Verkehr

BVG fordert Busspur auf der Heerstraße in Spandau

Auf der Heerstraße in Spandau soll es nach dem Willen der BVG eine zwei Kilometer lange Busspur geben. Der Vorschlag wird geprüft.

Wenn es nach der BVG geht, soll es auf der Heerstraße in Spandau bald eine Busspur geben.

Wenn es nach der BVG geht, soll es auf der Heerstraße in Spandau bald eine Busspur geben.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. Auf der Heerstraße sollen Busse künftig freie Fahrt haben, zumindest wenn es nach den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) geht. Diese wollen, dass es auf dem Abschnitt zwischen Sandstraße und Alt-Pichelsdorf, kurz vor der Freybrücke in Spandau, künftig eine Busspur gibt. „Die BVG wird einen Antrag auf Anordnung eines Bussonderfahrstreifen auf der Heerstraße stellen“, sagte Sprecherin Petra Nelken auf Anfrage.

Der Streckenabschnitt ist gut zwei Kilometer lang und vor allem zu Berufsverkehrszeiten häufig von Staus belastet. Zum Einen nutzen viele Pendler aus dem westlichen Umland die Heerstraße; von der Potsdamer Chaussee und der Gatower Straße etwa in der Mitte des Abschnitts kommen zudem Fahrzeuge aus dem Süden des Bezirks und aus Potsdam hinzu. Außerdem sind dort zahlreiche Busse unterwegs.

Busse auf der Heerstraße in Spandau sind heute häufig verspätet

„Im Streckenabschnitt Sandstraße bis Gatower Straße verkehren die Buslinien M49 und X49, ab der Gatower Straße bis Alt-Pichelsdorf die Linien M49, X34, X49, 136 und 236“, erklärte Nelken. In der Spitzenstunde gäbe es so auf dem Teil der Heerstraße mehr als 30 Busfahrten – die Abstände zwischen den Bussen betragen im Schnitt also weniger als zwei Minuten. „Im gesamten Streckenabschnitt kommt es häufig zu Behinderungen durch zähfließenden Verkehr, welche zu erheblichen Fahrzeitverlusten führen“, sagte die Sprecherin.

Die Folgen sind klar: Busse fahren unpünktlich ab, teilweise verkürzen sie, besonders im Süden Spandaus, auch ihre Routen wegen der starken Verspätungen. Fahrgäste verpassen an Umsteigepunkten immer wieder ihre Anschlüsse. „Zudem verlängert sich für eine Vielzahl von Fahrgästen die Reisezeit erheblich“, sagte Nelken. Von der Einrichtung der Busspur könnten demnach täglich mehr als 8600 Fahrgäste profitieren.

Verkehrsverwaltung will Vorschlag für Busspur auf der Heerstraße prüfen

Die Senatsverkehrsverwaltung, die für das Anordnen neuer Busspuren zuständig ist, kündigt an, den Vorschlag der BVG zu begutachten. „Bei der nun anstehenden Prüfung des Vorschlages werden wir auch die Pläne für die dort vorgesehene Radschnellverbindung berücksichtigen“, erklärte Behörden-Sprecher Jan Thomsen.

Die sogenannte West-Route soll dabei von Dallgow-Döberitz an der Landesgrenze zu Berlin über den Ernst-Reuter-Platz, die Bismarckstraße, den Kaiserdamm und Theodor-Heuss-Platz bis zum S-Bahnhof Tiergarten führen. Das schließt auch die Heerstraße ein. Das Einrichten einer Busspur und gleichzeitig eines Radschnellwegs ist also auch eine Platzfrage.

Studie für Radschnellweg entlang der Heerstraße ist abgeschlossen

Allerdings wird es bis zum fertigen Radschnellweg noch einige Jahre dauern. Ein Baustart ist nicht vor 2023, eher für 2024 vorgesehen. Immerhin: „Die Machbarkeitsstudie ist abgeschlossen, die Bewertung und Aufbereitung für eine Veröffentlichung läuft“, sagte Thomsen. Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Studie, bei der es auch um unterschiedliche Trassenführungen ging, werde „sicher noch in diesem Jahr, gegebenenfalls schon in diesem Sommer erfolgen“.

Kritisch sieht den Busspur-Vorschlag Spandaus Verkehrsstadtrat Frank Bewig (CDU). „Die Heerstraße ist so eine starke Verkehrsachse“, sagte er, „ich befürchte, eine Busspur würde Chaos und Unmut herbeiführen.“ Zudem könnte sich das Problem verstärken, dass viele Autofahrer in Nebenstraßen ausweichen würden. An anderen Stellen im Bezirk, betonte er, würde man Initiativen der BVG, um den Busverkehr zu beschleunigen, dagegen positiv begleiten.

In Berlin laufen zurzeit Vorbereitungen für zahlreiche weitere Busspuren. Im vergangenen Sommer präsentierte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) eine Liste mit insgesamt 41 Strecken in acht Bezirken. Die meisten davon liegen in Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg. Insgesamt umfassen die Strecken eine Länge von rund 19 Kilometern.

Erweiterung des Busspurnetzes in Berlin um 30 Kilometer bis Ende 2021

Eingeführt werden sollten die neuen Busspuren auf Berlins Straßen eigentlich schon im vergangenen Jahr, doch das Vorhaben verzögerte sich. Im November hieß es, es werde voraussichtlich bis März 2020 dauern, ehe alle Abschnitte angeordnet sind.

Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, will die Senatsverkehrsverwaltung aktuell nicht mitteilen. Man sei mitten im Prozess des Busbeschleunigungsprogramms, die Zwischenstände zu Anordnungen und Umsetzungen würden sich ständig ändern. Wenn für die erste Phase ein Abschluss vorliegt, werde man die Zahlen „selbstverständlich kommunizieren“, heißt es.

Bei der BVG geht man weiter davon aus, dass die aktuellen Antrags- und Anhörungsverfahren bis Ende März abgeschlossen sein werden. „Darüber hinaus“, sagte Nelken, „ist eine Erweiterung des Busspurnetzes um 30 Kilometer bis Ende 2021 geplant.“

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