Entwicklungsgebiet

Doch keine Wohnungen: Spandauer Kleingärten bleiben erhalten

Geplant war, auf dem Gelände der ehemaligen Spandauer Kaserne 1000 Wohnungen zu bauen. Die sollen nun aber doch nicht kommen.

Der Kleingartenverein Hasenheide kann weiter bestehen. Die Kolonie wurde vor der Schließung bewahrt.

Der Kleingartenverein Hasenheide kann weiter bestehen. Die Kolonie wurde vor der Schließung bewahrt.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Die Erleichterung bei den Spandauer Kleingärtnern ist groß: Das Gebiet um die Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne bis hin zur Heerstraße, das auch zwei Kleingarten-Kolonien umfasst, soll nun doch kein städtebauliches Entwicklungsgebiet werden. Das Land Berlin hat eine Verordnung über ein Vorkaufsrecht für das Areal kürzlich aufgehoben. Mit diesem Beschluss, sagt Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU), sei das Vorhaben endgültig abgeschlossen. Damit können auch mehr als 200 Gartenparzellen bestehen bleiben.

Dass auf dem Kasernengelände rund 1000 Wohnungen entstehen sollten, war bereits 2017 ein Thema. Damals verhandelte die Senatsfinanzverwaltung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die die frühere britische Militäranlage verwaltet, über einen Kauf des Areals. Der Bezirk, so berichtet Baustadtrat Bewig, sei sich damals einig mit dem Senat gewesen, ein Quartier zu entwickeln und auch die Unterbringung von Flüchtlingen zu integrieren, die es auf dem Kasernengelände gab.

Bezirk Spandau lehnte Pläne für Entwicklungsgebiet von Beginn an ab

„Dann hat das Land aber entschieden, nicht nur das Gebiet zu entwickeln, wo wir gemeinschaftlich etwas machen wollten, sondern auch das ganze Umfeld mit zu betrachten“, erklärt Bewig. Gegen die Pläne, das gesamte Gebiet der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne sowie der angrenzenden Flächen zwischen

Seeburger Straße/ Seeburger Weg, Heerstraße und Wilhelmstraße als städtebauliches Entwicklungsgebiet auszuweisen, habe man sich sofort gewehrt. „Es war klar, dann muss man an die Kleingärten ran“, sagt der Stadtrat. Auch Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) hatte 2017 bereits erklärt, dass die Pläne im Bezirk abgelehnt werden.

Skeptisch sei man aber nicht nur wegen der Kleingärten gewesen, sondern auch wegen der Verkehrsanbindung, erklärt Bewig. Zwar gibt es die nahe Heerstraße, die ins Zentrum führt. Doch die ist heute schon häufig überlastet.

Zudem verweist der Stadtrat darauf, dass es bereits an anderen Orten im Bezirk große Bauprojekte gibt, die schon abgeschlossen sind, noch laufen oder in nächster Zeit starten. Beispiele sind die „Pepitahöfe“ in Hakenfelde, das Quartier „Waterkant“ in Haselhorst oder die Insel Gartenfeld, wo 3000 bis 4000 Wohnungen geplant sind.

Bedrohte Kleingarten-Kolonie in Spandau ist mehr als 100 Jahre alt

Helmut van Heese, Vorsitzender des Bezirksverbandes Spandau der Kleingärtner, spricht von einer „unangenehmen Situation“, die es durch das drohende Abräumen der beiden Kolonien gegeben habe. Die Kolonie Hasenheide ist laut van Heese mehr als 100 Jahre alt, in den vergangenen Jahren sei viel Geld und Zeit in die Anlage investiert worden, etwa um übergroße Parzellen zu teilen und so zusätzliche Garten zu schaffen.

Denn die Nachfrage ist groß: „Wir haben einen starken Bedarf und etwa 2000 suchende Kleingärtner in Spandau“, sagt van Heese. Auch die beiden betroffenen Kolonien seien fast vollständig ausgelastet. Neben der Anlage „Hasenheide“ hätte auch die Kolonie Heerstraße für das Entwicklungsgebiet abgeräumt werden müssen. „Es ist überlegt worden, sie völlig aufzulösen und verteilt auf mehrere Grundstücke an anderer Stelle neu zu errichten“, erklärt van Heese. Rund 90 Parzellen umfasse die Kolonie, an der „Hasenheide“ sind es etwa 130.

Kleingärtner betont Erholungs- und Gesundheitswert der Kolonien

Um die Vernichtung der Gärten abzuwenden, habe man sich auch an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gewandt, regelmäßige Gespräche geführt, berichtet der Verbandsvorsitzende. „Wenn eine Kolonie über 100 Jahre besteht, hat sie eine Menge mitgemacht und ist Teil unserer Stadtkultur“, sagt er.

In der Kolonie „Hasenheide“ seien Theater- und Sportgruppen aufgebaut und überhaupt viel für die Gemeinschaft getan worden. „Das sind alles Dinge, die man heute versucht, wieder zu praktizieren.“ Daneben betont van Heese, dass es solche Kolonien einen hohen Erholungs- und Gesundheitswert hätten, außerdem gebe es eine große Grünfläche mit nicht versiegeltem Boden, die für die Verdunstung und Versickerung von Regenwasser bedeutsam sei. „Für eine lebenswerte Stadt ist das ganz wichtig und ein Bestandteil, auf den man nicht verzichten sollte“, sagt er.

Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne: Bezirk Spandau plant keine Wohnungen mehr

In der aktuellen Verordnung des Senats heißt es, bis zum Sommer 2019 habe es vorbereitende Untersuchungen für städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen in dem Areal gegeben. Am Ende sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass kein besonderes Städtebaurecht benötigt werde, um die Flächen zu entwickeln. Angestrebte Ziele könnte das Bezirksamt Spandau weiterverfolgen.

Dort allerdings ist man von den Plänen von 2017 abgerückt. Inzwischen, sagt Bezirksstadtrat Bewig, gibt es keine Absicht mehr, das ursprünglich vorgesehene Quartier zu entwickeln, auch nicht auf dem Gelände der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne. „Wohnungen sind aktuell nicht geplant“, erklärt der Stadtrat. Die Kaserne werde ein abgeschlossener Bereich bleiben. Das hängt auch mit dem Bundesvorhaben zusammen, dort die GSG9, die Spezialeinheit der Bundespolizei, zu stationieren.

Weil dafür zuerst noch verschiedene Baumaßnahmen erforderlich sind, wird es aber wohl bis mindestens 2026 dauern, bis die Einheit den Standort bezieht. Was der Bezirk tatsächlich plant, ist eine neue Grundschule, die auf dem ehemaligen Munitionslager der „Smuts Barracks“ entstehen soll. Auch dieses Gelände war ursprünglich als Teil des Entwicklungsgebiets vorgesehen. Mit der vierzügigen Grundschule soll dem erwarteten und wachsenden Schulplatzmangel im Ortsteil Wilhelmstadt begegnet werden.

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