Spandauer Kreuzung

Nach tödlichem Unfall: Neue Ampel bereitet noch Probleme

An der Kreuzung Nauener Straße/ Brunsbütteler Damm in Spandau gibt es eine neue Ampelschaltung. Viele Autofahrer ignorieren sie jedoch.

Fahrradunfall: An der Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm in Spandau starb 2018 ein acht Jahre altes Kind. Nach wie vor bereitet die Stelle Probleme.

Fahrradunfall: An der Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm in Spandau starb 2018 ein acht Jahre altes Kind. Nach wie vor bereitet die Stelle Probleme.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Eigentlich sollte die Kreuzung Nauener Straße und Brunsbütteler Damm in Spandau Ende des vergangenen Jahres für Radfahrer endlich sicherer werden. Rund anderthalb Jahre nachdem dort der acht Jahre alte Constantin von einem rechts abbiegenden Lkw überfahren worden war, ist dort eine neue Ampelschaltung in Betrieb gegangen. Nun gibt es getrennte Ampelphasen für Radfahrer und den abbiegenden Auto- und Lkw-Verkehr, so dass Rechtsabbieger auf der Nauener Straße nicht mehr zeitgleich mit geradeaus fahrenden Radfahrern auf die Kreuzung fahren. Trotzdem gibt es weiter Konflikte.

„Die Situation ist fast noch gefährlicher geworden“, meint die Spandauerin Viviane Schütt; sie und ihr Mann sind regelmäßig an der Kreuzung unterwegs. Das Problem wird relativ schnell deutlich, wenn man den Verkehr an der Stelle eine Weile beobachtet: Einige Autofahrer fahren von der Nauener Straße nach rechts auf den Brunsbütteler Damm, obwohl die neue Rechtsabbieger-Ampel eigentlich Rot anzeigt. Sie orientieren sich weiter an der alten, nun nur noch für Linksabbieger geltenden Ampel – die zeitgleich mit der Radfahrer-Ampel Grün signalisiert. So treffen Autos und Radfahrer weiter aufeinander.

Spandauerin fordert verstärkte Kontrollen an der Kreuzung

„Die Radfahrer denken, sie können sich darauf verlassen, dass die Autos halten, und fahren, wenn sie Grün haben“, sagt Schütt. Ihr Mann sei auf dem Fahrrad seit Weihnachten geschätzt zehnmal beinahe umgefahren worden, erzählt sie. „Es ist zu jeder Tageszeit gefährlich.“ Sie habe sich deshalb bereits an die Senatsverkehrsverwaltung gewandt und um verstärkte Kontrollen an der Kreuzung gebeten. Dann könne man sicher zahlreiche Rotfahrer erwischen, sagt Schütt.

Die Senatsverkehrsverwaltung bestätigt auf Nachfrage, dass es seit Ende Dezember bereits Kontrollen an der Einmündung gegeben habe. Bei den Verkehrsteilnehmern scheine der Unterschied zwischen der früheren Ampelschaltung und der neuen „nicht umfänglich realisiert worden zu sein“, räumt eine Sprecherin ein.

Die Schwierigkeit: Schon vorher gab es eine Ampel für Rechtsabbieger, diese hatte allerdings nur zwei Felder und galt zusätzlich. Nun gilt für Rechtsabbieger nur noch die neue, größere und jetzt dreifelderige Ampel mit Rechtsabbieger-Pfeil.

Kreuzung Nauener Straße/ Brunsbütteler Damm soll barrierefrei werden

Um die Situation noch eindeutiger zu machen, hat die Senatsverkehrsverwaltung reagiert und eine Ampel, die sich direkt neben jener für Rechtsabbieger befindet, abdecken lassen. Ein weiterer Schritt ist geplant. Die aktuell abgedeckte Ampel werde „zeitnah abmontiert und etwas nach links versetzt, damit dadurch der verbleibende separate große dreifelderige Signalgeber für Rechtsabbiegende abgesetzt und besser sichtbar wird“, erklärt die Sprecherin. Grundsätzlich sei die umgesetzte Variante aber in ihrer Ausführung korrekt.

Dass die Ampelschaltung an der Kreuzung verändert werden soll, war unter Leitung einer Unfall-Kommission als Reaktion auf den tödlichen Unfall beschlossen worden. Zusätzlich wurde entschieden, die Haltelinie für Radfahrer nach vorne, direkt an den Brunsbütteler Damm zu verlegen. Weiter ist geplant, die roten Flächenmarkierungen auf der Straße für Radfahrer zu verbreitern, diese Arbeiten stehen noch aus.

Darüber hinaus kündigt die Senatsverwaltung an, dass der Knotenpunkt im nächsten Schritt barrierefrei ausgebaut werden soll. Dann sollen auch die Fußgänger und die Linksabbieger, die bislang noch gleichzeitig Grün haben, getrennte Ampelschaltungen bekommen, heißt es. Außerdem sollen weitere Ampelmasten dazu kommen. „Eine Zeitplanung zur Umsetzung der finalen Gestaltung wird derzeit abgestimmt“, teilt die Sprecherin mit.

Der achtjährige Constantin wurde im Juni 2018 von einem Lkw überrollt und getötet. Der Fahrer, Lorenz K., wurde Anfang Dezember 2019 wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sprach im Prozess von einem Augenblicksversagen.

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