Wasserstadt Spandau

Während Hochhausbau in Spandau: Brücke abgesackt

Beim Bau des Hochhauses „Deck One“ sackte die Spandauer Wasserstadtbrücke ab. Erst wenn sie repariert ist, kann weitergearbeitet werden

Ein Bauprojekt hat zu Verschiebungen an der Wasserstadtbrücke in Spandau geführt. Diese muss nun erst einmal wieder in Ordnung gebracht werden. 

Ein Bauprojekt hat zu Verschiebungen an der Wasserstadtbrücke in Spandau geführt. Diese muss nun erst einmal wieder in Ordnung gebracht werden. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Es soll einmal ein Blickfang werden, das Projekt „Deck One“ in Spandau. Dahinter steckt ein 15-stöckiges Wohn- und Geschäftshaus direkt an der Havel, mit Terrassen, die an ein Schiffsdeck erinnern sollen. Doch seit mittlerweile zwei Jahren ruhen die Bauarbeiten. Der Grund: Angrenzend an das Grundstück befindet sich die Wasserstadtbrücke. Und die hat sich durch das Bauvorhaben leicht abgesenkt.

Laut Senatsverkehrsverwaltung haben Arbeiten zur Sicherung der Baugrube für das Hochhaus zu vertikalen Verschiebungen an der Brücke und deren Rampenbauwerk geführt. Auch den Verdacht auf Risse in der Brücke gab es, der sich jedoch nicht bestätigte. Dennoch mussten die Bauarbeiten 2018 gestoppt werden, und sie ruhen weiter.

„Die Brücke muss zunächst wieder in den Ausgangszustand zurückversetzt werden, um dauerhaft den ursprünglich guten Zustand herzustellen“, erklärte eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung nun auf Anfrage. Grundlage dafür ist ein Sicherungskonzept, das in den vergangenen Monaten vom Bauherrn des „Deck One“, dem Unternehmen Scon aus Kleinmachnow, erstellt wurde.

Bauwerk wurde erst 2001 in Betrieb genommen

Die Wasserstadtbrücke ist eine relativ neue Brücke, sie entstand zwischen den Jahren 1997 und 2001 für rund 23 Millionen Euro. Bereits 2009 musste allerdings die erste Instandsetzung erfolgen: Auf beiden Havelseiten gab es Schäden an den Übergängen zwischen dem Land und der Brücke. Sechs Wochen lang musste die Brücke für die Erneuerung damals für den Verkehr gesperrt werden.

Verkehrseinschränkungen gibt es aktuell nicht. Das Erstellen und Abstimmen eines Sicherungskonzeptes aber zog sich länger, als geplant. Eigentlich sollte der Bau des Hochhauses schon 2019 fortgesetzt werden. Nun ist zumindest die Reparatur der Brücke näher gerückt. Wie Scon-Geschäftsführer Joachim Stöhr sagte, soll in den kommenden Monaten ein Unternehmen ausgewählt werden, das die Arbeiten übernimmt. Start der Reparaturen könnte im April oder Mai sein. Dabei soll der Oberbau der Brücke ein Stück angehoben werden, um die Setzungen auszugleichen.

Erst im Anschluss an die Instandsetzung der Brücke können die Tiefbauarbeiten für das Gebäude aufgenommen werden, danach kann der Hochbau folgen. Stöhr betonte aber: „Wir sind noch Feuer und Flamme für das 'Deck One'.“ Geplant sind dort 66 Wohnungen – vom Ein-Zimmer-Apartment bis zum Penthouse – sowie 22 Gewerbeeinheiten.

Gewobag plant 16-stöckiges Hochhaus an der Wasserstadtbrücke

Aber auch, wenn die Wasserstadtbrücke voraussichtlich bis zum Sommer erst einmal repariert ist, bleibt die Entwicklung dort spannend. Denn gegenüber des „Deck One“, auf der anderen Seite der Havel, soll nahe der Brücke ebenfalls ein Hochhaus entstehen, dort sogar mit 16 Stockwerken. Dieses ist Teil des Bauprojekts „Waterkant“, das von den kommunalen Wohnungsbauunternehmen Gewobag und WBM realisiert wird. Ausgeschlossen, dass es dort wieder Probleme gibt, ist es nicht.

Bauvorhaben nahe einer Brücke können laut Senatsverkehrsverwaltung grundsätzlich negative Auswirkungen auf deren Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit haben. Um möglichen Schäden an der Wasserstadtbrücke vorzubeugen, müsse deshalb vor der Bauausführung nachgewiesen werden, dass das Hochhaus für die Brücke verträglich ist, teilte die Sprecherin der Senatsverwaltung mit. Zudem gibt es diverse Auflagen.

Erd- und Gründungsarbeiten für Teilprojekt der „Waterkant“ laufen

Auf dem Areal an der Brücke wird bereits gebaut: Im vergangenen Herbst startete die Gewobag mit den bauvorbereitenden Maßnahmen. Wie eine Sprecherin des Unternehmens nun auf Nachfrage mitteilte, seien die Baugenehmigungen für die beiden südlichen, also etwas weiter von der Brücke entfernten, Baufelder des entsprechenden Teilprojekts 2a vom Bezirk im Dezember 2019 erteilt worden. „Aktuell laufen die Erd- und Gründungsarbeiten, und es konnten bereits erste Bodenplatten betoniert werden“, so die Sprecherin weiter.

Der Baubeginn für das 16-geschossige Haus steht aber noch aus. Das Gebäude soll als Hochpunkt, wie laut Gewobag vom Plangeber gewollt, für eine städtebauliche Betonung der Wasserstadtbrücke sorgen. Gebaut werde nach „umfassenden Maßnahmen zur Beweissicherung sowie der Vorlage erforderlicher ingenieurmäßiger – insbesondere statischer – Untersuchungen“. Laut Senatsverkehrsverwaltung gehören zu den im Vorfeld erforderlichen Maßnahmen Untersuchungen mit computergestützten Modellen und ein geotechnisches Gutachten, das die Verträglichkeit des Bauprojekts für die Wasserstadtbrücke bestätigt. Während des Baus sieht die Gewobag eine unabhängige, vermessungstechnische Überwachung vor.

Die Gewobag plant, den an die Brücke angrenzenden Bauabschnitt mit 460 Wohnungen und Quartiersgarage bis Anfang 2022 abzuschließen. Für das „Deck One“ hält der Bauherr sich mit Zeitprognosen zurück. Die soll es erst geben, wenn die Brücke tatsächlich repariert ist

Mehr über den Bezirk Spandau lesen Sie hier.