluss soll so ausgebaut werden, dass er auch von größeren Güterschiffen genutzt werden kann, im Bereich Stresow werden dafür etwa die Uferbefestigung und Spundwand erneuert.

Ziel ist es nun, das Projekt des Uferwegs mit dem Ausbau von Spree und Havel abzustimmen. „Das kann viele Kostenvorteile, Zeitersparnisse, aber auch gestalterische Vorteile bringen“, sagte Ravandi. Teilweise gebe es einen Landgewinn von ein bis zwei Metern, der gerade bei den privaten Grundstücken sehr hilfreich sei. Denn der geplante Uferweg führt zum Teil über Flächen, die derzeit noch in Privatbesitz sind.

Autofreie Promenade soll zum Stresow-Ufer führen

Grundsätzlich sieht die Planung vor, den Uferweg um Aussichtspunkte und unterschiedliche Stationen zu ergänzen, beispielsweise einen Kanu- und Kajakanleger oder ein Restaurantschiff. Im nördlichen Bereich,

für den aktuell die Entwurfsplanung läuft, sind Sitzstufen und ein Kiosk vorgesehen; zudem plant der Investor der angrenzenden früheren Geschützgießerei dort ein Café, das für zusätzliche Belebung sorgen könnte.

Die Straße neben dem Gelände mit den historischen Hallen stellt sich das Planungsbüro als autofreie Promenade vor. „Sie weitet sich am Ende zu einer Platzfläche mit urbanen Charakter und bietet unterschiedlichen Nutzern Aufenthaltsmöglichkeiten“, sagte Ravandi. Neben der Promenade befindet sich der Stresowpark, am Wasser existiert zurzeit ein Sportboot-Anleger. Der soll allerdings, aufgrund des Havelausbaus, umziehen ans „Spandauer Ufer“ – also zu dem Neubauprojekt auf dem alten Postgelände.

Sitzstufen und Picknicktische entlang des Uferwegs

Eine Anlegemöglichkeit in geringerem Umfang soll aber bestehen bleiben. Hinzu kommt in direkter Nähe das Restaurantschiff. Gespräche mit einem möglichen Betreiber laufen laut Patrick Sellerie, Chef der Spandauer Wirtschaftsförderung, bereits, ein Name soll allerdings noch nicht genannt werden. „Es ist aber kein gewöhnliches Schiff“, kündigt er an.

Hinter der Charlottenbrücke beginnt der zweite Abschnitt des Uferwegs, der bis zur Bahnbrücke reicht. Dort sind angrenzend an den Weg ein weiteres Mal Sitzstufen, außerdem Picknicktische und einen Balkon mit Sitzskulptur vorgesehen, der Nutzer des künftigen Uferwegs noch einmal dichter ans Wasser heranbringt.

Weiter geht es unter der Eisenbahnbrücke mit einer schwimmenden Plattform, die auch als Kajak- und Kanu-Anleger dienen soll. Bis zur Dischingerbrücke folgen weitere Sitzmöglichkeiten entlang des Weges, außerdem eine insektenfreundliche Wildwiese.

Anwohner aus Stresow sorgen sich um Verlust von Wohnqualität

Den Abschluss soll ein Wassergarten bilden, mit einheimischen Wasserpflanzen, Liegestühlen und weiteren Sitzplätzen. Der gesamte Weg soll laut Ravandi barrierefrei werden, neue Querungen, um weitere Zugänge zum Ufergrünzug zu schaffen, sind ebenfalls geplant. „Auf der gesamten Länge dürfen Radfahrer fahren, Fußgänger haben aber immer Vorrang“, betonte sie.

Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern waren eine der Befürchtungen, die Spandauer bei der Veranstaltung zur Vorstellung der bisherigen Pläne äußerten. Vor allem Anwohner sorgten sich zudem um Lärm und Müll und damit zusammenhängend den Verlust von Wohnqualität. Ein weiterer Punkt: die alten Bäume auf dem Areal, die nach Ansicht der Bewohner erhalten bleiben sollten.

Wasserstraßen-Ausbau am Spandauer Horn soll 2021 starten

Ravandi verwies darauf, dass man nach jetzigem Planungsstand acht Bäume fällen müsste, dafür aber auch 40 neue pflanzen werde. Die Anmerkungen der Spandauer sollen in den nächsten Wochen aber geprüft werden, im März ist eine weitere Veranstaltung geplant, wo dann die Weiterentwicklung der Pläne präsentiert wird.

Fertig wird die Vorplanung für den gesamten Uferweg voraussichtlich bis zum Frühsommer. Noch bis zum frühen Herbst soll die konkretere Entwurfsplanung für den ersten Abschnitt dauern. Das Wasserstraßen-Neubauamt plant, mit dem Ausbau am Spandauer Horn 2021 zu starten. „Wir wollen uns mit der Baumaßnahme dort andocken“, sagte Andreas Wunderlich vom Altstadtmanagement. „Das ist eine einmalige Chance.“ Die Kostenschätzung für den Ufergrünzug beläuft sich aktuell auf rund anderthalb Millionen Euro.

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